{"id":9082,"date":"2017-02-23T10:11:48","date_gmt":"2017-02-23T10:11:48","guid":{"rendered":"http:\/\/vaeter-und-karriere.de\/blog\/?p=9082"},"modified":"2017-03-02T10:14:58","modified_gmt":"2017-03-02T10:14:58","slug":"vaterliche-praxis-hat-sich-grundlegend-verandert","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/vaeter-und-karriere.de\/blog\/index.php\/2017\/02\/23\/vaterliche-praxis-hat-sich-grundlegend-verandert\/","title":{"rendered":"V\u00e4terliche Praxis hat sich grundlegend ver\u00e4ndert"},"content":{"rendered":"<p>Das sozialwissenschaftliches Nachrichtenportal <a href=\"http:\/\/soziopolis.de\" target=\"_blank\">Soziopolis<\/a> hat ein Interview ver\u00f6ffentlicht, in dem der Soziologe und Erziehungswissenschaftler <a href=\"http:\/\/www.fk12.tu-dortmund.de\/cms\/ISO\/de\/home\/personen\/iso\/Meuser_Michael.html\" target=\"_blank\">Michael Meuser<\/a> im Interview mit Anna Buschmeyer u.a. \u00fcber den Wandel von M\u00e4nnlichkeit spricht.<\/p>\n<p><strong>\u201e\u2026 Sie haben ja in den vergangenen Jahren viel \u00fcber die \u201aneuen\u2018 oder engagierten V\u00e4ter geschrieben. Werden die tats\u00e4chlich immer mehr?&#8230;<\/strong><\/p>\n<p>Auf den ersten Blick scheint der Anstieg von 3,5 Prozent Elternzeit nehmender V\u00e4ter im Jahre 2006 auf mittlerweile 34 Prozent daf\u00fcr zu sprechen, dass sich mit der Novellierung des Elterngeldgesetzes das Verst\u00e4ndnis von Vaterschaft stark ver\u00e4ndert hat. Allerdings nimmt die gro\u00dfe Mehrheit der V\u00e4ter, die in Elternzeit gehen, n\u00e4mlich 78 Prozent, lediglich die zwei Monate, die das Gesetz dem Elternpaar seit 2007 zus\u00e4tzlich finanziert, wenn beide Partner Elternzeit nehmen. Diese Novellierung des Elterngeldgesetzes hat bewirkt, dass eine wachsende Zahl von V\u00e4tern das beansprucht, was zus\u00e4tzlich m\u00f6glich ist. Das allein scheint mir aber kein Indikator daf\u00fcr, dass sich die v\u00e4terliche <em>Praxis<\/em> grundlegend ver\u00e4ndert hat.<\/p>\n<p>Andererseits belegen gerade die Zeitbudget-Studien, die vom Statistischen Bundesamt alle zehn Jahre durchgef\u00fchrt werden, dass zwar nach wie vor die M\u00fctter deutlich mehr Zeit f\u00fcr Kinderbetreuung aufwenden als die V\u00e4ter \u2013 egal ob sie berufst\u00e4tig sind oder nicht. Dennoch ist der Anteil der V\u00e4ter nicht zu vernachl\u00e4ssigen. Etwa 30\u201335 Prozent der Aufgaben der Kinderbetreuung werden von den V\u00e4tern \u00fcbernommen. Sie sind keineswegs die abwesenden V\u00e4ter, von denen lange Zeit in der Medienberichterstattung die Rede war. Umfragedaten zeigen, dass die allermeisten jungen M\u00e4nner an der Kinderbetreuung beteiligt sein <em>wollen<\/em>. \u2026<\/p>\n<p>Dennoch sollte man die W\u00fcnsche der V\u00e4ter nicht als reine Lippenbekenntnisse abtun, wobei die Umsetzung dieses Wunsches durch verschiedene Faktoren erschwert wird. Insbesondere besteht immer noch ein hoher Widerstand aufseiten der Arbeitgeber. Eine eigene aktuelle Studie hat ergeben, dass V\u00e4ter, die mehr als zwei Monate Elternzeit in Anspruch nehmen wollen, was ihnen ja rechtlich zusteht, nach wie vor mit gro\u00dfen Schwierigkeiten k\u00e4mpfen m\u00fcssen. Zwei Monate werden mittlerweile akzeptiert, f\u00fcr die Unternehmen stellt sich das dar wie ein l\u00e4ngerer Urlaub, das kann man managen. Geht es aber um mehr als zwei Monate, wird vielen dieser V\u00e4ter klar gemacht, dass das eigentlich nicht gewollt ist. \u2026<\/p>\n<p>Es ver\u00e4ndert sich also durchaus etwas. Neu ist gegenw\u00e4rtig jedenfalls die Anforderung, neben der Ern\u00e4hrerposition auch noch die Position des aktiven Vaters auszuf\u00fcllen. Der Vater ist nicht aus seiner \u201ePflicht\u201c, Ern\u00e4hrer zu sein, entlassen worden, sondern es ist diese zus\u00e4tzliche Anforderung hinzugekommen.<\/p>\n<p><strong>Insgesamt nimmt noch nicht einmal die H\u00e4lfte der V\u00e4ter Elternzeit. Schlie\u00dflich haben sie auch die M\u00f6glichkeit, es nicht zu tun, w\u00e4hrend Frauen fast immer wie selbstverst\u00e4ndlich mindestens f\u00fcr ein halbes Jahr aus dem Beruf aussteigen. Nutzen M\u00e4nner ihre Verhandlungsposition anders?<\/strong><\/p>\n<p>Ja. Nach wie vor ist es f\u00fcr M\u00e4nner leichter, nicht in Elternzeit zu gehen, als f\u00fcr Frauen. Andererseits hat eines meiner Forschungsprojekte auch gezeigt, dass eine durchaus nicht geringe Zahl von M\u00fcttern gar nicht m\u00f6chte, dass der Vater l\u00e4ngere Zeit in Elternzeit geht. Eine gro\u00dfe Zahl von M\u00fcttern scheint ihre Position in der Familie gegen\u00fcber Bestrebungen von V\u00e4tern, st\u00e4rker beteiligt zu sein, gewisserma\u00dfen zu verteidigen. Eine engagierte oder involvierte Vaterschaft zieht schlie\u00dflich eine Ver\u00e4nderung im Machtgef\u00fcge innerhalb der Familie nach sich. Etablierte Positionen und Einflusszonen m\u00fcssen dann neu verhandelt werden.<\/p>\n<p>Die Mehrzahl der V\u00e4ter, die sich in der Kinderbetreuung nachhaltig (wenn auch meist nicht zu gleichen Teilen wie die M\u00fctter) engagieren, akzeptiert allerdings die Position der Mutter als <em>primary caregiver<\/em>. Ein stillschweigendes Einverst\u00e4ndnis zwischen Vater und Mutter \u00fcber diese Rollenverteilung scheint recht verbreitet zu sein. Aufseiten der M\u00fctter bedeutet das nicht unbedingt, dass sie die V\u00e4ter nicht dabeihaben wollen. \u2026<\/p>\n<p>Nicht zuletzt muss man neben der Konstellation Vater, Mutter, Kind auch das weitere Umfeld betrachten. In der Schule etwa adressieren die Lehrkr\u00e4fte die M\u00fctter und nicht die V\u00e4ter. Auch wenn der Vater das Kind noch so regelm\u00e4\u00dfig von der Schule abholt, wird die Mutter als prim\u00e4re Erziehungsperson angesehen. All das spielt eine Rolle.\u201c<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/soziopolis.de\/beobachten\/gesellschaft\/artikel\/neue-vaeter-und-verunsicherte-maenner-maennlichkeit-in-geschlechtersoziologischer-perspektive\/ \" target=\"_blank\">Quelle<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das sozialwissenschaftliches Nachrichtenportal Soziopolis hat ein Interview ver\u00f6ffentlicht, in dem der Soziologe und Erziehungswissenschaftler Michael Meuser im Interview mit Anna Buschmeyer u.a. \u00fcber den Wandel von M\u00e4nnlichkeit spricht. \u201e\u2026 Sie haben ja in den vergangenen Jahren viel \u00fcber die \u201aneuen\u2018 oder engagierten V\u00e4ter geschrieben. 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