{"id":8881,"date":"2016-06-05T20:02:54","date_gmt":"2016-06-05T20:02:54","guid":{"rendered":"http:\/\/vaeter-und-karriere.de\/blog\/?p=8881"},"modified":"2016-06-06T20:07:04","modified_gmt":"2016-06-06T20:07:04","slug":"bevor-die-glut-erlischt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/vaeter-und-karriere.de\/blog\/index.php\/2016\/06\/05\/bevor-die-glut-erlischt\/","title":{"rendered":"Bevor die Glut erlischt"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"http:\/\/www.mencare.swiss\/sites\/default\/files\/styles\/kampa_style_content\/public\/heinzwalter.jpg \"><img loading=\"lazy\" class=\"alignright\" src=\"http:\/\/www.mencare.swiss\/sites\/default\/files\/styles\/kampa_style_content\/public\/heinzwalter.jpg \" alt=\"\" width=\"259\" height=\"148\" \/><\/a>Im Interview mit Markus Theunert erl\u00e4utert Heinz Walter was ihn seit vier Jahrzehnten an V\u00e4terforschung reizt:<\/p>\n<p><strong>Herr Walter, Sie sind schon seit vielen Jahren in der V\u00e4terforschung t\u00e4tig. Was reizt Sie so an diesem Thema?<\/strong><\/p>\n<p>Es sind viele Themen! Je l\u00e4nger man sich dem Themenkomplex V\u00e4ter widmet, umso mehr Themen entdeckt man, die eine eingehende Auseinandersetzung verlangen. Unter anderem zeugen die zwei dicken, im Psychosozial-Verlag 2002 und 20012 von mir herausgegebenen <a href=\"http:\/\/www.psychosozial-verlag.de\/catalog\/autoren.php?author_id=65\" target=\"_blank\">B\u00e4nde<\/a> davon.<\/p>\n<p>Anfangs hat die sozialwissenschaftliche Forschung \u00abEltern\u00bb nahezu durchgehend mit \u00abMutter\u00bb gleichgesetzt, wenn es um Einfl\u00fcsse der Herkunftsfamilie auf Kinder ging. Eigentlich sollte es einsichtig sein, dass dies eine zu einseitige Sichtweise ist. Doch dauerte es auch in Forschungskreisen ziemlich lange, bis sich diese Einsicht durchsetzen konnte.<\/p>\n<p>Als konkrete Forschungsergebnisse dann zunehmend belegen konnten, in welch hohem Ausma\u00df V\u00e4ter bzw. das elterliche Zusammenspiel von Mutter und Vater die Entwicklung der jeweils betroffenen Kinder beeinflussen, kam das Anliegen hinzu, diese Einsichten einer breiteren \u00d6ffentlichkeit kundzutun \u2013 in Form von Vortr\u00e4gen, Workshops, Coaching.<\/p>\n<p><strong>Von au\u00dfen gewinnt man den Eindruck, V\u00e4ter seien eigentlich nur interessant als \u00abFunktionstr\u00e4ger\u00bb, als \u00abMittel zum Zweck\u00bb. Wie es den V\u00e4tern selbst geht, interessiert aber eigentlich niemanden. T\u00e4uscht der Eindruck?<\/strong><\/p>\n<p>Dass dieser Eindruck entsteht, ist verst\u00e4ndlich. Denn tats\u00e4chlich wird vorherrschend dem Einfluss der V\u00e4ter (gemeinsam mit dem der M\u00fctter) auf ein mehr oder weniger gut gelingendes Heranwachsen des Nachwuchses nachgegangen. Pointiert k\u00f6nnte man formulieren: Was n\u00fctzt ein Vater \u00fcber den schon immer als gr\u00f6sser angenommenen Einfluss der Mutter hinaus?<\/p>\n<p>Doch es gibt auch Anderes. Da sind die Tiefeninterviews der Psychologin Ariane Schorn (2003) mit werdenden V\u00e4tern, die einen bunten Strau\u00df von ambivalenten Empfindungen und Zukunfts\u00e4ngsten w\u00e4hrend der Schwangerschaftsphase zutage f\u00f6rdern.<\/p>\n<p>Da ist das in unserem Konstanzer Arbeitsbereich entstandene KOVI, das Konstanzer V\u00e4terinstrument, das V\u00e4ter auf standardisierte Weise zu einer Selbsteinsch\u00e4tzung bez\u00fcglich Aspekten veranlasst, die ihre Vaterschaft betreffen. Zum Beispiel bez\u00fcglich der Fragen, wieviel Bereicherung und wie viel Belastung sie durch ihr Vatersein erfahren.<\/p>\n<p><strong>Wenn Sie aufgrund Ihrer professionellen Erfahrung einen Wunsch beim Schweizer Familien- und Gleichstellungsminister Alain Berset zugute h\u00e4tten: Was w\u00fcrden Sie verlangen?<\/strong><\/p>\n<p>Was ich mir im Interesse all der V\u00e4ter w\u00fcnsche, denen neben ihrem Beruf und neben einer egalit\u00e4ren Partnerschaft die Beziehung zu ihren Kindern ab Geburt ein zentraler Lebensinhalt ist \u2013 eine Spezies, die bereits erstaunlich zahlreich ist und deutlich am Zunehmen scheint: Dass sie Rahmenbedingungen und hinreichende M\u00f6glichkeiten bekommen, um die Beziehung zu ihren Kindern auch tats\u00e4chlich lebendig zu gestalten. Ein entscheidendes Merkmal dieser Rahmenbedingungen ist ihre Kontinuit\u00e4t \u2013 nicht auf das Wochenende, den Urlaub, einen bestimmten Altersabschnitt des Kindes beschr\u00e4nkt (wenn auch die ersten Lebensjahre hier besonders entscheidend sind). Kinder sind sehr geschickt, ein Beziehungsfeuer zwischen sich und ihrem Vater zu entfachen. Doch wenn die Glut dieses Feuers immer wieder erlischt, bevor das Feuer neu entfacht werden kann, erlischt auch der Glaube des Kindes irgendwann, f\u00fcr den Vater ein in seiner Einzigartigkeit interessantes Wesen zu sein. Das hat gravierende Konsequenzen f\u00fcr seine Entwicklung.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.mencare.swiss\/de\/news\/2016-06-03-bevor-die-glut-erlischt\" target=\"_blank\">Quelle<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Im Interview mit Markus Theunert erl\u00e4utert Heinz Walter was ihn seit vier Jahrzehnten an V\u00e4terforschung reizt: Herr Walter, Sie sind schon seit vielen Jahren in der V\u00e4terforschung t\u00e4tig. Was reizt Sie so an diesem Thema? Es sind viele Themen! 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