{"id":8575,"date":"2015-08-13T10:38:41","date_gmt":"2015-08-13T10:38:41","guid":{"rendered":"http:\/\/vaeter-und-karriere.de\/blog\/?p=8575"},"modified":"2015-08-18T10:41:01","modified_gmt":"2015-08-18T10:41:01","slug":"aushandlungen-von-paaren-zur-elternzeit","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/vaeter-und-karriere.de\/blog\/index.php\/2015\/08\/13\/aushandlungen-von-paaren-zur-elternzeit\/","title":{"rendered":"Aushandlungen von Paaren zur Elternzeit"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"http:\/\/www.amazon.de\/gp\/product\/3658070706\/ref=as_li_tl?ie=UTF8&amp;camp=1638&amp;creative=19454&amp;creativeASIN=3658070706&amp;linkCode=as2&amp;tag=vaeterblog-21 \"><img loading=\"lazy\" class=\"alignright\" src=\"http:\/\/bilder.buecher.de\/produkte\/41\/41926\/41926109z.jpg \" alt=\"\" width=\"159\" height=\"228\" \/><\/a>Zwischen den W\u00fcnschen von V\u00e4tern, mehr Zeit in Familie bringen zu wollen und der tats\u00e4chlichen Reduzierung von Arbeitszeit nach der Geburt eines Kindes oder der Inanspruchnahme von l\u00e4ngeren Elternzeiten klafft immer noch eine L\u00fccke. Zur Erkl\u00e4rung dieser Widerspr\u00fcche gibt es inzwischen eine ganze Reihe von Untersuchungen und Studien, die gute Gr\u00fcnde und Erkl\u00e4rungen liefern, nach Ansicht der T\u00fcbinger Wissenschaftlerin Almut Peukert aber zu kurz greifen.<\/p>\n<p>Sie setzt sich in ihrer k\u00fcrzlich ver\u00f6ffentlichten <a href=\"http:\/\/www.amazon.de\/gp\/product\/3658070706\/ref=as_li_tl?ie=UTF8&amp;camp=1638&amp;creative=19454&amp;creativeASIN=3658070706&amp;linkCode=as2&amp;tag=vaeterblog-21 \" target=\"_blank\">Dissertation<\/a> kritisch mit den vorliegenden Quantitativ empirischen Studien zur Inanspruchnahme von Elternzeit durch V\u00e4ter auseinander. Neben der jeweiligen Datenbasis und fehlender Vergleichsgruppen gibt sie insbesondere zu bedenken, dass in allen Studien mit theoretischen Modellen es (neo-) utilitaristischen Paradigmas gearbeitet wird, welche als Handlungsmodell der rationalen Wahl voraussetzen. Dies ist ihrer Meinung nach \u201aunterkomplex\u2018.<\/p>\n<p>Sie h\u00e4lt es f\u00fcr erforderlich, den Blick st\u00e4rker auf die innerpartnerschaftlichen Aushandlungen im \u00dcbergang zur Elternschaft zu richten. Auf der Grundlage der von ihr mit 9 Paaren gef\u00fchrten Partner- und Einzelinterviews entwickelt sie anhand des Aspekts \u201eWer betreut das Kind?\u201c vier zentrale Begr\u00fcndungsfiguren, die sich in der Selbst- und Fremdzuschreibung von Betreuungsverantwortung und \u2013aufgaben unterscheiden:<\/p>\n<p>\u201e1. \u201aHegemonic Mothering\u2018: Beide Elternteile sehen selbstverst\u00e4ndlich und einvernehmlich die Mutter in der Betreuungsverantwortung, w\u00e4hrend der Vater als (deutlich) weniger kompetent und verantwortlich positioniert wird.<\/p>\n<p>2. \u201aSameness Taboo\u2018: Beide Elternteile verstehen sich auf Paarebene als potenziell egalit\u00e4re Betreuungspersonen. Der Vater versucht jedoch implizit \u00fcber geschlechterdifferenzierende Annahmen seine Betreuungsverantwortung zu minimieren.<\/p>\n<p>3. \u201aMaternal Gatekeeping\u2018: Die Mutter schreibt sich selbst die Hauptverantwortung f\u00fcr die Betreuung des Kindes zu und versucht das Engagement des Vaters zu begrenzen. Der Vater hingegen versteht sich als egalit\u00e4rer Elternteil und widersetzt sich dem \u201aMaternal Gatekeeping\u2018.<\/p>\n<p>4. \u201aEqually Shared Parenting\u2018: Beide Elternteile sehen sich selbstverst\u00e4ndlich, einvernehmlich und im gleichen Ma\u00dfe in der Betreuungsverantwortung.\u201c<\/p>\n<p>Auch bei der Frage, \u201eWer nimmt wie lange Elternzeit?\u201c weist die Autorin anhand der von ihr untersuchten Paare nach, dass nicht nur die Nominalwerte der Erwerbseinkommen und die beruflichen Rahmenbedingungen ma\u00dfgeblich sind. \u201eVielmehr handelt es sich bei den Aushandlungen um eine Konstruktion von Realit\u00e4t, durch die Handlungsoptionen \u2026 wahrgenommen werden.\u201c<\/p>\n<p>Die vier Begr\u00fcndungsfiguren spielen auch bei der Elternzeitaufteilung eine Rolle. Peukert weist systematische Unterschiede darin, welche Erwerbst\u00e4tigkeiten, Karriere(n) und Einkommen in den Aushandlungen der Paare zur Elternzeit relevant bzw. nicht relevant gemacht werden, nach.<!--more--><\/p>\n<p>Beim \u201eHegemonic Mothering\u201c geht es um zwei parallele Elternmonate oder keine und das Einkommen spielt keine Rolle, bei \u201eEqually Shared\u2018 orientierten Eltern geht es um 14 Monate die entweder gleichm\u00e4\u00dfig (7\/7) oder entsprechend der beruflichen Situation und\/oder dem Einkommen beider Elternteile anders aufgeteilt. Entsprechend der ausgehandelten Fremd- und Eigenzuschreibungen von Betreuungsverantwortung werden von den Paaren nicht alle m\u00f6glichen Arrangements in Betracht gezogen bzw. auch \u00f6konomisch kalkuliert.<\/p>\n<p>F\u00fcr Peukert spiegelt sich in der Varianz und Ambivalenz der Aushandlungen bei den Paaren und deren Ergebnissen auch die Widerspr\u00fcchlichkeit der Leitbilder innerhalb der deutschen Familienpolitik wider. F\u00fcr eine F\u00f6rderung der Gleichberechtigung zwischen V\u00e4tern und M\u00fcttern empfiehlt sie dem Gesetzgeber eine parit\u00e4tische Aufteilung der Elterngeldmonate, die dann zum Teil \u00fcbertragen werden k\u00f6nnen. Das w\u00fcrde die Zuschreibung der Betreuungsverantwortung ver\u00e4ndern und die Position von V\u00e4tern bei der \u00dcbernahme von Aufgaben in der Familie st\u00e4rken.<\/p>\n<p>Die Studie bietet allen, denen die \u00f6ffentliche Diskussion \u00fcber die Aushandlungsergebnisse zur Inanspruchnahme von Elternzeit durch V\u00e4ter zu wenig Erkl\u00e4rungen zu der Diskrepanz zwischen W\u00fcnschen und Wirklichkeiten liefert, Hintergrundwissen und Anregungen f\u00fcr die eigene Beratungsarbeit aber auch Argumente f\u00fcr die politische Diskussion zur Weiterentwicklung der (Elterngeld-) Gesetzgebung.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zwischen den W\u00fcnschen von V\u00e4tern, mehr Zeit in Familie bringen zu wollen und der tats\u00e4chlichen Reduzierung von Arbeitszeit nach der Geburt eines Kindes oder der Inanspruchnahme von l\u00e4ngeren Elternzeiten klafft immer noch eine L\u00fccke. Zur Erkl\u00e4rung dieser Widerspr\u00fcche gibt es inzwischen eine ganze Reihe von Untersuchungen und Studien, die gute Gr\u00fcnde und Erkl\u00e4rungen liefern, nach [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[8,2,47],"tags":[82],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/vaeter-und-karriere.de\/blog\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/8575"}],"collection":[{"href":"https:\/\/vaeter-und-karriere.de\/blog\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/vaeter-und-karriere.de\/blog\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/vaeter-und-karriere.de\/blog\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/vaeter-und-karriere.de\/blog\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=8575"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/vaeter-und-karriere.de\/blog\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/8575\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":8576,"href":"https:\/\/vaeter-und-karriere.de\/blog\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/8575\/revisions\/8576"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/vaeter-und-karriere.de\/blog\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=8575"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/vaeter-und-karriere.de\/blog\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=8575"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/vaeter-und-karriere.de\/blog\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=8575"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}