{"id":8219,"date":"2014-07-28T09:15:11","date_gmt":"2014-07-28T09:15:11","guid":{"rendered":"http:\/\/vaeter-und-karriere.de\/blog\/?p=8219"},"modified":"2014-07-31T18:54:11","modified_gmt":"2014-07-31T18:54:11","slug":"geteilte-elternschaft-nach-dem-scheitern-der-partnerschaft","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/vaeter-und-karriere.de\/blog\/index.php\/2014\/07\/28\/geteilte-elternschaft-nach-dem-scheitern-der-partnerschaft\/","title":{"rendered":"Geteilte Elternschaft nach dem Scheitern der Partnerschaft"},"content":{"rendered":"<p>Auch nach dem Scheitern einer Beziehung bleiben Eltern in der gemeinsamen Verantwortung f\u00fcr ihre Kinder. Ein Modell, diese im Alltag zu praktizieren ist die \u201aparit\u00e4tische Doppelresidenz\u2018 bzw. das \u201aWechselmodell\u2018, bei dem die Kinder im 7 bzw. 14 t\u00e4gigen Rhythmus abwechselnd vom Vater bzw. der Mutter betreut werden. W\u00e4hrend die gemeinsame Sorge nach einer Scheidung inzwischen die rechtliche Regel ist, wird das Wechselmodell in Deutschland in weniger als 5 % der Trennungsfamilien praktiziert. Warum das so ist und ob eine parit\u00e4tische Doppelresidenz \u00fcberhaupt dem Kindeswohl mehr dient als die bisherige Praxis, m\u00f6chte die Bundesregierung nun bis 2018 in einer breit angelegten Studie erforschen lassen.<\/p>\n<p>Die Notwendigkeit einer derartigen Erhebung wurde von den \u00fcber 100 Teilnehmenden an der \u201a<a href=\"http:\/\/twohomes.org\/de_konferenz_2014\" target=\"_blank\">International Conference on Shared Parenting 2014<\/a>\u2018 die vom 9. Bis zum 11. Juli im Wissenschaftszentrum Bonn stattfand, kompetent in Frage gestellt. Dort diskutierten mehr als 100 Wissenschaftler, Forscherinnen und Praktiker aus den verschiedenen mit dem Thema befassten Berufsfeldern sich unter anderem mit den Ergebnissen von fast 50 Studien zum Wechselmodell bzw. pr\u00e4sentierten eigene Studien und Erfahrungen.<\/p>\n<p>F\u00fcr Prof Neyrand aus Toulouse h\u00e4ngt die Zunahme des Wechselmodells seit den 70er Jahren in Frankreich unmittelbar mit der Diskussion um die Bedeutung der V\u00e4ter f\u00fcr die Entwicklung der Kinder und den damit verbundenen neuen Rollenzuschreibungen zusammen. In dem Ma\u00dfe, wie die Bedeutung der V\u00e4ter gewachsen ist, haben M\u00fctter an Bedeutung verloren. Vor allem vor dem Hintergrund der Zunahme von Trennungen und Scheidungen ist die Beteiligung von V\u00e4tern ein guter Weg. Mit dieser Entwicklung sind auch neue Anforderungen an soziale Institutionen, das gesellschaftliche Umfeld verbunden, die Familien, M\u00fctter und V\u00e4ter\u00a0 dabei unterst\u00fctzen k\u00f6nnen, ihre Aufgaben wahrzunehmen. Gesetzgebung und Rechtsprechung m\u00fcssen diese Entwicklung ebenfalls abbilden.<\/p>\n<p>Dieser in der Praxis vollzogene Wandel bedeute eine Revolution und die in den vergangenen Jahren erfolgte Forschung hat die positiven Effekte vielfach best\u00e4tigt. Das Wechselmodell ist dabei mehr als ein Symbol, Kinder haben in ihm die M\u00f6glichkeit, nach einer Trennung den Kontakt zu beiden Elternteilen aufrecht zu halten. Und um die Kinder geht es doch in erster Linie. Seine Schlussfolgerung: Wir brauchen einen breiten gesellschaftlichen Dialog \u00fcber die Vorz\u00fcge dieses Modells<\/p>\n<p>Frau Prof. S\u00fcnderhauf aus N\u00fcrnberg, Verfasserin des deutschen Standardwerks \u201a<a href=\"http:\/\/www.amazon.de\/gp\/product\/3531183400\/ref=as_li_ss_tl?ie=UTF8&amp;camp=1638&amp;creative=19454&amp;creativeASIN=3531183400&amp;linkCode=as2&amp;tag=vaeterblog-21&amp;l=as2&amp;o=3&amp;a=3531183400 \" target=\"_blank\">Wechselmodell: Psychologie &#8211; Recht &#8211; Praxis: Abwechselnde Kinderbetreuung durch Eltern nach Trennung und Scheidung<\/a>\u2018, wies in ihrem Beitrag deutlich auf den Trend zum Wechselmodell in allen westlichen Industrienationen hin. Das von der Rechtsprechung bevorzugte Residenzmodell spiegelt in ihren Augen das traditionelle Familienbild des ausgehenden 19. Jahrhunderts wider und bef\u00f6rdert eine destruktive Trennungskultur.<\/p>\n<p>Schwerpunkt ihres Vortrags war die Zusammenfassung der Ergebnisse von 49 Studien zur Praxis und Auswirkungen des Wechselmodells seit den 70er Jahren des 20. Jahrhunderts. Nur zwei dieser Studien kommen in der Konstellation von \u201ahochstrittigen Eltern\u2018 zu negativen Ergebnissen. Zum Punkt \u201aZufriedenheit der Kinder\u2018 stellte sie folgende Ergebnisse dar:<\/p>\n<ul>\n<li>Kinder im Wechselmodell sind \u201asehr zufrieden\u2018 mit ihrer famili\u00e4ren Situation (Eltern-Kontakt\/ Eltern-Unterst\u00fctzung) \u2013 deutlich zufriedener als Kinder die \u00fcberwiegend bei einem Elternteil leben (Residenzmodell RM)<\/li>\n<li>Kinder im Wechselmodell zeigen eine h\u00f6here allgemeine Lebenszufriedenheit als Kinder im RM<\/li>\n<li>Kinder im WM zeigen eine h\u00f6here Zufriedenheit mit ihrer schulischen ituation als Kinder im RM und sind signifikant seltener Mobbing Opfer<\/li>\n<\/ul>\n<p>Prof Kruk von der University of British Columbia, Canada stellte in seinem Beitrag die Bed\u00fcrfnisse der Kinder vor die Rechte der Eltern und wie den Institutionen eine klare Aufgabe zu: \u201eDie Bed\u00fcrfnisse der Kinder sind \u201aheilig\u2018 und sie kommen vor den Rechten. Zu jedem Bed\u00fcrfnis gibt es eine entsprechende Verpflichtung. Es ist die Verantwortung der sozialen Institutionen, Eltern zu unterst\u00fctzen, damit sie ihre Verantwortung gegen\u00fcber Kindern wahrnehmen k\u00f6nnen.\u201c Dazu reiche ein rechtlicher Ansatz nicht aus, die Verantwortung stehe vor dem Recht.<\/p>\n<p>Der Verlust eines Elternteils bedeutet eine Entwurzelung und die Entfremdung eines Elternteils durch das andere sei nichts anderes als Missbrauch. Kinder im Wechselmodell verbringen insgesamt mehr Zeit mit beiden Eltern und profitieren von den Ressourcen von Vater und Mutter. Um Konflikte zu vermeiden empfahl er, das Wechselmodell als Regel einzuf\u00fchren, \u201eKinder wollen beide Eltern\u201c.<!--more--><\/p>\n<p>Als letzte Vortragende skizzierte Frau Dr. Bergstr\u00f6m vom Centre for Health Equity Studies, wie Schweden in den letzten 40 Jahren zu einem Wechselmodell Anteil von fast 40 Prozent gekommen ist. In der sich anschlie\u00dfenden Diskussion beantwortete sie die Frage, was denn nun in Schweden anders sei als im \u00fcbrigen Europa mit zwei kurzen S\u00e4tzen:<\/p>\n<ul>\n<li>Es gibt mehr arbeitende M\u00fctter und eine finanzierbare Tagespflege<\/li>\n<li>Man muss erkennen wie wichtig V\u00e4ter f\u00fcr Kinder sind.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Aufschlussreich war auch die Aussage der Juristin Frau S\u00fcnderhauf\u00a0 auf die Frage, wo die die gr\u00f6\u00dften Widerstandskr\u00e4fte gegen das Wechselmodell in Deutschland sieht: Die Resistenzkr\u00e4fte resultieren ihrer Auffassung nach in erster Linie aus den pers\u00f6nlichen Lebenserfahrungen der Richter und Richterinnen und der von ihnen praktizierten Elternrolle. Mit der \u201aBevorzugung\u2018 des Wechselmodells w\u00fcrden sie die eigene Lebensweise in Frage stellen und eingestehen m\u00fcssen, dass sie bisher die falschen Fragen gestellt haben. Beide Eltern sind wichtig und es geht nicht darum zwischen Mutter und Vater zu entscheiden. Sie m\u00fcss(t)en Gewohnheiten und Traditionen aufgeben.<\/p>\n<p>Das Wechselmodell ist die Grundlage daf\u00fcr, dass Eltern die M\u00f6glichkeit haben, ihre Konflikte nicht auf dem R\u00fccken der Kinder auszutragen. Vor diesem Hintergrund bedeutet die geplante Studie 4 verlorene Jahre f\u00fcr Kinder und V\u00e4ter, die im Kontakt zu ihren Kindern vielfach auf einen Wochenendvater reduziert werden.<\/p>\n<p>Weitere Berichte \u00fcber die Konferenz finden Sie <a href=\"http:\/\/twohomes.orhttp:\/\/twohomes.or http:\/\/twohomes.or http:\/\/twohomes.orhttp:\/\/twohomes.orhttp:\/\/twohomes.orhttp:\/\/twohomes.orhttp:\/\/twohomes.orhttp:\/\/twohomes.orhttp:\/\/twohomes.orhttp:\/\/twohomes.orhttp:\/\/twohomes.or http:\/\/twohomes.org\/conferenceconclusions_2014 g\/conferenceconclusions_2014g\/conferenceconclusions_2014g\/conferenceconclusions_2014g\/conferenceconclusions_2014g\/conferenceconclusions_2014g\/conferenceconclusions_2014g\/conferenceconclusions_2014g\/conferenceconclusions_2014g\/conferenceconclusions_2014g\/conferenceconclusions_2014g\/conferenceconclusions_2014g\/conferenceconclusions_2014g\/conferenceconclusions_2014g\/conferenceconclusions_2014g\/conferenceconclusions_2014g\/conferenceconclusions_2014g\/conferenceconclusions_2014 g\/conferenceconclusions_2014g\/conferenceconclusions_2014g\/conferenceconclusions_2014g\/\" target=\"_blank\">hier<\/a>.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Auch nach dem Scheitern einer Beziehung bleiben Eltern in der gemeinsamen Verantwortung f\u00fcr ihre Kinder. 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