{"id":7993,"date":"2014-03-26T13:19:48","date_gmt":"2014-03-26T13:19:48","guid":{"rendered":"http:\/\/vaeter-und-karriere.de\/blog\/?p=7993"},"modified":"2014-03-27T11:36:58","modified_gmt":"2014-03-27T11:36:58","slug":"gleichstellung-in-der-sackgasse","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/vaeter-und-karriere.de\/blog\/index.php\/2014\/03\/26\/gleichstellung-in-der-sackgasse\/","title":{"rendered":"Gleichstellung in der Sackgasse?"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"http:\/\/www.amazon.de\/gp\/product\/3222134375\/ref=as_li_ss_tl?ie=UTF8&amp;camp=1638&amp;creative=19454&amp;creativeASIN=3222134375&amp;linkCode=as2&amp;tag=vaeterblog-21&amp;l=as2&amp;o=3&amp;a=3222134375 \"><img loading=\"lazy\" class=\"alignright\" src=\"http:\/\/i1.weltbild.de\/asset\/vgw\/gleichstellung-in-der-sackgasse-085738495.jpg\" alt=\"\" width=\"158\" height=\"252\" \/><\/a>Der Titel \u201e<a href=\"http:\/\/www.amazon.de\/gp\/product\/3222134375\/ref=as_li_ss_tl?ie=UTF8&amp;camp=1638&amp;creative=19454&amp;creativeASIN=3222134375&amp;linkCode=as2&amp;tag=vaeterblog-21&amp;l=as2&amp;o=3&amp;a=3222134375 \" target=\"_blank\">Gleichstellung in der Sackgasse?<\/a>&#8220; von Paul Zulehner und Petra-Steinmair-P\u00f6sel m\u00f6chte kein weiterer Aufreger sein, derlei Ver\u00f6ffentlichungen gebe es in der Geschlechterdebatte genug, \u00e4u\u00dfern die Autoren bereits im ersten Satz. Das Buch erhebt aber nichts weniger als den Anspruch, in eben dieser aufgew\u00fchlten Debatte einen \u201edritten Weg\u201c aufzuzeigen, der aus dem Patt zwischen den Extremen Radikalbiologismus und Radikalkonstruktivismus herausf\u00fchren k\u00f6nnte und einen Pfad aufzeigt, der Frauen und M\u00e4nnern, aber vor allem ersch\u00f6pften Familien, Herausforderungen des Alltags geschlechtergerecht begegnen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Der Diskurs in dem vorliegenden Band wird auf der Grundlage von drei im Abstand von jeweils 10 Jahren in \u00d6sterreich erhobenen Datens\u00e4tzen gef\u00fchrt. Die Anlage der jeweiligen Befragungen erlaubt sowohl eine Vergleichbarkeit als auch die Darstellung der sich im Zeitverlauf entwickelnden Ver\u00e4nderungen zum Beispiel bei der Frage nach der Bedeutung von Arbeit f\u00fcr M\u00e4nner. Zus\u00e4tzlich wurden aber auch neue Themen in die Befragung aufgenommen, zum Beispiel zum Thema \u201eFeminismus und moderne Frau\u201c.<\/p>\n<p>Die Daten aus dem Jahr 2012 best\u00e4tigen die auch unter Frauen weit verbreitete Skepsis gegen\u00fcber dem Feminismus: 41% der Frauen unter 29 Jahren halten den Feminismus f\u00fcr \u00fcberholt. Bei den gleichaltrigen M\u00e4nnern sind 38% dieser \u00dcberzeugung. Diese Distanzierung vom Feminismus sei aber nicht gleichzusetzen mit einem Desinteresse an einer geschlechtergerechten Gesellschaft, im Gegenteil. W\u00e4hrend 1992 lediglich 30% der M\u00e4nner der Aussage \u201eFrauenemanzipation ist eine gute Entwicklung\u201c zustimmten waren es 2012 mit 57% fast doppelt so viele.<\/p>\n<p>Dieses gesteigerte Interesse gilt auch f\u00fcr M\u00e4nnerforschung: 49% der modernen M\u00e4nner halten die strukturelle Trennung von M\u00e4nner- und Frauenpolitik f\u00fcr \u00fcberholt. Was die Typologie \u201emodern\u201c und \u201etraditionell\u201c und die beiden dazwischenliegenden \u201epragmatisch\u201c und \u201esuchend\u201c betrifft, sind diese nicht nur zahlenm\u00e4\u00dfig in Bewegung. Die Lage ist von einer \u201ebunten Vielfalt\u201c gepr\u00e4gt, es gibt \u201eflie\u00dfende \u00dcberg\u00e4nge\u201c nicht nur aufgrund der hohen Individualisierung leben Frauen und M\u00e4nner in unterschiedlichen Kontexten verschiedene Rollen. Eine Wertung sei nicht m\u00f6glich, alle Rollentypen haben Vor- und Nachteile und gerade um die Wahlfreiheit \u201etobt heute ein gewaltiger Streit\u201c. Es gibt konkurrierende Modernit\u00e4tskonzepte.<\/p>\n<p>Einen inhaltlichen Schwerpunkt nimmt bei der Auswertung des umfangreichen Datenmaterials auch das Spannungsverh\u00e4ltnis von Beruflicher und privater Lebenswelt ein. Die auf den ersten Blick vielleicht \u00fcberraschenden Ergebnisse: die Bedeutung von Arbeit als sinnstiftendes Element f\u00fcr M\u00e4nner hat sich im Zeitverlauf von 1992 mit 29% \u00fcber 41% im Jahr 2002 auf 63% in 2012 mehr als verdoppelt und korrespondiert mit einer starken Zunahme des Wunsches nach Vollzeit bei M\u00e4nnern 67% gegen\u00fcber 40% der Frauen bei einer Abnahme der Attraktivit\u00e4t von Teilzeit lediglich 20% gegen\u00fcber noch 25% im Jahr 2002, \u201eAndere Arbeitszeitmodelle sind Sache einer Minderheit\u201c, werden unter verschiedenster Blickwinkeln von Kindern, alten und zu pflegenden Menschen, betrachtet und auch mit Hilfe anderer Forschungsergebnisse konfrontiert.<\/p>\n<p>Zus\u00e4tzlich werden insbesondere im Abschnitt \u201eFrauen und M\u00e4nner im Modernisierungsstress\u201c Aussagen von M\u00e4nnern und Frauen in verschiedensten Lebenssituationen zitiert, die in einer zus\u00e4tzlichen Onlinebefragung erhoben worden sind. Diese illustrieren die Spannungen, die sich durch die bereits vielzitierte Ungleichzeitig der Entwicklung von Rollenpotenzialen zwischen Frauen und M\u00e4nnern ergeben: \u201eSie [moderne Geschlechterrollen] sind anstrengender, weil jede Ver\u00e4nderung M\u00fche bringt. Besonders f\u00fcr gut gebildete junge Frauen ist es schwerer, einen \u201apassenden\u2018 Mann zu finden. Ich selbst lebe eine Mischung er Typen, mein Mann entwickelte sich etwas langsamer, aber doch, sodass wir jetzt im Altrer (62 und 72) ein recht modernes Ehepaar sind.\u201c<\/p>\n<p>Als \u201eGewinner\u201c dieser Entwicklung machen Zulehner und Steinmaier-P\u00f6sel die Gruppe der Pragmatischen aus: <!--more-->\u201eDas Pragmatische steht f\u00fcr den Versuch, sich auf beiden Lebensfeldern zu halten. Sie wollen Kinder und Beruf, Familie macht zudem viele zufrieden. Dazu werden moderne Rollenanteile wertgesch\u00e4tzt, aber mit entlastenden traditionellen Anteilen kombiniert. \u2026 Typisch f\u00fcr die Pragmatischen ist der Versuch, einer einseitigen \u00dcberbewertung des beruflichen Bereichs und damit einer \u00d6konomisierung ihres Lebens zu entrinnen.\u201c<\/p>\n<p>Im vorletzten Abschnitt, im letzten geht es um die Ergebnisse einer erstmalig durchf\u00fchrte Befragung von Muslimen und Muslimas, geht es am Ende noch einmal um den dritten Weg, einer m\u00f6glichen Auss\u00f6hnung zwischen \u201eSex\u201c und \u201eGender\u201c. Der dort gemachte Vorschlag offenbart nicht nur die Haltung der beiden Autoren sondern ist auch eine uneingeschr\u00e4nkte Empfehlung f\u00fcr dieses Buch, das zahlreiche Wege aus der Sackgasse aufzeigt: \u201eDas es im Reichtum der Natur neben der \u00fcberwiegenden Mehrheit von Frauen und M\u00e4nnern auch Mischformen, Andere, Queerige gibt, spricht letztlich nur daf\u00fcr, auch zuk\u00fcnftig von Frauen und M\u00e4nnern zu reden und sich \u00fcber eine diskriminierungsfreie Beziehung Gedanken zu machen. Nicht nur die Politik wird davon weiterhin zehren, sondern auch die Liebe zwischen M\u00e4nnern und Frauen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Titel \u201eGleichstellung in der Sackgasse?&#8220; von Paul Zulehner und Petra-Steinmair-P\u00f6sel m\u00f6chte kein weiterer Aufreger sein, derlei Ver\u00f6ffentlichungen gebe es in der Geschlechterdebatte genug, \u00e4u\u00dfern die Autoren bereits im ersten Satz. 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