{"id":7900,"date":"2014-02-14T08:10:18","date_gmt":"2014-02-14T08:10:18","guid":{"rendered":"http:\/\/vaeter-und-karriere.de\/blog\/?p=7900"},"modified":"2014-02-13T19:17:46","modified_gmt":"2014-02-13T19:17:46","slug":"wenn-kinder-nicht-bei-ihren-leiblichen-eltern-aufwachsen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/vaeter-und-karriere.de\/blog\/index.php\/2014\/02\/14\/wenn-kinder-nicht-bei-ihren-leiblichen-eltern-aufwachsen\/","title":{"rendered":"Wenn Kinder nicht bei ihren leiblichen Eltern aufwachsen"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"http:\/\/www.amazon.de\/gp\/product\/3496028688\/ref=as_li_ss_tl?ie=UTF8&amp;camp=1638&amp;creative=19454&amp;creativeASIN=3496028688&amp;linkCode=as2&amp;tag=vaeterblog-21&amp;l=as2&amp;o=3&amp;a=3496028688 \"><img loading=\"lazy\" class=\"alignright\" src=\"http:\/\/www.uni-bayreuth.de\/presse\/images\/2014\/027\/Soziale-Elternschaft-im-Wandel-Cover.jpg\" alt=\"\" width=\"206\" height=\"294\" \/><\/a>\u201eIn Europa und Amerika gilt es heute als selbstverst\u00e4ndlich, dass Kinder zu ihren leiblichen Eltern geh\u00f6ren und von diesen versorgt werden. Doch diese Sichtweise ist erst 150 Jahre alt\u201c, erkl\u00e4rt die Bayreuther Sozialanthropologin Prof. Dr. Erdmute Alber. \u201eW\u00e4hrend meiner Forschungsaufenthalte hat sich deutlich gezeigt, dass die Familien- und Verwandtschaftsbeziehungen der westafrikanischen Baatombu von einer v\u00f6llig anderen Tradition gepr\u00e4gt sind. Kinder leben hier \u00fcber viele Jahre ganz selbstverst\u00e4ndlich bei Pflegeeltern, ohne dass die leiblichen Eltern aufgrund von Krisensituationen gen\u00f6tigt w\u00e4ren, ihre Kinder in deren Obhut zu geben.<\/p>\n<p>Die Begriffe \u201aSoziale Elternschaft\u2019 und \u201aKindspflegschaft\u2019 sind \u2013 im Vergleich zu anderen Termini \u2013 noch am besten geeignet, diesen Sachverhalt zum Ausdruck zu bringen. Man muss dabei nur den Gedanken an medizinisch oder rechtlich begr\u00fcndete Ausnahmesituationen fernhalten und die soziale Elternschaft als eine anerkannte famili\u00e4re Praxis verstehen.\u201c<\/p>\n<p>Wenn bei den Baatombu ein Kind von dessen leiblichen Eltern in Pflege gegeben wird, wechselt in der Vorstellung aller Beteiligten die soziale Zugeh\u00f6rigkeit des Kindes. Es geh\u00f6rt nun zu einer erwachsenen Person, die in der Regel drei Kriterien erf\u00fcllt: Sie hat das gleiche Geschlecht wie das Kind; sie ist mit dem Kind und seinen Eltern verwandt; dabei ist sie in der verwandtschaftlichen Hierarchie den Eltern des Kindes \u00fcbergeordnet.<\/p>\n<p>Vor allem drei Gr\u00fcnde veranlassen die leiblichen Eltern zur r\u00e4umlichen Trennung von ihren Kindern: Zun\u00e4chst soll der generationen\u00fcbergreifende Zusammenhalt innerhalb eines Familienverbandes gest\u00e4rkt werden. Dar\u00fcber hinaus ist bei den Baatombu die Vorstellung verbreitet, dass die soziale Elternschaft und die damit verbundene Distanz von der leiblichen Mutter den Reifungsprozess der Kinder f\u00f6rdern. Hinzu kommt die Auffassung, dass Kinder keinen angemessenen Respekt gegen\u00fcber den Hierarchien innerhalb des Familienverbandes entwickeln, wenn sie in einer zu engen Beziehung zu ihren leiblichen Eltern leben.<\/p>\n<p>Der Beginn der Kindspflegschaft: ein neuer Lebensabschnitt<\/p>\n<p>Die Kindspflegschaft beginnt in der Regel damit, dass Verwandte, welche die Kriterien f\u00fcr eine soziale Elternschaft erf\u00fcllen, ihr Interesse gegen\u00fcber den leiblichen Eltern bekunden. Es gilt als respektlos, wenn diese sich einer \u201eHerausgabe\u201c ihres Kindes verweigern. Diese ungeschriebenen Normen lassen den Eltern wenig Spielraum, die Aufstiegschancen ihrer leiblichen Kinder durch die Auswahl von Pflegefamilien zu beeinflussen. Dennoch gelingt ihnen dies oftmals auf verdeckte Weise durch das fr\u00fchzeitige Kn\u00fcpfen geeigneter Kontakte. Wie Erdmute Alber zeigt, hat der Wechsel eines Kindes in eine Pflegefamilie, auch hinsichtlich der damit verbundenen Rituale, \u00c4hnlichkeiten mit dem Wechsel einer jungen Frau in die Familie ihres Ehemannes.<\/p>\n<p>Die Vorstellung, die Kinder k\u00f6nnten durch die langj\u00e4hrige Trennung von den leiblichen Eltern und Geschwistern traumatisiert und in ihrer seelischen Entwicklung gest\u00f6rt werden, liegt den Baatombu fern. Derartige Leidenserfahrungen scheinen insgesamt eher selten zu sein. \u201eAls bemerkenswert erlebte ich in den Gespr\u00e4chen, dass die \u00fcberwiegende Mehrheit der erwachsenen ehemaligen Pflegekinder ihre Pflegschaftserfahrungen und die Zeit der Pflegschaft nicht bereut\u201c, berichtet die Autorin.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/idw-online.de\/de\/news573234 \" target=\"_blank\">Quelle<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201eIn Europa und Amerika gilt es heute als selbstverst\u00e4ndlich, dass Kinder zu ihren leiblichen Eltern geh\u00f6ren und von diesen versorgt werden. 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