{"id":6438,"date":"2012-08-22T10:05:39","date_gmt":"2012-08-22T09:05:39","guid":{"rendered":"http:\/\/vaeter-und-karriere.de\/blog\/?p=6438"},"modified":"2012-08-22T10:05:39","modified_gmt":"2012-08-22T09:05:39","slug":"zirkumzision-in-deutschland-impulse-fur-eine-offentliche-diskussion","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/vaeter-und-karriere.de\/blog\/index.php\/2012\/08\/22\/zirkumzision-in-deutschland-impulse-fur-eine-offentliche-diskussion\/","title":{"rendered":"Zirkumzision in Deutschland &#8211; Impulse f\u00fcr eine \u00f6ffentliche Diskussion"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"Zirkumzision in Deutschland - Impulse f\u00fcr eine \u00f6ffentliche Diskussion\"><img loading=\"lazy\" class=\"alignright\" src=\"http:\/\/www.lombert.de\/wp-content\/uploads\/bfmaenner-logo.gif\" alt=\"\" width=\"130\" height=\"92\" \/><\/a>&#8218;Das <a href=\"http:\/\/www.bundesforum-maenner.de\" target=\"_blank\">Bundesforum M\u00e4nner<\/a> nimmt die in die aktuelle Beschneidungsdebatte eingebrachten kontroversen Positionen mit hohem Respekt zur Kenntnis. Als Interessenverband f\u00fcr Jungen, M\u00e4nner und V\u00e4ter ist es uns allerdings wichtig, einige spezifische Perspektiven in die \u00f6ffentliche Diskussion mit Nachdruck einzubringen und gezielte Fragen an die beteiligten Akteure zu stellen:<\/p>\n<ul>\n<li>Bei der Zirkumzision, also der Beschneidung der Vorhaut, handelt es sich um einen chirurgischen Eingriff am m\u00e4nnlichen Genital, der zumeist medizinisch weder akut noch pr\u00e4ventiv indiziert ist. Diesen Sachverhalt juristisch zu bewerten, ist Aufgabe des Gesetzgebers und der Gerichte. Als Interessenverband weisen wir jedoch darauf hin, dass es sich hier in den meisten F\u00e4llen um minderj\u00e4hrige Jungen handelt, an denen dieser Eingriff vorgenommen wird und die vielfach aufgrund ihres Alters in keiner Weise in der Lage sind, ihr Einverst\u00e4ndnis dazu zu geben.<\/li>\n<li>Die geschlechtliche Identit\u00e4t der Betroffenen wird in der Diskussion erstaunlich selten thematisiert und die Motivation dieser k\u00f6rperlichen Manipulation auf dem Hintergrund bestimmter M\u00e4nnlichkeitskonstruktionen so gut wie nicht hinterfragt. Daher sei noch einmal hervorgehoben: Jungen werden bei der Beschneidung Objekte eines irreversiblen medizinischen Eingriffs, weil sie Jungen sind und zuk\u00fcnftige M\u00e4nner werden. Der religi\u00f6se Ritus der Beschneidung gar r\u00fcckt den Eingriff am m\u00e4nnlichen K\u00f6rper ins Zentrum und macht ihn zum Garanten f\u00fcr die Konsistenz von Glaubensgemeinschaften, wobei er auf diese Weise kulturelle Zuschreibungen transportiert, die \u00f6ffentliche Bilder von M\u00e4nnlichkeiten und das Selbstverst\u00e4ndnis von M\u00e4nnern beeinflusst.<\/li>\n<li>Das Bundesforum M\u00e4nner tritt in seiner inhaltlichen Plattform daf\u00fcr ein, dass Jungen Handlungsoptionen und Zukunftsperspektiven jenseits patriarchaler und einengender Rollenvorstellungen erm\u00f6glicht werden. Sie sollen bei der Entwicklung von Lebensentw\u00fcrfen gef\u00f6rdert werden, die ihnen Perspektiven auf eine m\u00fcndige, verantwortliche und geschlechtergerechte Teilhabe an gesellschaftlichen Gestaltungsprozessen er\u00f6ffnen. Dieses Recht auf Selbstbestimmung der Mitglieder unserer Gesellschaft, setzt allerdings ihren Schutz vor Eingriffen in ihre k\u00f6rperliche Unversehrtheit voraus und erfordert besondere Achtsamkeit gegen\u00fcber der Pers\u00f6nlichkeitsentwicklung und Ausbildung der sexuellen Identit\u00e4t gerade junger Menschen.<\/li>\n<li>Das Bundesforum M\u00e4nner begr\u00fc\u00dft den wachsenden Konsens \u00fcber die Bedeutung aktiver V\u00e4ter in der Versorgung und Erziehung von Kindern. Aktive Vaterschaft setzt aber auch \u00dcbernahme von Verantwortung f\u00fcr das Kindeswohl voraus. Letzteres bildet aus unserer Perspektive das entscheidende Kriterium und die konstitutive Bedingung f\u00fcr jegliche Aspekte des Elternrechtes. Handlungsleitend f\u00fcr elterliche Sorge muss die individuelle Entwicklung des Kindes vor allen kollektiven Normierungen sein.<\/li>\n<li>Die Beschneidung der Vorhaut ist keine chirurgische Lappalie. Die Auswirkung auf die psychosoziale Entwicklung von jungen M\u00e4nnern ist bis heute nicht ausreichend erforscht, obwohl F\u00e4lle von Traumatisierungen und Beeintr\u00e4chtigungen der Sexualit\u00e4t bekannt sind. Ebenso wenig hat diese Fragestellung bis heute Einzug in die Gesundheitsberichterstattung der Bundesregierung gehalten. Hier sind geschlechtsspezifische Desiderata der Gesundheitsforschung und -politik festzustellen, die von der Regierung gemeinsam mit den Fachverb\u00e4nden f\u00fcr M\u00e4nnergesundheit zu bearbeiten sind.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Es f\u00e4llt auf, mit welcher Sch\u00e4rfe der aktuelle Diskurs um die Beschneidung gef\u00fchrt wird. Vor allem vor dem Hintergrund der Frage nach der Gew\u00e4hrung der freien Religionsaus\u00fcbung in diesem Zusammenhang ist hohe Sensibilit\u00e4t gegen\u00fcber den Gef\u00fchlen der betroffenen Glaubensgemeinschaften angebracht. Das Bundesforum M\u00e4nner m\u00f6chte mit den <strong>folgenden Fragen <\/strong>zu einer Versachlichung der Diskussion beitragen.<!--more--><\/p>\n<p><strong>An die Abgeordneten des Deutschen Bundestages:<\/strong><\/p>\n<p>Welchen Stellenwert haben Sie in Ihrer Entscheidungsfindung zur Resolution f\u00fcr die grunds\u00e4tzliche Legalisierung von Beschneidungen der Unversehrtheit des K\u00f6rpers der Jungen einger\u00e4umt? Ist die Empathie unserer Gesellschaft f\u00fcr das leibliche Wohl unserer Jungen aus Ihrer Sicht ausreichend?<\/p>\n<p><strong>An die medizinischen Standesverb\u00e4nde in Deutschland:<\/strong><\/p>\n<p>Steht die medizinisch nicht indizierte Beschneidung eines nicht zur Einwilligung f\u00e4higen Kindes mit dem ethischen Selbstverst\u00e4ndnis Ihrer Organisationen in Einklang? Welche psychosozialen Auswirkungen der Beschneidung auf die Entwicklung von Jungen sind wissenschaftlich evident?<\/p>\n<p><strong>An die religi\u00f6sen Glaubensgemeinschaften in Deutschland:<\/strong><\/p>\n<p>Welche Rolle spielt die bewusste Erziehung zu Leidenserfahrung und Opferbereitschaft von Jungen auf ihrem Weg zum Mannsein in Ihrer Glaubenstradition? In welchem theologischen Verh\u00e4ltnis stehen Gottesbeziehung, Initiation in die Gemeinschaft und Beschneidung?<\/p>\n<p><strong>An die V\u00e4ter in Deutschland:<\/strong><\/p>\n<p>Unter welchen Bedingungen und aus welchen Beweggr\u00fcnden sind Sie bereit, einen medizinisch nicht notwendigen chirurgischen Eingriff am Genital Ihres Jungen zuzulassen? Wie gehen Sie emotional mit dem Schmerz Ihres Jungen und seiner Angst vor dem Schmerz um?<\/p>\n<p>Wir hoffen, mit unseren Feststellungen und Fragen eine sachliche Weiterf\u00fchrung der Diskussion zu initiieren und laden zu weiterem fachlichen Austausch ein.<\/p>\n<p><strong>Berlin, 20. August 2012<\/strong><\/p>\n<p><strong>Der Vorstand&#8216;<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8218;Das Bundesforum M\u00e4nner nimmt die in die aktuelle Beschneidungsdebatte eingebrachten kontroversen Positionen mit hohem Respekt zur Kenntnis. 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