{"id":6429,"date":"2012-08-19T08:14:08","date_gmt":"2012-08-19T07:14:08","guid":{"rendered":"http:\/\/vaeter-und-karriere.de\/blog\/?p=6429"},"modified":"2013-08-05T14:06:09","modified_gmt":"2013-08-05T14:06:09","slug":"wenn-menschen-so-funktionierten-wie-okonomen-das-behaupten-ware-alles-ganz-einfach","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/vaeter-und-karriere.de\/blog\/index.php\/2012\/08\/19\/wenn-menschen-so-funktionierten-wie-okonomen-das-behaupten-ware-alles-ganz-einfach\/","title":{"rendered":"Wenn Menschen so funktionierten, wie \u00d6konomen das behaupten, w\u00e4re alles ganz einfach"},"content":{"rendered":"<p>Der Soziologe <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Hans-Peter_Blossfeld\" target=\"_blank\">Hans-Peter Blossfeld<\/a> leitet die gr\u00f6\u00dfte sozialwissenschaftliche Studie der Welt, das <a href=\"https:\/\/www.neps-data.de\/ \" target=\"_blank\">Nationale Bildungspanel<\/a>, bei dem seit f\u00fcnf Jahren rund 100.000 M\u00e4nner und Frauen untersucht werden. Im Interview mit der <a href=\"http:\/\/www.zeit.de\" target=\"_blank\">Zeit<\/a> erl\u00e4utert er erste Ergebnisse<\/p>\n<p><strong>\u201aDIE ZEIT:<\/strong> \u2026 Was haben Sie bislang herausgefunden?<\/p>\n<p><strong>Hans-Peter Blossfeld:<\/strong> Wir sind jetzt in der Lage, die typischen Lebensl\u00e4ufe aller nach 1945 geborenen M\u00e4nnergenerationen zu rekonstruieren.<\/p>\n<p><strong>ZEIT:<\/strong> Wieso nur die von M\u00e4nnern?<\/p>\n<p><strong>Blossfeld:<\/strong> Wir haben unsere Analyse mit den M\u00e4nnern angefangen, weil ihre Lebensl\u00e4ufe viel einfacher zu analysieren sind als die von Frauen. M\u00e4nner leben heute noch so wie vor 40 Jahren. Da hat sich nicht viel ge\u00e4ndert. \u2026<\/p>\n<p>Ganz so einfach ist das nicht. F\u00fcr einen Mann, der die traditionellen Vorstellungen im Kopf hat, von wegen: \u00bbDer Mann ist der Ern\u00e4hrer\u00ab, f\u00fcr so einen Mann ist es eine Art Entm\u00e4nnlichung, eine Frau zu heiraten, die gebildeter ist als er selbst, die mehr Geld verdient und mehr Einfluss und Macht hat. Trotzdem: Die M\u00e4nner sind offenbar eher bereit, ihr Muster zu \u00e4ndern. Wir haben zum Beispiel eine digitale Heiratsb\u00f6rse analysiert, mehrere Zehntausend anonymisierte Datens\u00e4tze: Wer schreibt wen an, und wer schreibt wem zur\u00fcck. Da zeigt sich: Es gibt einige M\u00e4nner, die gegen alle Normen versuchen, bei besser gebildeten Frauen zu landen, aber die lassen sie abblitzen. Das hei\u00dft, der Widerstand gegen das Aufbrechen der traditionellen Rollenmuster ist eher bei den Frauen anzusiedeln als bei den M\u00e4nnern.<\/p>\n<p><strong>ZEIT:<\/strong> Klingt aussichtslos.<\/p>\n<p><strong>Blossfeld:<\/strong> Es gibt auch Paare, bei denen das funktioniert. Aber die Frau, die erfolgreich ist und einen Mann mit niedrigerem sozialen Status w\u00e4hlt, zahlt daf\u00fcr einen Preis: Sie hat die Mehrfachbelastung mit Beruf, Familie und Haushalt.<\/p>\n<p><strong>ZEIT:<\/strong> Selbst wenn er weniger zu tun hat im Job?<\/p>\n<p><strong>Blossfeld:<\/strong> Ja. Wenn Menschen so funktionierten, wie \u00d6konomen das behaupten, w\u00e4re alles ganz einfach. Dann w\u00fcrde derjenige den Haushalt machen, der weniger arbeitet und weniger verdient, und derjenige, der erfolgreich ist im Job, bringt das Geld nach Hause. Aber das klappt in der Realit\u00e4t nicht. Es gibt in unserer Gesellschaft immer noch feste Vorstellungen davon, was Frauenarbeit ist und was M\u00e4nnerarbeit. Wenn er das Auto repariert, macht er das nicht zwangsl\u00e4ufig, weil er das besser kann, sondern weil er zeigen kann: Ich bin ein Mann. Und wenn sie die W\u00e4sche macht, dann auch, weil sie damit zeigen kann: Ich bin eine Frau. Die Geschlechtsidentit\u00e4ten werden anhand allt\u00e4glicher T\u00e4tigkeiten st\u00e4ndig reproduziert.<\/p>\n<p><strong>ZEIT:<\/strong> Was passiert in einem System, in dem die Frauen pl\u00f6tzlich die besser Ausgebildeten sind?<!--more--><\/p>\n<p><strong>Blossfeld:<\/strong> Unsere Beobachtungen legen nahe: Je mehr Frauen die Ern\u00e4hrerrolle \u00fcbernehmen und den Mann dabei \u00fcberfl\u00fcgeln, desto mehr muss sich der Mann seiner Geschlechtsidentit\u00e4t versichern. Die aber w\u00fcrde er noch st\u00e4rker gef\u00e4hrden, wenn er auch noch b\u00fcgelte, kochte oder die Kinder wickelte. Im Extremfall hei\u00dft das: Sie verdient das Geld und macht den Haushalt, er ist arbeitslos und macht nichts.<\/p>\n<p><strong>ZEIT:<\/strong> Das ist arg zugespitzt, oder?<\/p>\n<p><strong>Blossfeld:<\/strong> Ja, sicher, aber unsere Daten belegen es genauso: Sobald das erste Kind geboren wird, treten fast automatisch die traditionellen Strukturen in Kraft. Das ist der Moment, in dem die M\u00e4nner wieder an den Frauen vorbeiziehen. Und sp\u00e4testens nach 15 Jahren Beziehung laufen 85 Prozent der Ehen nach dem Muster ab, dass die Frau die komplette Hausarbeit erledigt.<\/p>\n<p><strong>ZEIT:<\/strong> Ein Argument gegen das Betreuungsgeld.<\/p>\n<p><strong>Blossfeld:<\/strong> Die Unternehmen verhalten sich auch zwiesp\u00e4ltig. Auf der einen Seite wollen sie die hoch qualifizierten Frauen umwerben \u2013 indem sie Kinderbetreuungsm\u00f6glichkeiten anbieten, vern\u00fcnftige Arbeitszeiten erm\u00f6glichen und so weiter. Gleichzeitig aber werden sie einen Teufel tun, M\u00e4nner, die hervorragende Mitarbeiter sind, f\u00fcr eine l\u00e4ngere Zeit in die Familie zu schicken. Also senden die Unternehmen st\u00e4ndig ambivalente, geschlechtsspezifische Botschaften. Mit Chancengleichheit hat das nichts zu tun.&#8216;<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.zeit.de\/2012\/33\/C-Beziehung-Frauen-Maenner \" target=\"_blank\">Quelle<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Soziologe Hans-Peter Blossfeld leitet die gr\u00f6\u00dfte sozialwissenschaftliche Studie der Welt, das Nationale Bildungspanel, bei dem seit f\u00fcnf Jahren rund 100.000 M\u00e4nner und Frauen untersucht werden. Im Interview mit der Zeit erl\u00e4utert er erste Ergebnisse \u201aDIE ZEIT: \u2026 Was haben Sie bislang herausgefunden? 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