{"id":598,"date":"2007-12-04T12:42:39","date_gmt":"2007-12-04T11:42:39","guid":{"rendered":"http:\/\/vaeter-und-karriere.de\/blog\/index.php\/2007\/12\/04\/alter-streit-um-die-wechseljahre-beim-mann\/"},"modified":"2007-12-04T21:26:41","modified_gmt":"2007-12-04T20:26:41","slug":"alter-streit-um-die-wechseljahre-beim-mann","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/vaeter-und-karriere.de\/blog\/index.php\/2007\/12\/04\/alter-streit-um-die-wechseljahre-beim-mann\/","title":{"rendered":"Neuer Streit um die Wechseljahre beim Mann"},"content":{"rendered":"<p class=\"MsoNormal\" style=\"margin-top: 6pt\"><span style=\"font-size: 10pt; font-family: Verdana\">F\u00fcr die einen sind die &#8222;m\u00e4nnlichen Wechseljahre&#8220; eine der wichtigsten medizinischen Entdeckungen der vergangenen zehn Jahre. F\u00fcr die anderen sind sie nichts weiter als eine Erfindung der Pharmaindustrie, die blendende Gesch\u00e4fte verspricht.<\/span><\/p>\n<p class=\"MsoNormal\" style=\"margin-top: 6pt\"><span style=\"font-size: 10pt; font-family: Verdana\"><a target=\"_blank\" href=\"http:\/\/www.mhi.uni-bonn.de\/index.php?site=seiten\/mitarbeiter\/mitarbeiterseiten\/hofer.html&#038;keyword=seiten\/mitarbeiter\/index.html\">Hans-Georg Hofer<\/a>, Medizinhistoriker der Universit\u00e4t Bonn hat die Wurzeln der seit langem kontrovers gef\u00fchrten Diskussion untersucht. Der Artikel &#8222;Medizin, Altern, M\u00e4nnlichkeit&#8220; ist im <a target=\"_blank\" href=\"http:\/\/www.elsevier.de\/artikel\/805103&#038;_osg=834301&#038;_hsg=833820\">Medizinhistorischen Journal<\/a> erschienen.<\/span><\/p>\n<p class=\"MsoNormal\" style=\"margin-top: 6pt\"><span style=\"font-size: 10pt; font-family: Verdana\">Wer die Diskussion verfolgt, die seit Mitte der 1990er Jahre um die &#8222;m\u00e4nnlichen Wechseljahre&#8220; entbrannt ist, k\u00f6nnte meinen, er leide unter einem D\u00e9j\u00e0-vu: Schon 1910 schrieb der Berliner Nervenarzt Kurt Mendel einen Aufsatz \u00fcber das &#8222;Climacterium virile&#8220;, das er allerdings als &#8222;Nervenleiden&#8220; ansah. In den Jahren danach machten viele Forscher die von den Keimdr\u00fcsen erzeugten &#8222;inneren Sekrete&#8220; als \u00dcbelt\u00e4ter aus, die im Alter nicht mehr reichhaltig genug gebildet w\u00fcrden. &#8222;Ein Mann ist so alt wie seine Keimdr\u00fcsen&#8220;, spitzte der Wiener Physiologe Eugen Steinach diese Meinung zu. Der Mann als Marionette seiner Hormone<!--more--> &#8211; diese rein mechanistische Denkweise findet sich auch in der aktuellen Debatte.<\/span><\/p>\n<p class=\"MsoNormal\" style=\"margin-top: 6pt\"><span style=\"font-size: 10pt; font-family: Verdana\">&#8222;Allerdings gab es schon damals an der Idee der &#8218;m\u00e4nnlichen Wechseljahre&#8216; viel Kritik&#8220;, betont der Bonner Medizinhistoriker Hofer. &#8222;So fehlte es manchen \u00c4rzten an einer trennscharfen Definition des angeblichen Krankheitsbildes &#8211; auch das ein Kritikpunkt, der heute noch h\u00e4ufig vorgetragen wird.&#8220; <\/span><\/p>\n<p class=\"MsoNormal\" style=\"margin-top: 6pt\"><span style=\"font-size: 10pt; font-family: Verdana\">Dessen ungeachtet brachte die Gesellschaft f\u00fcr chemische Industrie in Basel (CIBA) 1931 mit Androstin ein Antiklimakterium-Pr\u00e4parat f\u00fcr den Mann auf den Markt; Schering folgte 1932 mit Proviron. &#8222;Sonderlich erfolgreich waren beide Medikamente nicht, ebenso wenig wie die ersten k\u00fcnstlichen Testosteron-Pr\u00e4parate, die Ende der 1930er Jahre herauskamen&#8220;, sagt Hofer. Zu wenig vertrug sich das Bild vom starken Geschlecht mit der Idee der Wechseljahre. <\/span><\/p>\n<p class=\"MsoNormal\" style=\"margin-top: 6pt\"><span style=\"font-size: 10pt; font-family: Verdana\">Dass das Thema seit gut zehn Jahren wieder Konjunktur hat, h\u00e4ngt nach Hofers Meinung sicher auch mit den Bestrebungen der Pharmabranche zusammen, sich neue M\u00e4rkte zu erschlie\u00dfen: &#8222;Viagra hat demonstriert, wie viel Geld sich mit der Zielgruppe der alternden M\u00e4nner verdienen l\u00e4sst.&#8220; Vertriebswege wie das Internet h\u00e4tten zudem v\u00f6llig neue M\u00f6glichkeiten geschaffen, diese Zielgruppe auch zu erreichen.<\/span><\/p>\n<p class=\"MsoNormal\" style=\"margin-top: 6pt\"><span style=\"font-size: 10pt; font-family: Verdana\">&#8222;Man k\u00f6nnte das als Ausdruck der Emanzipation deuten: Heutige M\u00e4nner verstecken ihre &#8218;Wehwehchen&#8216; nicht mehr, sondern sprechen dar\u00fcber und lassen sie auch behandeln.&#8220; Zumindest beim Thema &#8222;m\u00e4nnliche Wechseljahre&#8220; greift dieses Argument aus seiner Sicht jedoch nicht: &#8222;Hormonpflaster und Testosteron-Injektionen werden h\u00e4ufig mit dem Versprechen beworben, mit ihnen lasse sich die Zeit zur\u00fcckdrehen&#8220;, sagt er. Fotos kraftvoller Bogensch\u00fctzen mit grauen Schl\u00e4fen versprechen auf Werbeflyern uneingeschr\u00e4nkte Leistungsf\u00e4higkeit und ewige Jugend. <\/span><\/p>\n<p class=\"MsoNormal\" style=\"margin-top: 6pt\"><span style=\"font-size: 10pt; font-family: Verdana\">Hofer kritisiert vor allem die Reduktion des alternden Mannes auf seinen sinkenden Testosteronspiegel: \u201eViele M\u00e4nner zwischen 45 und 60 haben ganz reale Beschwerden, und manchen kann vielleicht auch durch Hormongaben geholfen werden.&#8220; Andere wiederum f\u00fchlen sich trotz niedriger Hormonwerte pudelwohl in ihrer Haut. <\/span><\/p>\n<p class=\"MsoNormal\" style=\"margin-top: 6pt\"><span style=\"font-size: 10pt; font-family: Verdana\"><a target=\"_blank\" href=\"http:\/\/idw-online.de\/pages\/de\/news238718\">Quelle<\/a><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: 10pt; font-family: Verdana\" \/><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>F\u00fcr die einen sind die &#8222;m\u00e4nnlichen Wechseljahre&#8220; eine der wichtigsten medizinischen Entdeckungen der vergangenen zehn Jahre. 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