{"id":5966,"date":"2012-03-30T00:33:38","date_gmt":"2012-03-29T23:33:38","guid":{"rendered":"http:\/\/vaeter-und-karriere.de\/blog\/?p=5966"},"modified":"2013-08-05T14:22:51","modified_gmt":"2013-08-05T14:22:51","slug":"papa-ist-auf-montage","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/vaeter-und-karriere.de\/blog\/index.php\/2012\/03\/30\/papa-ist-auf-montage\/","title":{"rendered":"Papa ist auf Montage"},"content":{"rendered":"<p>Kinder d\u00fcrfen vom Staat nicht bestraft werden. Das Strafrecht l\u00e4sst sie in Ruhe bis sie 14 Jahre alt sind, so steht es im Gesetz. Die Realit\u00e4t sieht aber anders aus: Das Strafrecht sperrt sie zwar nicht ein, aber Kinder und Jugendliche sind, wenn Vater oder Mutter inhaftiert werden, mitbestrafte Dritte.<\/p>\n<p>Eine Lobby haben diese Kinder nicht. Im Vollzugsalltag kommen sie allenfalls in den k\u00e4rglichen Besuchsstunden vor: Statt eine Stunde im Monat, das ist der gesetzliche Mindestanspruch, gew\u00e4hren die meisten Haftanstalten, um den Kontakt zur Familie zu erleichtern, eine Stunde in der Woche &#8211; unter Aufsicht. Eine psychosoziale Betreuung der Kinder von Gefangenen durch den Strafvollzug existiert nicht. Ob sich Jugend\u00e4mter oder Schulpsychologen um sie k\u00fcmmern, bleibt dem Zufall\u00a0\u00fcberlassen. Die Fachzeitschrift <a href=\"http:\/\/www.forum-strafvollzug.de\/ \" target=\"_blank\">Forum Strafvollzug<\/a> hat dem Thema ihre aktuelle Ausgabe gewidmet.<\/p>\n<p>Und so sieht der Alltag aus: Gegen eine Beschuldigte wird ein Haftbefehl erlassen. Die Polizei nimmt die alleinerziehende Mutter am Vormittag fest. Als ihr Sohn von der Schule kommt, erz\u00e4hlt ihm die Oma, was passiert ist. Erst nach Tagen darf er die Mutter besuchen. Er ist schockiert: &#8222;Mama, wo ist dein Bett?&#8220; Er wei\u00df nicht, wann sie wieder zu Hause sein wird; sie kann es ihm auch nicht\u00a0sagen.<\/p>\n<p>In der Regel sind allerdings nicht M\u00fctter, sondern V\u00e4ter eingesperrt: 95 % der Strafgefangenen in Deutschland sind M\u00e4nner. Es gibt keine Statistiken dar\u00fcber, wie viele davon Kinder haben; nach Sch\u00e4tzungen sind es zwei Drittel. Das bedeutet: In Deutschland sind 20.000 Familien mit Kindern und Jugendlichen davon betroffen, dass ihr Vater im Knast sitzt.<\/p>\n<p>Die verbleibenden Familienmitglieder geraten in einen \u201edesorganisierten Zustand&#8220;. Fast die H\u00e4lfte der M\u00fctter, so das Forum Strafvollzug, versucht dann, die Kinder zu t\u00e4uschen: Sie erz\u00e4hlen, der Vater sei \u201eauf Montage&#8220;, \u201eim Krankenhaus&#8220; oder \u201eauf Kur&#8220;. Der Zeitpunkt der R\u00fcckkehr wird dann immer weiter hinausgeschoben. Die Kinder zweifeln an der Zuverl\u00e4ssigkeit des Vaters, viele werden psychisch auff\u00e4llig.<\/p>\n<p>Vereinzelt gibt es aber ermutigende Projekte: In der Justizvollzugsanstalt Leipzig haben inhaftierte V\u00e4ter zusammen mit Mitarbeitern des Psychologischen Dienstes das Kinderbuch \u00bbWir treffen uns im Traum \u2013 Eine Geschichte \u00fcber Papa im Gef\u00e4ngnis\u00ab entwickelt. Es handelt in Bildern und Texten von dem kleinen M\u00e4dchen Alessa, dessen Vater ins Gef\u00e4ngnis muss.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.sueddeutsche.de\/panorama\/kinder-leiden-unter-haftstrafe-der-eltern-papa-ist-auf-montage-1.1320076 \" target=\"_blank\">Quelle<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Kinder d\u00fcrfen vom Staat nicht bestraft werden. Das Strafrecht l\u00e4sst sie in Ruhe bis sie 14 Jahre alt sind, so steht es im Gesetz. 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