{"id":5588,"date":"2011-12-19T00:05:04","date_gmt":"2011-12-18T23:05:04","guid":{"rendered":"http:\/\/vaeter-und-karriere.de\/blog\/?p=5588"},"modified":"2013-08-05T14:33:03","modified_gmt":"2013-08-05T14:33:03","slug":"der-traumatisierende-kreidekreis","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/vaeter-und-karriere.de\/blog\/index.php\/2011\/12\/19\/der-traumatisierende-kreidekreis\/","title":{"rendered":"Der traumatisierende Kreidekreis"},"content":{"rendered":"<p>In einem Beitrag f\u00fcr die Zeitschrift \u201aDerStandard\u2018 bezeichnet der Schriftsteller <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Raoul_Schrott\" target=\"_blank\">Raoul Schrott<\/a> die zwischen V\u00e4tern und Kindern praktizierte <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Apartheid\" target=\"_blank\">Apartheid<\/a> als den wohl gr\u00f6\u00dften Skandal unserer Gesellschaft:<\/p>\n<p>\u201aAuf einem Gruppenfoto w\u00fcrden sich die rechtlosen V\u00e4ter, mit denen ich w\u00e4hrend der Recherche zu meinem Roman Das schweigende Kind gesprochen habe, in einem \u00e4hneln: Sie sind alle im besten Alter, machen aber eine ungl\u00fcckliche Figur. Niemand hat ihnen abgesprochen, gute V\u00e4ter zu sein, doch die Ohnmacht, ihre Kinder kaum sehen zu d\u00fcrfen, l\u00e4sst sie etwas linkisch erscheinen &#8211; vielleicht weil Opferrollen schlecht zum g\u00e4ngigen M\u00e4nnerbild passen.<\/p>\n<p>Wo viele M\u00e4nner vor der Verantwortung fl\u00fcchten, weil das ihr Leben auf den Kopf stellen w\u00fcrde, haben sie sich vollherzig zur Vaterschaft bekannt &#8211; nur um darauf die Trennung von ihren Kindern durchstehen zu m\u00fcssen. Dieser doppelte existenzielle Rollenwechsel hat ihnen oft den Boden unter den F\u00fc\u00dfen weggezogen. Dass sie dennoch weiter f\u00fcr ihre Kinder k\u00e4mpfen, ist kein Zeichen von sturem Beharren. &#8222;Mit dem Vater-Sein&#8220;, sagt Gregor W., &#8222;habe ich zuerst die Gewissheit verbunden, mich ohne Z\u00f6gern vor einen Bus zu werfen, um mein Kind zu retten.&#8220; So und \u00e4hnlich haben alle V\u00e4ter vom erlebten Gef\u00fchl der Selbstlosigkeit gesprochen, um die Trennung von ihren Kindern dann mit einer Art seelischer Euthanasie zu vergleichen.<\/p>\n<p>Vaterliebe ist nicht weniger intensiv als Mutterliebe: weshalb sie dann per Gerichtsbeschluss unterbinden? Der Mensch hat nicht allzu viele gute Eigenschaften: warum dann diese Vaterliebe per Amtsweg kastrieren? Eine Gesellschaft muss sich daran messen lassen, wie sehr sie sich um ihre Kinder k\u00fcmmert. Dass bei uns der Umgang zwischen V\u00e4tern und Kindern &#8211; im besten Fall! &#8211; auf ein paar Tage im Monat reduziert wird, ist so widernat\u00fcrlich, wie es die Rassentrennung einmal war. Letztlich leben wir doch in unseren Kindern weiter &#8211; weshalb wir ihnen das mitzugeben versuchen, was uns an Gutem ausmacht.<\/p>\n<p>Die zwischen V\u00e4tern und Kindern praktizierte Apartheid, stellt wohl das gr\u00f6\u00dfte Skandalon unserer wohlst\u00e4ndigen Gesellschaft dar. Die erste Barbarei ist dabei, dass M\u00fcttern wie V\u00e4tern nicht automatisch das gemeinsame Sorgerecht zugesprochen wird. Die zweite Barbarei, dass den V\u00e4tern selbst ein einmal zugestandenes Sorgerecht jederzeit &#8211; und ohne Angabe von Gr\u00fcnden! &#8211; entzogen werden kann. Das ist dem Gesetzgeber anzulasten; den Gerichten jedoch ist eine dritte Barbarei vorzuwerfen: dass sie ihren Ermessensspielraum nicht ausn\u00fctzen, um diese Diskriminierung mit dem Besuchsrecht wenigstens etwas zu kompensieren. \u2026<!--more--><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/images.derstandard.at\/t\/12\/2011\/12\/16\/1323922296285.jpg \"><img loading=\"lazy\" class=\"alignleft\" src=\"http:\/\/images.derstandard.at\/t\/12\/2011\/12\/16\/1323922296285.jpg \" alt=\"\" width=\"180\" height=\"120\" \/><\/a>Der Schaden, den unsere Rechtsprechung anrichtet, ist dabei umso gr\u00f6\u00dfer, als die Anwesenheit von V\u00e4tern in der fr\u00fchen Kindheit entscheidend ist. Wird der Umgang mit ihnen boykottiert, hat dies Folgen f\u00fcr die Entwicklung. Kinderpsychologische Studien z\u00e4hlen dazu eine erschwerte und verz\u00f6gerte Individuation des Kindes, Schwierigkeiten im Umgang mit Ambivalenz und Aggression; Depressionen, Konzentrations- und Schlafprobleme; Verunsicherungen im Bereich der Geschlechtsidentit\u00e4t; ein idealisiertes oder abgewertetes Vaterbild, und sp\u00e4ter Schwierigkeiten im Umgang mit der eigenen Elternschaft und der Beziehung zu den eigenen Kindern. Zusammengefasst werden diese Symptome unter dem Begriff &#8222;Elterliches Entfremdungssyndrom&#8220;. \u2026<\/p>\n<p>Brechts Parabel vom <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Der_kaukasische_Kreidekreis\" target=\"_blank\">kaukasischen Kreidekreis<\/a> hat nichts von ihrer Einsicht verloren. Darin soll ein Armeleuterichter, ein verschmitzter Lebenspraktiker, \u00fcber den Anspruch zweier M\u00fctter auf ein Kind entscheiden, und verf\u00e4llt darauf, beide gleichzeitig versuchen zu lassen, das Kind aus einem Kreidekreis herauszuziehen. Die &#8222;wahrhaft M\u00fctterliche&#8220; l\u00e4sst das Kind lieber los, als ihm wehzutun &#8211; w\u00e4hrend M\u00fctter, die auf eine alleinige Obsorge pochen, ihm lieber wehtun, bevor sie es zum Vater lassen.&#8216;<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/derstandard.at\/1323916644373\/Rechtlose-Vaeter-Der-traumatische-Kreidekreis\" target=\"_blank\">Quelle<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In einem Beitrag f\u00fcr die Zeitschrift \u201aDerStandard\u2018 bezeichnet der Schriftsteller Raoul Schrott die zwischen V\u00e4tern und Kindern praktizierte Apartheid als den wohl gr\u00f6\u00dften Skandal unserer Gesellschaft: \u201aAuf einem Gruppenfoto w\u00fcrden sich die rechtlosen V\u00e4ter, mit denen ich w\u00e4hrend der Recherche zu meinem Roman Das schweigende Kind gesprochen habe, in einem \u00e4hneln: Sie sind alle im [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[43,27,182],"tags":[152,91],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/vaeter-und-karriere.de\/blog\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/5588"}],"collection":[{"href":"https:\/\/vaeter-und-karriere.de\/blog\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/vaeter-und-karriere.de\/blog\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/vaeter-und-karriere.de\/blog\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/vaeter-und-karriere.de\/blog\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=5588"}],"version-history":[{"count":5,"href":"https:\/\/vaeter-und-karriere.de\/blog\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/5588\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":7556,"href":"https:\/\/vaeter-und-karriere.de\/blog\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/5588\/revisions\/7556"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/vaeter-und-karriere.de\/blog\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=5588"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/vaeter-und-karriere.de\/blog\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=5588"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/vaeter-und-karriere.de\/blog\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=5588"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}