{"id":5557,"date":"2011-12-08T00:07:09","date_gmt":"2011-12-07T23:07:09","guid":{"rendered":"http:\/\/vaeter-und-karriere.de\/blog\/?p=5557"},"modified":"2011-12-07T19:30:31","modified_gmt":"2011-12-07T18:30:31","slug":"der-hund-liegt-im-kinderzimmer-begraben","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/vaeter-und-karriere.de\/blog\/index.php\/2011\/12\/08\/der-hund-liegt-im-kinderzimmer-begraben\/","title":{"rendered":"Der Hund liegt im Kinderzimmer begraben"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"http:\/\/www.amazon.de\/gp\/product\/3902729392\/ref=as_li_ss_tl?ie=UTF8&amp;tag=vaeterblog-21&amp;linkCode=as2&amp;camp=1638&amp;creative=19454&amp;creativeASIN=3902729392 \"><img loading=\"lazy\" class=\"alignright\" src=\"http:\/\/images.derstandard.at\/\/2011\/12\/01\/1322541209260.jpg \" alt=\"\" width=\"120\" height=\"188\" \/><\/a>\u2026 sagt Walter Hoffmann, Psychoanalytiker und Leiter des <a href=\"http:\/\/www.ifat.at\/\" target=\"_blank\">Instituts f\u00fcr Angewandte Tiefenpsychologie<\/a>. Im Interview mit Oliver Mark erl\u00e4utert er einige Ursachen menschlicher Ma\u00dflosigkeit:<\/p>\n<p><strong>\u201a\u2026 derStandard.at: <\/strong>Sie skizzieren den Arbeitsplatz als Verl\u00e4ngerung des Kinderzimmers, wo alte Beziehungsmuster reaktiviert werden. Welche Mechanismen sind da im Spiel?<\/p>\n<p><strong>Hoffmann: <\/strong>Das hat mit der biologischen Pr\u00e4gung des Menschen zu tun, die Ressourcen der Eltern f\u00fcr sich zu beanspruchen. Im Kinderzimmer geht es darum, vor allem wenn es mehrere Geschwister sind, das Lieblingskind zu sein. Das motiviert Kinder brav zu sein, um sich die Liebe der Eltern zu erhalten. Gleichzeitig f\u00fchrt das zu einer Rivalit\u00e4t mit den Geschwistern. Geschwisterliebe ist ein Mythos, in Wirklichkeit gibt es ein Kain und Abel-Verh\u00e4ltnis im Unbewussten.<\/p>\n<p><strong>derStandard.at: <\/strong>Was hat das mit dem B\u00fcro zu tun?<\/p>\n<p><strong>Hoffmann: <\/strong>Diese Muster k\u00f6nnen sehr einfach auf die Arbeitswelt \u00fcbertragen werden, weil sie dort ein ganz \u00e4hnliches Familienmodell vorfinden. Mit dem Chef gibt es eine Autorit\u00e4t, die den Mitarbeitern, den Kindern, vorgesetzt ist. Diese Autorit\u00e4t wird automatisch mit Zuschreibungen aufgeladen, die mit dem Rationalen nichts zu tun haben, sondern nur mit der Rolle des Menschen und nicht mit dem Menschen selbst. Auch am Arbeitsplatz geht es darum, in der Gruppe der Beste zu sein. Also jene Person, die von der Autorit\u00e4t die Zuwendung erh\u00e4lt. Das Lieblingskind der Eltern.<\/p>\n<p><strong>derStandard.at: <\/strong>Welche Konsequenzen hat das im Umgang mit Kollegen?<\/p>\n<p><strong>Hoffmann: <\/strong>Das f\u00fchrt zu Rivalit\u00e4ten auf der einen, und Kooperationen auf der anderen Seite. Allianzen werden eingegangen, um einen Vorteil zu bekommen. Das sind Gef\u00fchle, die bis in die fr\u00fcheste Kindheit zur\u00fcckreichen. Das Verh\u00e4ltnis zu Vorgesetzten entspricht oft der emotionalen Struktur von Vater-Mutter-Kind-Beziehungen. Welche Strategie der Mensch w\u00e4hlt, ist scheinbar individuell, praktisch stellt sie aber immer wieder die Rivalit\u00e4t im Kinderzimmer her.<\/p>\n<p><strong>derStandard.at: <\/strong>Wie \u00e4u\u00dfert sich das im Verhalten?<!--more--><\/p>\n<p><strong>Hoffmann: <\/strong>Das kann sich so \u00e4u\u00dfern, dass man um Anerkennung ringt oder das Gef\u00fchl hat, nicht gemocht zu werden, ohne dass es eine rationale Grundlage daf\u00fcr gibt. Das sind Bilder, die im Hirn neuronal gespeichert sind und durch geeignete Ausl\u00f6ser \u00fcbertragen werden. Wie im Kino, wo aufgezeichnete Filme in der Gegenwart abgespielt werden ohne dass wir merken, dass schon viel fr\u00fcher aufgezeichnet wurde.<\/p>\n<p><strong>derStandard.at: <\/strong>Und als Einzelkind?<\/p>\n<p><strong>Hoffmann: <\/strong>Ein Einzelkind ist von Haus aus darauf eingestellt, dass es das Wichtigste ist. Viele sind zutiefst gekr\u00e4nkt, wenn ihnen jemand anderer vorgezogen wird, weil das nicht in ihr emotionales Bild passt.<\/p>\n<p><strong>derStandard.at: <\/strong>Auch das spiegelt sich im B\u00fcro wider?<\/p>\n<p><strong>Hoffmann: <\/strong>Absolut. Es kommt zu Kr\u00e4nkungen, die ein anderer Mitarbeiter in dieser Form nicht erleben wird, weil er mit solchen Situationen vertraut ist. Oft sind das Leute, die mit so einem Selbstbewusstsein ausgestattet sind, dass sich die anderen gar nicht trauen, die Kompetenz infrage zu stellen und sich spontan der Dynamik unterwerfen. Im B\u00fcro sind viele irrationale Gef\u00fchle im Spiel. Die Leute sind sich dessen zwar bewusst, versuchen diese aber dennoch pseudorational oder pseudointellektuell zu erkl\u00e4ren. Es geht nicht um dumme Vorschl\u00e4ge oder Ideen, die kaputt gemacht werden, sondern um das Gef\u00fchl dahinter, das sie zum Scheitern bringt.<\/p>\n<p><strong>derStandard.at: <\/strong>Welche Gef\u00fchle verbergen sich hinter Konflikten im B\u00fcro?<\/p>\n<p><strong>Hoffmann: <\/strong>Etwa Neid, Missgunst oder Eifersucht. Menschen wollen zum Beispiel auf sich aufmerksam machen, indem sie bewusst die Gegenposition einnehmen. Konflikte werden nicht sachlich, sondern emotional ausgetragen. Nicht die Realit\u00e4t des Arbeitsplatzes ist entscheidend, Gef\u00fchle von fr\u00fcher werden jetzt abgerufen. Sie reagieren nicht wie auf eine Kollegin, sondern wie auf die Schwester oder den Bruder. Mit Wut, Rivalit\u00e4t, Eifersucht oder auch Besch\u00fctzerinstinkt, wenn es eine gute Beziehung war. Wenn man sich als Lieblingskind f\u00fchlt, verlangt man auch den Schutz durch die Eltern. Die Erwartungen haben nichts mit der Realit\u00e4t zu tun, sondern werden rein \u00fcber den Film aus der Vergangenheit gespeist. \u2026\u2018<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/derstandard.at\/1322531595343\/Schraeglage-im-Beruf-Je-hoeher-die-Position-desto-mehr-Narzissten \" target=\"_blank\">Quelle<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u2026 sagt Walter Hoffmann, Psychoanalytiker und Leiter des Instituts f\u00fcr Angewandte Tiefenpsychologie. Im Interview mit Oliver Mark erl\u00e4utert er einige Ursachen menschlicher Ma\u00dflosigkeit: \u201a\u2026 derStandard.at: Sie skizzieren den Arbeitsplatz als Verl\u00e4ngerung des Kinderzimmers, wo alte Beziehungsmuster reaktiviert werden. 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