{"id":5537,"date":"2011-12-01T16:31:09","date_gmt":"2011-12-01T15:31:09","guid":{"rendered":"http:\/\/vaeter-und-karriere.de\/blog\/?p=5537"},"modified":"2011-12-01T16:31:09","modified_gmt":"2011-12-01T15:31:09","slug":"werdende-vater-und-sexualitat-in-der-schwangerschaft","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/vaeter-und-karriere.de\/blog\/index.php\/2011\/12\/01\/werdende-vater-und-sexualitat-in-der-schwangerschaft\/","title":{"rendered":"Werdende V\u00e4ter und Sexualit\u00e4t in der Schwangerschaft"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"http:\/\/www.dggg.de\/typo3temp\/pics\/be85a3916d.jpg\"><img loading=\"lazy\" class=\"alignright\" src=\"http:\/\/www.dggg.de\/typo3temp\/pics\/be85a3916d.jpg\" alt=\"\" width=\"80\" height=\"111\" \/><\/a>Angebliche medizinische Gr\u00fcnde, die gegen Sex in der Schwangerschaft sprechen, beruhen auf Mythen. Wom\u00f6glich sind sie aber eine gute \u201eAusrede&#8220; f\u00fcr den Mann. Denn in der Schwangerschaft ist die Welt ein wenig verdreht: Sie will mehr als sonst, er weniger. Darauf wies heute Dr. Babett Ramsauer beim <a href=\"http:\/\/congress.cpb.de\/1\/index.php?id=145\" target=\"_blank\">25. Deutschen Kongress f\u00fcr Perinatale Medizin<\/a> hin.<\/p>\n<p>Schon ein Blick in entsprechende Internetforen bringe Erstaunliches zu Tage, sagte die Frauen\u00e4rztin. Entgegen der sonst passiveren Rolle, dem im Vergleich zu M\u00e4nnern nicht so h\u00e4ufigen sexuellen Verlangen der Frauen, \u00e4u\u00dfern Schwangere in den Foren ein lustvolles, &#8222;uners\u00e4ttlich&#8220; erscheinendes Bed\u00fcrfnis, das von ihren M\u00e4nnern nicht befriedigt werde. Die Schwangerschaft scheint die sexuelle Welt auf dem Kopf zu stellen.<\/p>\n<p>Frau Dr. Ramsauer hat zahlreiche Paare zu dem Thema befragt. Dabei stellte sich heraus, dass sich Frauen in der Schwangerschaft als attraktiver und anziehender empfinden. Sie scheinen endlich einmal mit ihrer Figur zufrieden zu sein und sich wohl zu f\u00fchlen, trotz der Ver\u00e4nderungen ihrer k\u00f6rperlichen Proportionen: kein Lamentieren \u00fcber \u201ezu&#8220; gro\u00dfe oder \u201ezu&#8220; kleine Br\u00fcste, runde Formen und eingeschr\u00e4nkte Beweglichkeit, sogar dicke F\u00fc\u00dfe geh\u00f6ren halt dazu. Dieses Selbstbewusstsein scheint einen weitreichenden Einfluss auf das sexuelle Verlangen zu haben. Die Frauen f\u00fchlen sich anziehend und sind lustvoll.<\/p>\n<p>Die Rolle des Mannes hingegen ist zunehmend von Angst gesteuert. Werdende V\u00e4ter reden gerne von Gefahren wie vermeintlich m\u00f6gliche Verletzungen des Kindes, Ausl\u00f6sen von Blutungen, Verursachung eines Blasensprunges oder Ausl\u00f6sen von Wehent\u00e4tigkeit durch Sex. Sp\u00e4testens mit der ersten W\u00f6lbung des Babybauches kommt es bei nicht wenigen M\u00e4nnern zu einer vollst\u00e4ndigen sexuellen Blockade. Und das zu einem Zeitpunkt, wo eventuelle anatomische Besonderheiten, die eine gewisse Kreativit\u00e4t bei Sexualpraktiken verlangen, \u00fcberhaupt nicht akut sind.<\/p>\n<p>Eigentlich k\u00f6nnte doch dabei jetzt ein anderer Aspekt in den Vordergrund treten: Sexualit\u00e4t nun endlich unbeschwert zu genie\u00dfen. Es ist passiert, was vielleicht das Ziel der letzten Monate war; oder es ist das passiert, was zwar nicht gewollt, aber nun Realit\u00e4t ist \u2013 eine Schwangerschaft ist eingetreten. <!--more-->Man hat sich mit dieser neuen Situation arrangiert. Vorbei die Zeit der l\u00e4stigen Verh\u00fctung, des auf der Hut sein, damit &#8222;nichts passiert&#8220; oder des auf der Hut sein, dass etwas passiert, vorbei Sex nach Kalender und Uhrzeit, getimt nach dem vermuteten Einsprung. Das alles m\u00fcsste eine Erleichterung sein, spiegelt sich aber im m\u00e4nnlichen Verhalten nicht wider.<\/p>\n<p>Aufkl\u00e4rung kann zumindest teilweise weiter helfen. Es gibt keine wissenschaftlichen Studien die belegen, dass Sexualit\u00e4t in der Schwangerschaft einen Schaden verursachen k\u00f6nnte und besser unterbleiben sollte. Mythen lassen sich schnell entkr\u00e4ften.<\/p>\n<ul>\n<li>Im Sperma sind Prostaglandine enthalten, die Fr\u00fchgeburten ausl\u00f6sen: Die Menge an Prostaglandinen im Sperma ist zu gering, um eine Geburt auszul\u00f6sen. Fr\u00fchgeburt durch Sex ist wissenschaftlich nicht belegt.<\/li>\n<li>Durch mechanischen Reiz und Orgasmus der Frau kommt es zu Geburtswehen: Auch diese Theorie ist durch Untersuchungen nicht zu belegen. Weder Penetration noch Petting mit nachfolgendem Orgasmus f\u00fchrt zu Kontraktionen der Geb\u00e4rmuttermuskulatur und in der Folge zu Wehen.<\/li>\n<li>Durch Sex bekommen Frauen vermehrt Infektionen in der Schwangerschaft: Belegt ist zwar, dass in sozial schw\u00e4cheren Gesellschaftsschichten Genitalinfektionen grunds\u00e4tzlich h\u00e4ufiger vorkommen. Der &#8222;Ping-Pong-Effekt&#8220; beschreibt die wechselseitige Ansteckung der Sexualpartner. In diesen Partnerschaften liegt eine Infektion aber geh\u00e4uft bereits bei Eintreten der Schwangerschaft vor. F\u00fcr eine Neuinfektion in der Schwangerschaft, au\u00dferhalb dieses Risikokollektives, ist die Ursache vielmehr in einer individuellen Veranlagung als in der Ansteckung durch den Partner zu suchen.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Somit sei Sexualit\u00e4t in der Schwangerschaft keine medizinische, sondern eine partnerschaftliche, gesellschaftliche, geschlechtsspezifische und religi\u00f6se Frage, sagte Babett Ramsauer.<\/p>\n<p>Hier sei ein Blick in die muslimische Welt interessant. Der Koran schreibt in mehreren Suren \u00fcber Sexualit\u00e4t und auch \u00fcber Sexualit\u00e4t in der Schwangerschaft. Sexualverkehr mit ihren schwangeren Frauen ist demnach nicht nur erlaubt, sondern auch die Pflicht der Ehem\u00e4nner. Eine Befragung der muslimischen Frauen zu diesem Thema ist nur eingeschr\u00e4nkt m\u00f6glich und kann nicht repr\u00e4sentativ sein. Aber es gibt Anhaltspunkte daf\u00fcr, dass die &#8222;keusche, dem\u00fctige&#8220; muslimische Frau ein befriedigendes Sexualleben vor allem in der Schwangerschaft hat.<\/p>\n<p>Unser westlich orientiertes, kaum noch durch Religion gepr\u00e4gtes Denkschema gerate durcheinander, erkl\u00e4rte die Frauen\u00e4rztin. Schwangere Frauen bei uns werden von ihren M\u00e4nnern entt\u00e4uscht. Zur Rolle von Gyn\u00e4kologinnen und Gyn\u00e4kologen geh\u00f6rt es durchaus, ihre Patientinnen zu beraten, wie ihr sexuelles Verlangen gerade in der Schwangerschaft befriedigt wird. Die Rolle des Gyn\u00e4kologen sollte jedoch nicht wieder die des &#8222;Gottes in Wei\u00df&#8220; \u2013 quasi als Religionsersatz \u2013 sein. Den M\u00e4nnern kann die Angst vor Sexualit\u00e4t in der Schwangerschaft ihrer Frauen durch eine gute Aufkl\u00e4rung genommen werden. Und wo Gyn\u00e4kologen \u00fcbereilte Sexverbote bei fast jeglicher Form einer Risikoschwangerschaft aussprechen, spiegelt das meist mehr deren Angst wider als wissenschaftliche Erkenntnisse.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/idw-online.de\/de\/news454193 \" target=\"_blank\">Quelle<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Angebliche medizinische Gr\u00fcnde, die gegen Sex in der Schwangerschaft sprechen, beruhen auf Mythen. Wom\u00f6glich sind sie aber eine gute \u201eAusrede&#8220; f\u00fcr den Mann. Denn in der Schwangerschaft ist die Welt ein wenig verdreht: Sie will mehr als sonst, er weniger. Darauf wies heute Dr. Babett Ramsauer beim 25. Deutschen Kongress f\u00fcr Perinatale Medizin hin. 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