{"id":5410,"date":"2011-10-18T18:29:18","date_gmt":"2011-10-18T17:29:18","guid":{"rendered":"http:\/\/vaeter-und-karriere.de\/blog\/?p=5410"},"modified":"2011-10-18T18:29:18","modified_gmt":"2011-10-18T17:29:18","slug":"ein-blick-von-ausen-auf-die-deutsche-anwesenheitskultur","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/vaeter-und-karriere.de\/blog\/index.php\/2011\/10\/18\/ein-blick-von-ausen-auf-die-deutsche-anwesenheitskultur\/","title":{"rendered":"Ein Blick von au\u00dfen auf die deutsche Anwesenheitskultur"},"content":{"rendered":"<p>In seinem Heimatland schuftete Tsuyoshi Noguchi mehr als zw\u00f6lf Stunden am Tag und hob sich Urlaubstage f\u00fcr den Fall auf, dass er krank wird. Als er einmal schon um halb sieben zu Hause war, fragte seine Frau, ob er gefeuert worden sei. Jetzt arbeitet der Japaner in Deutschland und macht neue Erfahrungen:<\/p>\n<p><strong>\u201aSZ:<\/strong><em> Herr Noguchi, in Japan gibt es ein Sprichwort: Ist der Ehemann gesund und nicht zu Hause, ist alles in Ordnung. Gilt das auch in Ihrer Familie?<\/em><\/p>\n<p><strong>Noguchi: <\/strong>Das stammt aus einem bekannten TV-Spot und wird sicher von vielen auch so wahrgenommen. Als ich einmal schon um halb sieben zu Hause war, fragte mich meine Frau total \u00fcberrascht: Was ist passiert? Hast du deinen Job nicht gut gemacht? Bist du gefeuert worden? Ein Arbeitstag von 8.30 Uhr bis neun Uhr abends ist bei japanischen Firmen v\u00f6llig normal. Es gab auch eine Zeit, da musste ich mich beeilen, meine letzte Bahn um Mitternacht zu bekommen. Vom B\u00fcro brauchte ich in Tokio noch eine Stunde nach Hause. Lange Arbeitszeiten sind in Japan \u00fcblich, vor allem im Dienstleistungssektor. Sie sind ein Zeichen, dass man immer f\u00fcr den Kunden da ist. So verbringen Sie wesentlich mehr Zeit mit den Kollegen als mit ihrer Familie. Hier ist die Arbeitskultur anders, es gibt eine klare Trennung zwischen Arbeitszeit und Privatleben, wie schon das deutsche Wort &#8222;Feierabend&#8220; erkennen l\u00e4sst.<\/p>\n<p><strong>SZ: <\/strong><em>Manche Unternehmen schalten inzwischen abends das Licht aus, damit alle Mitarbeiter nach Hause gehen. Warum arbeiten Japaner freiwillig so lange?<\/em><\/p>\n<p><strong>Noguchi: <\/strong>Aus Stolz und Verantwortungsbewusstsein. Sie wollen nicht, dass ein Kollege ihre Arbeit erledigen muss. Ein Japaner m\u00f6chte seinen Kollegen nicht zur Last fallen. Also machen sie weiter, auch wenn das \u00fcbertrieben sein kann und auch nicht der effizienteste Weg ist. Daher achten immer mehr Chefs von gro\u00dfen Firmen darauf, dass ihre Mitarbeiter fr\u00fcher gehen. Hier in Deutschland ist das weniger ein Thema, da die Mitarbeiter st\u00e4rker selbst ihre Zeit managen und Priorit\u00e4ten\u00a0setzen.<\/p>\n<p><strong>SZ:<\/strong><em> Wie wichtig ist der Job in der japanischen Gesellschaft und wie wichtig ist im Gegensatz dazu die Familie?<\/em><\/p>\n<p><strong>Noguchi: <\/strong>Japaner f\u00fchlen sich als Teil einer Gemeinschaft, eines Kollektivs. Nat\u00fcrlich ist die Familie auch ein Kollektiv, aber sie versteht, dass der Mann auch noch zu einer anderen Gruppe geh\u00f6rt. Das ist wichtig f\u00fcr die Karriere. Dabei muss man bedenken: 80 Prozent der Japaner arbeiten ihr ganzes Leben bei einer einzigen Firma, also manchmal 40 Jahre lang. Die Kollegen sind auch deine Freunde, sie sind wie eine zweite\u00a0Familie. \u2026\u2019<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.sueddeutsche.de\/karriere\/ein-japaner-in-deutschland-zum-ersten-mal-zweieinhalb-wochen-am-stueck-frei-1.1167437 \" target=\"_blank\">Quelle<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In seinem Heimatland schuftete Tsuyoshi Noguchi mehr als zw\u00f6lf Stunden am Tag und hob sich Urlaubstage f\u00fcr den Fall auf, dass er krank wird. Als er einmal schon um halb sieben zu Hause war, fragte seine Frau, ob er gefeuert worden sei. 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