{"id":4411,"date":"2011-02-11T17:38:58","date_gmt":"2011-02-11T16:38:58","guid":{"rendered":"http:\/\/vaeter-und-karriere.de\/blog\/?p=4411"},"modified":"2011-02-11T17:39:25","modified_gmt":"2011-02-11T16:39:25","slug":"neue-lebenswirklichkeiten-sind-verfassungswidrig","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/vaeter-und-karriere.de\/blog\/index.php\/2011\/02\/11\/neue-lebenswirklichkeiten-sind-verfassungswidrig\/","title":{"rendered":"Neue Lebenswirklichkeiten sind verfassungswidrig"},"content":{"rendered":"<p>So kann man das heutige <a href=\"http:\/\/www.bundesverfassungsgericht.de\/pressemitteilungen\/bvg11-013.html \" target=\"_blank\">Urteil<\/a> auch lesen. Laut Verfassungsgericht darf der Unterhalt nicht von vorneherein gek\u00fcrzt werden, wenn der zahlungspflichtige Partner wieder heiratet. Das Bundesverfassungsgericht hob damit Urteile des Bundesgerichtshofs (BGH) auf, wonach eine neue Heirat bei der Bemessung des Bedarfs ber\u00fccksichtigt werden muss.<\/p>\n<p>Die BGH-Rechtsprechung nannten die Verfassungsrichter einen &#8222;Systemwechsel&#8220;, der zu weit gehe. Ma\u00dfgeblich seien vielmehr die Lebensverh\u00e4ltnisse zum Zeitpunkt der Scheidung. Die neue Rechtsprechung des BGH sei verfassungswidrig.<\/p>\n<p>Im konkreten Fall hatte die Kl\u00e4gerin nach 24 Jahren Ehe zun\u00e4chst 618 Euro Unterhalt pro Monat von ihrem Ex-Mann bekommen. Als der Mann wieder heiratete, wurde der Unterhalt auf 488 Euro herabgesetzt. Der Grund: Seit 2008 ber\u00fccksichtigt der Bundesgerichtshof (BGH) bei der Berechnung des Bedarfs auch Unterhaltspflichten gegen\u00fcber einem neuen Ehepartner. Dies f\u00fchrte regelm\u00e4\u00dfig dazu, dass der geschiedene Partner weniger Geld bekam.<\/p>\n<p>Das sei nicht zul\u00e4ssig, entschieden nun die Verfassungsrichter: Nach dem Gesetz sind die &#8222;ehelichen Lebensverh\u00e4ltnisse&#8220; Ma\u00dfstab f\u00fcr den Unterhaltsbedarf (Paragraf 1578 BGB). Hierf\u00fcr sei nach dem Willen des Gesetzgebers der Zeitpunkt der Scheidung ma\u00dfgeblich. Dem Unterhaltsberechtigten sollte &#8222;der erreichte Lebensstandard gesichert und insbesondere sein sozialer Abstieg vermieden werden&#8220;, so die Richter.<\/p>\n<p>Der Bundesgerichtshof habe sich \u00fcber dieses Konzept hinweggesetzt, kritisieren die Verfassungsrichter. Anstelle der &#8222;ehelichen Lebensverh\u00e4ltnisse&#8220; setze der BGH eigenm\u00e4chtig den Ma\u00dfstab der &#8222;wandelbaren ehelichen Lebensverh\u00e4ltnisse&#8220;. Das \u00fcberschreite die erlaubten Grenzen der Gesetzesauslegung durch den Richter.<\/p>\n<p>Es ist Richtern also nicht gestattet, die ver\u00e4nderten Realit\u00e4ten zu ber\u00fccksichtigen. Dass dies noch nicht die Spitze der Absurdit\u00e4t ist, zeigt die aktuelle Diskussion zum Thema Unterhalt in der Schweiz. Dort steht selbst das Existenzminimum geschiedener V\u00e4ter zur Debatte. Da ist die (symbolische) Belagerung des Parlaments in Bern am kommenden Montag noch eine freundliche Reaktion.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/wirtschaft\/soziales\/0,1518,744980,00.html \" target=\"_blank\">Quelle<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>So kann man das heutige Urteil auch lesen. Laut Verfassungsgericht darf der Unterhalt nicht von vorneherein gek\u00fcrzt werden, wenn der zahlungspflichtige Partner wieder heiratet. 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