{"id":4324,"date":"2011-01-23T00:20:03","date_gmt":"2011-01-22T23:20:03","guid":{"rendered":"http:\/\/vaeter-und-karriere.de\/blog\/?p=4324"},"modified":"2013-08-05T15:10:48","modified_gmt":"2013-08-05T15:10:48","slug":"wenn-der-vater-fehlt-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/vaeter-und-karriere.de\/blog\/index.php\/2011\/01\/23\/wenn-der-vater-fehlt-2\/","title":{"rendered":"Wenn der Vater fehlt"},"content":{"rendered":"<p>Am vergangenen Sonntag lief bei <a href=\"http:\/\/www.monalisa.zdf.de\" target=\"_blank\">MonaLisa<\/a> der Beitrag \u201a<a href=\"http:\/\/vaeter-und-karriere.de\/blog\/index.php\/2011\/01\/14\/%e2%80%9aplotzlich-war-er-weg%e2%80%99-%e2%80%93-wenn-der-vater-fehlt\/ \" target=\"_blank\">Pl\u00f6tzlich war er weg<\/a>\u2019, wie Kinder und insbesondere Jungen den Verlust des Vaters erleben. Als Hintergrundmaterial gibt es dazu ein Interview mit Professor Horst Petri. Er besch\u00e4ftigt sich seit Jahrzehnten mit der Problematik famili\u00e4rer Beziehungen und ihren Auswirkungen.<\/p>\n<p><strong>\u201a \u2026 ZDF:<\/strong> Welche Bedeutung hat f\u00fcr Jungen der Vater als m\u00e4nnliches Vorbild?<\/p>\n<p><strong>Petri:<\/strong> Der Vater ist die zentrale Identifikationsfigur f\u00fcr den Jungen. Der Junge will so werden, wie der Vater. Das ist ein altes, ontologisches Gesetz, dass der Sohn sich sehr stark nach dem Vater orientiert und er identifiziert sich mit ihm. Nur so kann er auch seine eigene, m\u00e4nnliche Identit\u00e4t entwickeln. Das ist die ganz wichtige Funktion, die durch alle Entwicklungsphasen geht.<\/p>\n<p><strong>ZDF:<\/strong> Was bedeutet es, wenn M\u00e4nner ohne den Vater aufwachsen, den Vater nicht haben?<\/p>\n<p><strong>Petri:<\/strong> Man muss hier zwei Phasen unterscheiden. Es gibt ja die akute Trennung, den akuten Verlust. Dann erleidet der Junge ein akutes Trennungstrauma. Wir gehen in der Familienforschung von einem System aus, das aus drei St\u00fctzen besteht: Vater, Mutter, Kind. Wenn in diesem geschlossenen System eine S\u00e4ule weg bricht, dann bricht das ganze System zusammen. Es kommt eine furchtbare Krise. Und was Kinder erstmal erleben, wenn der Vater pl\u00f6tzlich weg ist, ist ein unglaubliches Gef\u00fchl von Trennungsschmerz, von Verlassenheit, von Depression, von Einsamkeit. Bei Jungen dreht sich das dann um.<\/p>\n<p>M\u00e4dchen verarbeiten das eher als innere Depression, Jungen haben ein viel st\u00e4rkeres Aggressionspotenzial und die entwickeln dann nach diesen Verlassenheits\u00e4ngsten, nach diesem Schmerz der Trennung, Wut. Vergeltungswut, Vergeltungsaggression, die sich dann nach au\u00dfen richtet. Und das ist oft die gro\u00dfe, die schwierige, kritische Phase, sowohl f\u00fcr meistens die M\u00fctter, die dann mit den Kindern umgehen m\u00fcssen, aber auch f\u00fcr die soziale Gemeinschaft. Die Jungen sind dann oft so tief depressiv und entt\u00e4uscht, dass sie nicht anders k\u00f6nnen, als alle ihre Aggressionen nach au\u00dfen zu kehren. Deswegen haben wir leider oft im Jugendalter und im heranwachsenden Alter so viele Entgleisungen in die Verwahrlosung und in die Kriminalit\u00e4t. Es fehlt einfach der innere Halt.<\/p>\n<p><strong>ZDF:<\/strong> Was kann das vaterlose Aufwachsen f\u00fcr eine Beziehung zu einer Frau bedeuten?<\/p>\n<p><strong>Petri:<\/strong> Das h\u00e4ngt immer auch von den Umst\u00e4nden ab. Wenn die Mutter einen neuen Partner hat und den alten Partner nicht schlecht macht, sondern ihn weiter akzeptiert als ganz wichtigen Partner f\u00fcr den Sohn, dann hat der Junge vielleicht die M\u00f6glichkeit, sich mit dem Ersatzvater zu identifizieren, oder auch irgendwie Kontakt zu halten zu seinem leiblichen Vater. Das mindert das Trauma nat\u00fcrlich erheblich. Wenn die Mutter, und das ist leider sehr h\u00e4ufig der Fall, den Vater aktiv ausgrenzt, <!--more-->oder der Vater von sich aus aktiv die Flucht ergreift, dann ist der Junge zwangsl\u00e4ufig viel st\u00e4rker an seine Mutter gebunden.<\/p>\n<p>Gerade wenn die Trennung schon in fr\u00fcher Zeit stattgefunden hat, dann ist die Bindung zwischen Sohn und Mutter besonders eng und intensiv. Da er selbst \u00fcber kein m\u00e4nnliches Identit\u00e4tsgef\u00fchl verf\u00fcgt und kein m\u00e4nnliches Selbstbewusstsein, hat er auch Schwierigkeiten in die Welt hinauszugehen und mit dem anderen Geschlecht Kontakt aufzunehmen. Dann sind diese M\u00e4nner bindungsunf\u00e4hig, weil sie immer Angst haben vor neuen Bindungen, Angst vor neuer Entt\u00e4uschung. Sie suchen eigentlich in der neuen Frau, die liebevolle Partnerin, die sie in der Mutter gefunden haben. Das sind dann auch immer wieder ganz br\u00fcchige Beziehungen, weil diese Frauen das nat\u00fcrlich nicht leisten k\u00f6nnen, was dieser Mann sucht. Das hei\u00dft er bleibt auf einer sehr unreifen Stufe seiner heterosexuellen Entwicklung stehen.\u2019<\/p>\n<p>Quelle<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Am vergangenen Sonntag lief bei MonaLisa der Beitrag \u201aPl\u00f6tzlich war er weg\u2019, wie Kinder und insbesondere Jungen den Verlust des Vaters erleben. Als Hintergrundmaterial gibt es dazu ein Interview mit Professor Horst Petri. 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