{"id":2838,"date":"2010-01-17T10:30:33","date_gmt":"2010-01-17T09:30:33","guid":{"rendered":"http:\/\/vaeter-und-karriere.de\/blog\/?p=2838"},"modified":"2010-01-19T10:38:25","modified_gmt":"2010-01-19T09:38:25","slug":"familie-darf-nicht-ein-privatproblem-von-vatern-und-muttern-bleiben","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/vaeter-und-karriere.de\/blog\/index.php\/2010\/01\/17\/familie-darf-nicht-ein-privatproblem-von-vatern-und-muttern-bleiben\/","title":{"rendered":"Familie darf nicht ein Privatproblem von V\u00e4tern und M\u00fcttern bleiben"},"content":{"rendered":"<p>Professor Dr. <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Ulrich_M%C3%BCckenberger \" target=\"_blank\">Ulrich M\u00fcckenberger<\/a>, der an der Universit\u00e4t Hamburg die Forschungsstelle Zeitpolitik leitet, erl\u00e4utert im Interview mit dem <a href=\"http:\/\/www.dji.de\/cgi-bin\/bulladmin\/panel.php?sprache=D\" target=\"_blank\">Bulletin<\/a> des Deutschen Jugendinstituts (<a href=\"http:\/\/www.dji.de\" target=\"_blank\">DJI<\/a>), \u201aExperiment Familie. Der globale Wandel und die Folgen: Wie M\u00fctter, V\u00e4ter und Kinder den Alltag bew\u00e4ltigen\u2019 vor welchen Herausforderungen eine neue gesellschaftliche Zeitpolitik steht und wie er die Bereitschaft der Politik einsch\u00e4tzt, sich diesen Herausforderungen zu stellen:<\/p>\n<p><strong>\u201aWelche Ver\u00e4nderungen sind aus zeitpolitischer Perspektive erforderlich?<\/strong><br \/>\nZeitpolitik setzt ganzheitlich bei den Lebenslagen der Menschen an. Thematisiert werden die strukturellen Merkmale des allt\u00e4glichen Lebens, die bei der bisherigen Vereinbarkeitspolitik au\u00dfen vor bleiben. Alles ist in Deutschland darauf ausgerichtet, dass ein Familienmitglied tags\u00fcber, zumindest halbtags, frei verf\u00fcgbar ist. Eine Vollzeitt\u00e4tigkeit beider Eltern ist deshalb nur schwer zu realisieren. Die Kinderbetreuung stellt dabei das gr\u00f6\u00dfte Problem dar: kurze \u00d6ffnungszeiten, mangelnde Flexibilit\u00e4t in der Lage der angebotenen Zeiten und unzureichende Qualit\u00e4t. Sp\u00e4testens wenn das Kind in die Schule kommt, erweist sich, dass ganzt\u00e4gige Angebote fehlen. Und die Notwendigkeit, die Arbeitswelt zugunsten einer besseren Vereinbarkeit von Familie und Beruf umzugestalten, ist in Deutschland nicht ausreichend identifiziert.<\/p>\n<p><strong>Dank des technischen Fortschritts k\u00f6nnen einige Eltern arbeiten, wann und wo sie wollen. Das ist doch ein gro\u00dfer Vorteil f\u00fcr Familien.<\/strong><br \/>\nAllerdings nur dann, wenn sich Arbeitszeit und -ort tats\u00e4chlich an den Bed\u00fcrfnissen und Lebenslagen der Menschen orientieren. Die Flexibilisierung der Berufswelt folgt heutzutage aber meist einer streng betriebswirtschaftlichen Logik, die andere Gesellschaftsbereiche \u00fcberschwemmt. \u2026<\/p>\n<p><strong>\u2026 und in den Zeitl\u00fccken, die \u00fcbrig bleiben, sollen Eltern dann maximale emotionale Profite in der Familie erwirtschaften.<\/strong><br \/>\nGenau. Aber das kann nicht gelingen, denn Familienleben und Kindererziehung verlangen Empathie und lassen sich nur bedingt planen, schon gar nicht \u00bbbewirtschaften\u00ab. Stattdessen m\u00fcsste die Familie den Takt im Alltag angeben. Denn ohne eine auch privat organisierte F\u00fcrsorge f\u00fcr andere kann eine Gesellschaft nicht bestehen.<\/p>\n<p><strong>Wie sieht eine familienfreundliche Arbeitswelt aus?<\/strong><br \/>\nIn Schweden haben nicht nur beide Elternteile den Anspruch darauf, weniger Zeit am Arbeitsplatz zu verbringen, solange ihre Kinder klein sind. Dar\u00fcber hinaus wird ihnen gesetzlich zugesichert, dass sie sp\u00e4ter wieder Vollzeit arbeiten k\u00f6nnen. In Deutschland scheut sich die Politik bis heute, den Unternehmen solche verbindlichen gesetzlichen Auflagen zu machen. Unser Recht kennt zwar einen Teilzeitanspruch, aber nicht den R\u00fcckkehranspruch in Vollzeit. Wenn man Eltern zubilligen w\u00fcrde, ihre Arbeitszeit vor\u00fcbergehend zu reduzieren, um sp\u00e4ter wieder mehr oder insgesamt l\u00e4nger zu arbeiten, w\u00e4re das Problem der Vereinbarkeit viel geringer. Das w\u00e4re im \u00dcbrigen auch vern\u00fcnftig angesichts der steigenden Lebenserwartung.<\/p>\n<p><strong>Inwiefern?<\/strong><br \/>\nZeit ist nicht nur zwischen Frauen und M\u00e4nnern oder zwischen gesellschaftlichen Gruppen h\u00f6chst ungleich verteilt, <!--more-->sondern auch \u00fcber das Lebensalter hinweg. Familienforscher sprechen von der \u00bbRush hour\u00ab in der Mitte des Lebens, in der junge Erwachsene volles Engagement im Job bringen, aber auch ein Heim gr\u00fcnden und Kinder erziehen sollen. Gleichzeitig fallen viele der Vollzeiterwerbst\u00e4tigen aufgrund eines kalendarisch gegebenen Stichtages pl\u00f6tzlich in den Ruhestand. Die Erwerbszeit und die Pensionierung werden als ein extremes Nacheinander von Zeitnot und Zeitwohlstand erlebt. An die Stelle dieses gewaltsamen Nacheinanders m\u00fcsste ein Nebeneinander von zeitlicher Beschleunigung und Entschleunigung, von Anspannung und Entspannung treten.<\/p>\n<p><strong>Welche Aufgaben sollten sich die Politiker in der n\u00e4chsten Legislaturperiode stellen?<\/strong><br \/>\nEs geht darum, einem Vereinbarkeits-Modell zum Durchbruch zu verhelfen, das das \u00bbSystem\u00ab der gesellschaftlichen Produktion und Reproduktion in den Blick nimmt. Es verlangt ein ressort\u00fcbergreifend koordiniertes und aufeinander abgestimmtes System. N\u00f6tig sind erstens auf Lebenslagen bezogene flexible Arbeitszeitmodelle, zweitens eine \u00f6ffentliche Kultur der Pflege, der Ganztagsschule, der Kleinkindbetreuung und drittens die Fortentwicklung des lohnbezogenen Elterngeldes. Das entspricht einem \u00bbschwedischen Modell\u00ab, das auf die Bedingungen unseres Landes angepasst ist. Dieses sollte \u2013 mehr noch als in Schweden \u2013 die vergangene Geschlechterdiskriminierung abwehren und M\u00e4nnern und Frauen eine gleiche Beteiligung an Elternschaft und Erwerbst\u00e4tigkeit erlauben. Ich bin mir aber keineswegs sicher, ob die derzeitige Koalition zu einer solchen systematischen Vereinbarkeitspolitik bereit sein wird.\u2019<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.vorwaerts.de\/artikel\/familie-darf-nicht-privatproblem-der-eltern-sein \" target=\"_blank\">Quelle<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Professor Dr. Ulrich M\u00fcckenberger, der an der Universit\u00e4t Hamburg die Forschungsstelle Zeitpolitik leitet, erl\u00e4utert im Interview mit dem Bulletin des Deutschen Jugendinstituts (DJI), \u201aExperiment Familie. 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