{"id":2467,"date":"2009-09-23T19:04:27","date_gmt":"2009-09-23T18:04:27","guid":{"rendered":"http:\/\/vaeter-und-karriere.de\/blog\/?p=2467"},"modified":"2009-09-23T19:04:27","modified_gmt":"2009-09-23T18:04:27","slug":"warum-frauen-nicht-die-besseren-kapitalistinnen-sind","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/vaeter-und-karriere.de\/blog\/index.php\/2009\/09\/23\/warum-frauen-nicht-die-besseren-kapitalistinnen-sind\/","title":{"rendered":"Warum Frauen nicht die besseren Kapitalistinnen sind"},"content":{"rendered":"<p>&#8230; und die Krise zeigt, dass auch der Markt ein vergeschlechtlichter Prozess ist erkl\u00e4rt die Soziologin Christa Wichterich im Standard.at &#8211; Interview<\/p>\n<p>Seit Beginn der Wirtschaftskrise werden Frauen gerne als die &#8222;besseren&#8220; Kapitalistinnen vorgef\u00fchrt &#8211; weniger risikobereit, teamf\u00e4higer, flei\u00dfiger, flexibler, denken nachhaltiger usw. Was halten Sie davon?<\/p>\n<p><strong><a href=\"http:\/\/images.derstandard.at\/t\/12\/2009\/09\/09\/1252040780940.jpg\"><img loading=\"lazy\" class=\"alignleft\" src=\"http:\/\/images.derstandard.at\/t\/12\/2009\/09\/09\/1252040780940.jpg\" alt=\"\" width=\"180\" height=\"270\" \/><\/a>Christa Wichterich:<\/strong> Das ist die erste Krise, bei der das so geschieht. Es ist insofern interessant, weil es den Blick darauf richtet, dass die M\u00e4rkte und auch die Krise vergeschlechtlichte Prozesse sind, in denen M\u00e4nner und Frauen eine unterschiedliche Rolle spielen. Diese Rollen werden in der Krise auf einmal hinterfragt. Das hat im J\u00e4nner begonnen, als der &#8222;Observer&#8220; in England gefragt hat: &#8222;W\u00e4re der Crash auch gekommen, wenn die <a href=\"http:\/\/www.guardian.co.uk\/lifeandstyle\/2009\/jan\/18\/women-credit-crunch-ruth-sunderland \" target=\"_blank\">Lehman-Brothers Sisters<\/a> gewesen w\u00e4ren?&#8220;<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.amazon.de\/gp\/product\/3897412896?ie=UTF8&amp;tag=vaeterblog-21&amp;linkCode=as2&amp;camp=1638&amp;creative=19454&amp;creativeASIN=3897412896 \"><img loading=\"lazy\" class=\"alignright\" src=\"http:\/\/images.derstandard.at\/t\/12\/2009\/09\/09\/1252040776452.jpg\" alt=\"\" width=\"210\" height=\"318\" \/><\/a>Es wurden auch gleich Studien nachgeschoben, die zeigten, dass sich an den B\u00f6rsen und Banken eine Kultur der Zocker-M\u00e4nnlichkeit mit einem zu hohen Testosteronspiegel entwickelt hat. Das hatte zur Folge, dass es eine zu hohe Risikobereitschaft gibt und Spekulationen vorangetrieben werden, die dann zum Crash f\u00fchrten.<\/p>\n<p>Das ist eine individualistische Analyse der Krise und eine solche lenkt von den Gesetzm\u00e4\u00dfigkeiten des Finanzmarktes ab, die dazu antreiben, immer neue Finanzmarktinstrumente zu erfinden, Wetten abzuschlie\u00dfen und zu spekulieren, um die Rendite zu steigern, das hei\u00dft aus Geld mehr Geld zu machen. Das f\u00fchrt zwangsl\u00e4ufig zu Blasen und schlie\u00dflich zu einem Crash. Wenn man nur auf die Individuen schaut, die da eingespannt sind, lenkt das von den Gesetzm\u00e4\u00dfigkeiten des Marktes und davon ab, nach welcher Logik dieser funktioniert.<\/p>\n<p>Die Kritik am Zockerverhalten Einzelner und der m\u00e4nnlichen Finanzmarkt-Kultur ist v\u00f6llig berechtigt wie auch die Kritik daran, dass die Gier nach Boni f\u00fcr Risiken blind macht, Risiken, die auf die Gesellschaft verlagert werden und nicht von den Verantwortlichen getragen werden. Das ist alles richtig.<\/p>\n<p>Nur diese Form, die Kritik nur auf Individuen zuzuspitzen, auf individuelle Boni-Geilheit und auf M\u00e4nnlichkeit, das geht an der Funktionslogik des Marktes vorbei. Frauen w\u00fcrden sich in den entsprechenden Positionen dieser Funktionslogik und den Zw\u00e4ngen des Marktes und des Geldes, immer weiter zu wachsen, auch nicht entziehen k\u00f6nnen. \u2026<\/p>\n<p>In den vergangenen Jahrzehnten wurden zweifelsohne gro\u00dfe Gleichstellungsfortschritte gemacht. Die Geschlechterrollen- und Verh\u00e4ltnisse sind in Bewegung gekommen. Frauen haben Lebensm\u00f6glichkeiten, von denen ihre Gro\u00dfm\u00fctter nur getr\u00e4umt haben. Aber die geschlechtsspezifische Arbeit ist bei weitem nicht geknackt. Zwar sind immer mehr Frauen in die Erwerbsarbeit reingekommen und somit gab es eine starke Flexibilisierung und Erweiterung von Frauenrollen. Aber M\u00e4nner haben keineswegs in gleichem Ausma\u00df Versorgungsarbeiten \u00fcbernommen.<!--more--><\/p>\n<p>M\u00e4nnliche Rollen haben sich viel weniger flexibilisiert als weibliche Rollen. Von Gleichheit noch weit entfernt stellen wir also fest, dass sich in vielen politischen Bereichen, in der Besch\u00e4ftigungspolitik, in der Gleichstellungspolitik bei uns aber auch in der Entwicklungspolitik, eine Gender.Fatigue breitgemacht hat, eine Geschlechterersch\u00f6pfung.<\/p>\n<p>Die Politik sagt: Ach nein, nicht wieder das Thema, Frauen sind doch soweit vorangekommen. Gleichzeitig stellen wir fest, dass Geschlecht immer noch ein Ordnungsprinzip in der Gesellschaft und &#8211; neben anderen &#8211; immer noch als Kategorie der Diskriminierung und sozialer Ungleichheit wirkt, obwohl Frauen immer weiter in die \u00d6ffentlichkeit, in die Medien, in die Politik, in die Erwerbsarbeit integriert wurden.<\/p>\n<p>Das nenne ich eine paradoxe Integration, denn weiterhin bestehen Ungleichheiten und auch die Krise wirkt so, dass Frauen als soziale Air Bags funktionieren, wo sie viel auffangen, viele Kosten \u00fcbernehmen. Somit werden soziale Ungleichheiten &#8211; auch zwischen Frauen &#8211; erneut verst\u00e4rkt. Mein <a href=\"http:\/\/www.amazon.de\/gp\/product\/3897412896?ie=UTF8&amp;tag=vaeterblog-21&amp;linkCode=as2&amp;camp=1638&amp;creative=19454&amp;creativeASIN=3897412896 \" target=\"_blank\">Buch<\/a> besch\u00e4ftigt sich mit diesen Widerspr\u00fcchlichkeiten und den weiterhin bestehenden sozialen Ungleichheiten\u2019<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/diestandard.at\/fs\/1252036990913\/Frauen-funktionieren-als-soziale-Air-Bags \" target=\"_blank\">Quelle<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8230; und die Krise zeigt, dass auch der Markt ein vergeschlechtlichter Prozess ist erkl\u00e4rt die Soziologin Christa Wichterich im Standard.at &#8211; Interview Seit Beginn der Wirtschaftskrise werden Frauen gerne als die &#8222;besseren&#8220; Kapitalistinnen vorgef\u00fchrt &#8211; weniger risikobereit, teamf\u00e4higer, flei\u00dfiger, flexibler, denken nachhaltiger usw. Was halten Sie davon? 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