{"id":10524,"date":"2023-02-28T21:49:42","date_gmt":"2023-02-28T20:49:42","guid":{"rendered":"http:\/\/vaeter-und-karriere.de\/blog\/?p=10524"},"modified":"2023-02-28T21:49:44","modified_gmt":"2023-02-28T20:49:44","slug":"care-macht-mehr-von-der-care-krise-zur-care-gerechtigkeit","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/vaeter-und-karriere.de\/blog\/index.php\/2023\/02\/28\/care-macht-mehr-von-der-care-krise-zur-care-gerechtigkeit\/","title":{"rendered":"Care.Macht.Mehr \u2013 Von der Care-Krise zur Care-Gerechtigkeit"},"content":{"rendered":"\n<p>\u2026 lautete vor 10 Jahren der Titel eines <a href=\"https:\/\/care-macht-mehr.com\/manifest-2013\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Manifests<\/a>,\n mit dem sich 23 Wissenschaftler*innen an die \u00d6ffentlichkeit gewandt \nhaben. Sie sahen den Zusammenhalt der Gesellschaft, der \u00fcber \nwechselseitige Sorge gew\u00e4hrleistet wird, gef\u00e4hrdet. \u201eCare in allen \nFacetten ist in einer umfassenden Krise. Hierzu geh\u00f6ren unverzichtbare \nT\u00e4tigkeiten wie F\u00fcrsorge, Erziehung, Pflege und Unterst\u00fctzung, bezahlt \nund unbezahlt, in Einrichtungen und in privaten Lebenszusammenh\u00e4ngen, \nbezogen auf Gesundheit, Erziehung, Betreuung u.v.m. \u2013 kurz: die Sorge \nf\u00fcr andere, f\u00fcr das Gemeinwohl und als Basis die Sorge f\u00fcr sich selbst, \nTag f\u00fcr Tag und in den Wechself\u00e4llen des Lebens. Care ist Zuwendung und \nMitgef\u00fchl ebenso wie M\u00fche und Last. Gleichwohl ist Care keine \nPrivatangelegenheit, sondern eine gesellschaftliche Aufgabe. \u2026\u201c<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image is-resized\"><img loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/vaeter-und-karriere.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2023\/02\/Arbeit-Macht-Care-1024x1024.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-10525\" width=\"512\" height=\"512\" srcset=\"https:\/\/vaeter-und-karriere.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2023\/02\/Arbeit-Macht-Care-1024x1024.png 1024w, https:\/\/vaeter-und-karriere.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2023\/02\/Arbeit-Macht-Care-150x150.png 150w, https:\/\/vaeter-und-karriere.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2023\/02\/Arbeit-Macht-Care-300x300.png 300w, https:\/\/vaeter-und-karriere.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2023\/02\/Arbeit-Macht-Care-768x768.png 768w, https:\/\/vaeter-und-karriere.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2023\/02\/Arbeit-Macht-Care.png 1080w\" sizes=\"(max-width: 512px) 100vw, 512px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p>Ihrer Auffassung nach hat sich die Gesellschaft seit den 1970er \nJahren hin zur flexibilisierten und globalisierten Dienstleistungs- und \nWissensgesellschaft ver\u00e4ndert. Die Organisation und Zuweisung von \nCare-Aufgaben spiegeln jedoch noch ihre historische Entstehung w\u00e4hrend \nder Industrialisierung im 19. Jahrhundert.<\/p>\n\n\n\n<p>Care wurde Frauen zugewiesen, abgewertet als ihre scheinbar \nnat\u00fcrliche Aufgabe, unsichtbar gemacht im privaten Raum der Familie oder\n unterfinanziert und semi-professionalisiert im sozialen Bereich \norganisiert.<\/p>\n\n\n\n<p>Erschwerend komme hinzu, dass die Care-Krise, die von der aktuellen \nneoliberalen Politik versch\u00e4rft wird, immer nur an einzelnen Stellen \naufscheint: wenn Frauen und M\u00e4nner versuchen, individuell und oft mit \ngro\u00dfer Anstrengung, strukturelle gesellschaftliche Probleme zu \nbew\u00e4ltigen.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Autorinnen des Manifests forderten dazu auf, alternative \nCare-Modelle zu entwickeln und gesellschaftlich-politische \nVer\u00e4nderungsprozesse anzusto\u00dfen, die sich an umfassenden Vorstellungen \nvon Gerechtigkeit und einem guten Leben orientieren: \u201eHierf\u00fcr m\u00fcssen \nPolitik, Unternehmen und Verb\u00e4nde \u2013 auch in transnationaler Perspektive \u2013\n anfangen, Care-Bedarfe als grundlegende gesellschaftliche Aufgabe im \nZusammenhang wahrzunehmen, statt Einzell\u00f6sungen zu entwickeln. Denn \u00fcber\n Care wird zwar vielerorts geredet, aber die Diskussionen nehmen bislang\n weder disziplin\u00e4r noch politisch oder normativ aufeinander Bezug.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Es ging f\u00fcr sie auch darum, \u201eF\u00fcrsorglichkeit und Beziehungsarbeit neu\n bewerten, unabh\u00e4ngig von traditionellen Geschlechterbildern. Im Zentrum\n einer f\u00fcrsorglichen Praxis steht privat wie professionell die \nBeziehungsqualit\u00e4t. Menschen sind aufeinander angewiesen und brauchen \npers\u00f6nliche Beziehungen. Care stiftet damit individuelle Identit\u00e4t und \nschafft gemeinschaftlichen Zusammenhalt.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Ihr Fazit: \u201eWir brauchen eine neue gesellschaftliche Kultur, in der \ndie Sorge f\u00fcr sich und andere einen eigenst\u00e4ndigen Stellenwert bekommt, \nunabh\u00e4ngig davon, ob eigene Kinder oder Eltern zu versorgen sind. Wir \nbrauchen neue Wege der Bereitstellung, Anerkennung, Aufwertung und \nBezahlung wie auch der gesellschaftlichen Organisation von Care-Arbeit \nauf lokaler, nationaler und transnationaler Ebene.\u201c Das ist vor 10 \nJahren formuliert worden.<\/p>\n\n\n\n<p>Morgen, am 1. M\u00e4rz ist der \u201aEqual Care Day\u2018. Dieser wird seit 2020 \nvon dem gemeinn\u00fctzigen Vereins klische*esc e.V. durchgef\u00fchrt. Der Tag \nsoll \u201ekein Anlass f\u00fcr Blumen- und Pralinen-Geschenke, sondern eine \nInitiative sein, die den Druck kontinuierlich hochh\u00e4lt und daf\u00fcr sorgt, \ndass das Thema \u2018Equal Care\u2019 nicht mehr aus der politischen Debatte \nverdr\u00e4ngt werden kann.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Im Rahmen des ersten \u201aEqual-Care-Day\u2018 am 29. Februar 2020 ist ebenfalls ein <a href=\"https:\/\/equalcareday.de\/manifest\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Manifest<\/a> entstanden. Dort hei\u00dft es unter anderem:<br>\n\u201eWir alle sind in unserem Lebensverlauf auf die f\u00fcrsorgliche Zuwendung \nund Versorgung anderer angewiesen: Das gilt f\u00fcr Neugeborene ebenso wie \nf\u00fcr Kinder im Vor- und Grundschulalter, aber auch als junge Erwachsene, \nals Berufst\u00e4tige, bei Krankheit oder Behinderung und schlie\u00dflich als \n\u00e4ltere Menschen profitieren wir im Alltag immer wieder von der \nCare-Arbeit anderer; Gesundheit, Wohlbefinden, Lebensqualit\u00e4t und \ngesellschaftliches Miteinander h\u00e4ngen davon ab.<\/p>\n\n\n\n<p>Diese Care-Arbeiten und die Mental Load werden vor allem von Frauen \nund M\u00e4dchen getragen \u2013 unbezahlt oder unterbezahlt. Dadurch bleibt ihnen\n weniger, manchmal gar keine Zeit f\u00fcr Erwerbsarbeit, zur Aus- und \nFortbildung, und sie verf\u00fcgen deshalb \u00fcber weniger oder kein eigenes \nEinkommen. Weltweit \u00fcbernehmen Frauen t\u00e4glich mehr als 12 Milliarden \nStunden unbezahlte Sorgearbeit. \u2026 W\u00fcrden diese auch nur mit dem \nMindestlohn bezahlt, w\u00fcrde \u2026 das Bruttoinlandsprodukt Deutschlands um \ncirca ein Drittel h\u00f6her ausfallen, als in den bisherigen \nGesamtrechnungen ausgewiesen wird. Aber private Care-Arbeit spielt f\u00fcr \ndiese \u00f6konomische Kennziffer, die als \u201aWohlstandsma\u00df\u2019 einer Nation gilt,\n keine Rolle, dabei ist sie das Fundament jeglichen Wirtschaftens.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Im weiteren Verlauf des Manifests geht es um die individuelle \nVerteilung der Care-Aufgaben, die Beseitigung des \u201aMental Load\u2018. Die \nBundesregierung wird im letzten Abschnitt aufgefordert, passende \ngesetzliche Rahmenbedingungen herzustellen und \u201esich weltweit f\u00fcr die \nideelle und finanzielle Anerkennung und eine faire Verteilung von \nSorgearbeit stark zu machen.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Diese Einengung der 2013 manifestierten umfassenden Care-Krise auf \ndie traditionelle geschlechtsspezifische Arbeitsteilung wird von dem im \nJuli 2020 haben gegr\u00fcndeten zivilgesellschaftliche B\u00fcndnis \u201e<a href=\"https:\/\/www.sorgearbeit-fair-teilen.de\/das-buendnis\/ueber-uns\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Sorgearbeit fair teilen<\/a>\u201c noch weiter zugespitzt.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eDie \u00f6konomischen und sozialen Folgen dieser traditionellen \nArbeitsteilung sind schwerwiegend: Frauen gehen sehr viel h\u00e4ufiger \nTeilzeitbesch\u00e4ftigungen nach und ihre Einkommen sind oft deutlich \nniedriger als die von M\u00e4nnern. Die beruflichen Entwicklungsperspektiven \nvon Frauen sind entsprechend vielfach begrenzt und bei Trennung oder im \nAlter sind sie finanziell nicht ausreichend abgesichert. M\u00e4nnern f\u00e4llt \nnoch immer \u00fcberwiegend die Rolle des Familienern\u00e4hrers zu. So fehlt \nihnen neben der Erwerbst\u00e4tigkeit oftmals die Zeit, Sorge- und Hausarbeit\n zu \u00fcbernehmen. Diese Arbeitsteilung entspricht allerdings nicht mehr \nden Lebensvorstellungen vieler heterosexueller Paare. Viele Frauen und \nM\u00e4nner wollen sowohl Sorgearbeit und Sorgeverantwortung \u00fcbernehmen als \nauch den eigenen Lebensunterhalt verdienen k\u00f6nnen.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Das B\u00fcndnis befindet sich in Tr\u00e4gerschaft des Deutschen Frauenrats \nund die Gesch\u00e4ftsstelle wird vom BMFSFJ finanziert. Das Ziel des \nB\u00fcndnisses ist es, \u201edass Geschlechterstereotype abgebaut und \nRahmenbedingungen geschaffen werden, die allen Menschen die gleichen \nVerwirklichungschancen und die Vereinbarkeit von Sorge- und \nErwerbsarbeit \u00fcber den gesamten Lebensverlauf hinweg erm\u00f6glichen.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Die Forderungen wie \u201eAusweitung der individuellen, nicht \n\u00fcbertragbaren Elterngeldmonate auf mindestens vier Monate\u201c und \u201e10 Tage \nFreistellung f\u00fcr V\u00e4ter bzw. zweite Elternteile rund um die Geburt mit \nvollem Lohnersatz\u201c gehen zwar schon \u00fcber die im aktuellen \nKoalitionsvertrag formulierten Vorhaben hinaus, sind aber allenfalls ein\n erster Schritt dahin, \u201eCare-Bedarfe als grundlegende gesellschaftliche \nAufgabe im Zusammenhang wahrzunehmen, statt Einzell\u00f6sungen zu \nentwickeln\u201c, wie es 2013 gefordert wurde.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Corona Pandemie hat die Schw\u00e4chen der Care Systeme schonungslos \noffengelegt. Eine gesellschaftliche Kultur die Sorge f\u00fcr sich und andere\n einen angemessenen Stellenwert zuweist, ist dennoch nicht in Sicht. Im \nGegenteil, vor dem Hintergrund, der durch den russischen \u00dcberfall \nprovozierten Energiekrise und der Inflation wird zwar einerseits das \nMuster m\u00e4nnlicher Vollzeitt\u00e4tigkeit als Haupthemmnis identifiziert, das \nV\u00e4ter an mehr Familienarbeit hindert. Andererseits aber kommuniziert, \ndass Wirtschaft mehr \u201aBock auf (Erwerbs-) Arbeit\u2018 braucht und \ndiejenigen, die Arbeitszeiten reduzieren m\u00f6chten, mit dem Vorwurf \nkonfrontiert, \u201aArbeit sei kein Ponyhof\u2018.<\/p>\n\n\n\n<p>Care macht mehr Leben ins M\u00e4nnerleben. Aber daf\u00fcr braucht es mehr  strukturelle Ver\u00e4nderungen, vor allem auch bei den Arbeitszeiten. Ohne  eine Reduzierung der Arbeitszeit bei vollem Lohnausgleich ist eine  geschlechtergerechte Aufteilung von bezahlter und unbezahlter Arbeit  nicht m\u00f6glich. Don\u2019t fix the (Wo)Men!<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/www.lag-vaeterarbeit.nrw\/2023\/02\/28\/care-macht-mehr-von-der-care-krise-zur-care-gerechtigkeit\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\" aria-label=\"Quelle (\u00f6ffnet in neuem Tab)\">Quelle<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u2026 lautete vor 10 Jahren der Titel eines Manifests, mit dem sich 23 Wissenschaftler*innen an die \u00d6ffentlichkeit gewandt haben. Sie sahen den Zusammenhalt der Gesellschaft, der \u00fcber wechselseitige Sorge gew\u00e4hrleistet wird, gef\u00e4hrdet. \u201eCare in allen Facetten ist in einer umfassenden Krise. 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