{"id":10494,"date":"2023-02-06T14:34:47","date_gmt":"2023-02-06T13:34:47","guid":{"rendered":"http:\/\/vaeter-und-karriere.de\/blog\/?p=10494"},"modified":"2023-02-06T14:34:49","modified_gmt":"2023-02-06T13:34:49","slug":"verstaendnisvoller-spielkamerad-statt-abwesender-ernaehrer","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/vaeter-und-karriere.de\/blog\/index.php\/2023\/02\/06\/verstaendnisvoller-spielkamerad-statt-abwesender-ernaehrer\/","title":{"rendered":"Verst\u00e4ndnisvoller Spielkamerad statt abwesender Ern\u00e4hrer"},"content":{"rendered":"\n<p>Studie der TU Braunschweig und FH Kiel gibt Einblicke in\nSelbstbild und Selbstverst\u00e4ndnis von V\u00e4tern <\/p>\n\n\n\n<p>Wie nehmen V\u00e4ter sich selbst und ihre Familie wahr? Haben\nsie Probleme, Vaterschaft und Berufst\u00e4tigkeit zu vereinbaren? Wie sieht es mit\nder Geschlechtergerechtigkeit und der Arbeitsorganisation im Familienalltag\naus? Diese und andere Fragen untersuchten Sozialwissenschafter*innen der\nTechnischen Universit\u00e4t Braunschweig und der Fachhochschule Kiel in ihrer\nStudie <a href=\"https:\/\/leopard.tu-braunschweig.de\/receive\/dbbs_mods_00071776\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">\u201eVAPRO \u2013 You don\u2019t need to be\nSuperheroes\u201c<\/a>.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image is-resized\"><img loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/vaeter-und-karriere.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2023\/02\/Grafik_Guter_Vater-1024x698.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-10495\" width=\"512\" height=\"349\" srcset=\"https:\/\/vaeter-und-karriere.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2023\/02\/Grafik_Guter_Vater-1024x698.png 1024w, https:\/\/vaeter-und-karriere.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2023\/02\/Grafik_Guter_Vater-300x204.png 300w, https:\/\/vaeter-und-karriere.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2023\/02\/Grafik_Guter_Vater-768x524.png 768w, https:\/\/vaeter-und-karriere.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2023\/02\/Grafik_Guter_Vater.png 1335w\" sizes=\"(max-width: 512px) 100vw, 512px\" \/><figcaption>(c) Kim Br\u00e4uer<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Die Rolle von V\u00e4tern ist in den vergangenen Jahren immer\nmehr in den gesellschaftlichen Fokus ger\u00fcckt. Debatten wie\n#dazuhatpapanichtszusagen, Diskussionen um einen 14-t\u00e4gigen Vaterschutz und\nnicht zuletzt die Erweiterung der Elternzeit um zwei V\u00e4termonate spiegeln diese\nEntwicklung wider. \u201eTrotz der vermehrten Diskussion um die Rolle von V\u00e4tern ist\ndiese seit einigen Jahren nicht mehr umfassend wissenschaftlich untersucht\nworden. Diese L\u00fccke wollten wir mit unserer Studie schlie\u00dfen\u201c, erkl\u00e4rt <a href=\"http:\/\/www.tu-braunschweig.de\/sao\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Projektleiterin Dr. Kim Br\u00e4uer von der TU Braunschwei<\/a>g.\nIm Rahmen der VAPRO-Studie befragte das Team um Br\u00e4uer und Prof. Dr. Kai\nMarquardsen von der Fachhochschule Kiel 2.200 V\u00e4ter online und f\u00fchrten 55\nqualitative Interviews. Dabei ber\u00fccksichtigten sie neben rechtlichen und\nbiologischen V\u00e4tern auch Pflegev\u00e4ter, V\u00e4ter in Co-Parenting-Konstellationen und\nhomosexuelle V\u00e4terpaare. Au\u00dferdem wurden nicht nur die M\u00e4nner selbst befragt,\nsondern auch die (Eigen-)Darstellung von Vaterschaft in sozialen Medien\nanalysiert.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Bild vom Vater, der mit seinem Einkommen die Familie\nern\u00e4hrt und mit den Kindern h\u00f6chstens am Wochenende spielt, ist pass\u00e9.\nTats\u00e4chlich ist es V\u00e4tern heute vor allem wichtig, ihre Kinder \u201eempathisch und\nverst\u00e4ndnisvoll\u201c zu erziehen. Das ist eines der zentralen Ergebnisse der\nVAPRO-Studie. Das Ideal des emotionalen Vaters ist weit verbreitet. So ist es\nfast 60 Prozent der V\u00e4ter am wichtigsten, dass sie ihrem Kind bzw. ihren\nKindern Zuneigung zeigen. Der Trend zu vermehrter aktiver Vaterschaft sei klar\nerkennbar, so die Wissenschaftler*innen. Dabei engagieren sich die V\u00e4ter am\nh\u00e4ufigsten in der Kinderbetreuung, indem sie zum Beispiel mit den Kindern\nspielen. Deutlich seltener \u00fcbernehmen die V\u00e4ter aktive Erziehungsma\u00dfnahmen.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img src=\"\" alt=\"\"\/><\/figure>\n\n\n\n<p><strong>Das Bild vom Vater als Ern\u00e4hrer dominiert nicht mehr<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Ein Gro\u00dfteil der befragten V\u00e4ter hat sich von dem Bild des\nVaters als Ern\u00e4hrer gel\u00f6st. Nur rund 12 Prozent von ihnen halten es f\u00fcr ihre\nwichtigste Aufgabe, der Familie finanzielle Sicherheit zu bieten. \u201eDie von uns\nbefragten V\u00e4ter haben angegeben, dass ihnen monet\u00e4re Werte nicht so wichtig\nseien, wie soziale oder emotionale Werte\u201c, erkl\u00e4rt Prof. Dr. Kai Marquardsen.\nIn diesem Zusammenhang kritisierten viele der Interviewten ihre eigenen V\u00e4ter\nunter anderem als \u201ezu bestimmend\u201c, als \u201eabwesend\u201c und \u201emit der Arbeit zu\nbesch\u00e4ftigt\u201c. Sie nutzen ihre V\u00e4ter als \u201enegatives Vorbild\u201c und betonen, dass\nsie selbst als Vater bewusst anders handeln w\u00fcrden.<\/p>\n\n\n\n<p>Dennoch sind fast 85 Prozent der V\u00e4ter w\u00f6chentlich 40\nStunden oder mehr erwerbst\u00e4tig, w\u00e4hrend fast drei Viertel der anderen\nElternteile nicht oder maximal 30 Stunden in der Woche arbeiten. Trotzdem nimmt\nfast jeder zweite Vater an, dass er sich genauso viel um famili\u00e4re\nAngelegenheiten der Kinderbetreuung k\u00fcmmert, wie der andere Elternteil.\nLediglich jeder zehnte Vater \u00fcbernimmt die meisten Aufgaben der Familienarbeit.\nDies sind vor allem V\u00e4ter, die ihre Erwerbst\u00e4tigkeit beendet oder deren Umfang\nreduziert haben, um mehr Zeit f\u00fcr ihre Familie und die Versorgung der Kinder zu\nhaben.<\/p>\n\n\n\n<p>Viele V\u00e4ter, auch das ist eine Erkenntnis der Studie, geben\nan, ihren eigenen Vorstellungen guter Vaterschaft nicht gerecht zu werden.\n\u201eHier zeigen sich Parallelen zur Mutter als Allrounderin, die im Job\nerfolgreich sein muss und gleichzeitig liebevoll die Kinder und ihre Verwandten\numsorgt\u201c, erkl\u00e4rt Kim Br\u00e4uer. \u201eDer Trend geht also weg von der \u201aklassischen\u2018\nRollentrennung hin zu einem \u201aAlle-erf\u00fcllen-alle-Rollen\u2018 und dieses m\u00f6glichst\nperfekt. Dabei erleben die V\u00e4ter nicht nur einen Work-Family-Konflikt. Es\nscheint auch darum zu gehen, sich in ihrem Freundeskreis, in Vereinen oder bei\nder Versorgung der Eltern einzubringen und ihren Kindern auf diese Weise\nsoziale Werte vorzuleben,\u201c so Br\u00e4uer.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>V\u00e4ter bloggen nicht \u00fcber Armut<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Im Rahmen ihrer Studie haben die Sozialwissenschaftler*innen\ndie Instagram-Accounts von sieben sehr popul\u00e4ren V\u00e4terbloggern und deren Bild\nvon Vaterschaft analysiert. Hier herrscht das Ideal des zumeist wei\u00dfen, aktiven\nVaters. Vaterschaft in Armut oder Vatersein mit Migrationserfahrung w\u00fcrden\nhingegen kaum thematisiert, erkl\u00e4rt Prof. Marquardsen. \u201eDas l\u00e4sst sich damit\nerkl\u00e4ren, dass Armut mit Scham behaftet ist und V\u00e4ter in Armutslagen sich \u2013\nauch virtuell \u2013 nicht offenbaren wollen. V\u00e4ter, deren Leben von einem geringen\nEinkommen gepr\u00e4gt ist oder die auf Leistungen vom Staat angewiesen sind, finden\nunter V\u00e4terbloggern also niemanden in \u00e4hnlicher Lebenslage.\u201c Auch unter\n#ichbinarmutsbetroffen fanden die Wissenschaftler*innen nur wenige Berichte von\nV\u00e4tern in Armutslagen.<\/p>\n\n\n\n<p>Es sei schwierig gewesen, f\u00fcr Interviews Kontakt zu\nBetroffenen herzustellen, da diese in besonderer Weise unter dem Druck\ngesellschaftlicher Normalit\u00e4tsvorstellungen st\u00fcnden, erkl\u00e4rt der Kieler\nSozialwissenschaftler: \u201eSelbstverst\u00e4ndlich finden wir auch unter V\u00e4tern in\nArmutslagen eine Vielfalt im Erleben von Vaterschaft. Aber im Unterschied zu\nanderen V\u00e4tern ist f\u00fcr sie vor allem die materielle Versorgung der Familie\nwichtigeres Thema. In unseren Interviews wurde deutlich, dass f\u00fcr sie\ninsbesondere Herausforderungen auf materieller Ebene eine Rolle spielen, die\nbei V\u00e4tern in gesicherten Verh\u00e4ltnissen kein Thema waren \u201c, so Marquardsen. \u201eInsgesamt\nbesteht bez\u00fcglich des Erlebens von Vaterschaft von V\u00e4tern in Armut aber weiter\ndringender Forschungsbedarf. Nicht zuletzt wissen wir noch zu wenig dar\u00fcber,\nwelche kurz- und l\u00e4ngerfristigen Einfl\u00fcsse gesellschaftliche Krisenereignisse\nwie Corona oder eine steigende Inflation auf die Praxis gelebter Vaterschaft in\nverschiedenen Milieus haben.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Handlungsempfehlungen f\u00fcr die Praxis<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Ziel des Projekts war es auch, Handlungsempfehlungen f\u00fcr\nArbeitgeber*innen, Koordinator*innen von V\u00e4ternetzwerken und politische\nAkteur*innen zu entwickeln, um die Lebenslagen von V\u00e4tern sichtbarer zu machen\nund ihre Situation und die ihrer Familien nachhaltig zu verbessern.\nV\u00e4terarbeit, so die Empfehlung der Forschenden, solle sich verst\u00e4rkt auf deren\nallt\u00e4gliches Handeln beziehen. Es gehe weniger darum, ein neues Bild von\nVaterschaft zu vermitteln, als die V\u00e4ter st\u00e4rker in allt\u00e4gliche Aufgaben\neinzubinden, erkl\u00e4rt Br\u00e4uer: \u201eEs w\u00e4re denkbar, V\u00e4ter aktiv als Elternsprecher\nanzufragen, V\u00e4terschwimmkurse anzubieten oder sie aktiv zum Beispiel in\nElternchats anzusprechen.\u201c Unterst\u00fctzung w\u00fcnschen sich die\nWissenschaftler*innen au\u00dferdem durch entsprechende familienpolitische Reformen.\n\u201eDas w\u00fcrde es vielen V\u00e4tern leichter machen, spezielle Angebote der\nArbeitgeber*innen auch tats\u00e4chlich anzunehmen.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Studiendesign<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Die VAPRO Studie hatte eine Laufzeit von zweieinhalb Jahren\nund wurde von der Stabstelle f\u00fcr Chancengleichheit der TU Braunschweig und dem\nBraunschweiger Zentrum f\u00fcr Gender Studies finanziert. Die Forscher*innen\nw\u00e4hlten einen Methoden-Mix und werteten 55 qualitative Interviews, eine\nOnline-Umfrage mit bundesweit 2.200 Teilnehmern und sieben Instagram-Accounts\nvon V\u00e4terbloggern aus.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Weitere Informationen<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Abschlussbericht: <a href=\"https:\/\/leopard.tu-braunschweig.de\/receive\/dbbs_mods_00071776\">https:\/\/leopard.tu-braunschweig.de\/receive\/dbbs_mods_00071776<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Projekthomepage: <a href=\"http:\/\/www.tu-braunschweig.de\/familienbuero\/vaeter\">www.tu-braunschweig.de\/familienbuero\/vaeter<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>VAPRO-Instagram-Account: <a href=\"https:\/\/www.instagram.com\/dadsaredads\/\">https:\/\/www.instagram.com\/dadsaredads\/<\/a><\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/magazin.tu-braunschweig.de\/pi-post\/verstaendnisvoller-spielkamerad-statt-abwesender-ernaehrer\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\" aria-label=\"Quelle (\u00f6ffnet in neuem Tab)\">Quelle<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Studie der TU Braunschweig und FH Kiel gibt Einblicke in Selbstbild und Selbstverst\u00e4ndnis von V\u00e4tern Wie nehmen V\u00e4ter sich selbst und ihre Familie wahr? 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