{"id":10450,"date":"2022-12-19T21:11:21","date_gmt":"2022-12-19T20:11:21","guid":{"rendered":"http:\/\/vaeter-und-karriere.de\/blog\/?p=10450"},"modified":"2022-12-19T21:11:23","modified_gmt":"2022-12-19T20:11:23","slug":"das-wichtigste-ist-die-eigene-haltung-zum-vatersein","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/vaeter-und-karriere.de\/blog\/index.php\/2022\/12\/19\/das-wichtigste-ist-die-eigene-haltung-zum-vatersein\/","title":{"rendered":"Das Wichtigste ist die eigene Haltung zum Vatersein"},"content":{"rendered":"\n<p>\u201aVatersein\u2018 lautet der Titel des dritten Buchs von Tillmann\nPr\u00fcfer, dessen Kolumne \u201aPr\u00fcfers T\u00f6chter\u2018 seit vier Jahren w\u00f6chentlich im\nZEITmagazin zu lesen ist. Im Untertitel hei\u00dft es dann appellativ \u201aWarum wir\nmehr denn je neue V\u00e4ter brauchen\u2018. Also noch ein weiteres Buch, dass V\u00e4tern den\nWiderspruch zwischen Wollen und Handeln aufzeigt? <br>\nDie Antwort lautet Ja und Nein. Pr\u00fcfer nimmt die Messlatte \u201aBedeutung der V\u00e4ter\nf\u00fcr die Entwicklung ihrer Kinder\u2018 und konfrontiert die Leser*innen mit den\ndaraus folgenden Anspr\u00fcchen und der oft lauen Performance von V\u00e4tern. Auf der\nanderen Seite beleuchtet er aber auch die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen,\nErwartungen und Zuschreibungen an V\u00e4ter und die damit verbundenen Ambivalenzen,\ndie noch allzu oft zugunsten des Ern\u00e4hrer Mannes aufgel\u00f6st werden. Dabei\nbleiben die Anspr\u00fcche ans gute Vatersein, auf jeden Fall besser als der eigene\nVater, auf der Strecke.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image is-resized\"><img loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/vaeter-und-karriere.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/12\/TPruefer.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-10451\" width=\"102\" height=\"160\"\/><\/figure>\n\n\n\n<p>Authentisch wirken die von Tillmann Pr\u00fcfer formulierten\nAnspr\u00fcche vor allem dadurch, dass er in einem Erz\u00e4hlstrang seine eigene\nAuseinandersetzung mit dem Vater werden und sein reflektiert. Dazu geh\u00f6rt auch\ndas Scheitern der ersten Beziehung. In einem Doppelinterview in der aktuellen\nAusgabe des STERN, mit ihm und seinem Vater, \u00e4u\u00dfert dieser auf die erste Frage,\n\u201eHerr Pr\u00fcfer, ist Ihr Sohn Tillmann ein guter Vater?\u201c \u201eEr gibt sich die gr\u00f6\u00dfte\nM\u00fche, und ich denke, er macht es sehr gut.\u201c<br>\nDazu, was einen guten Vater ausmacht, schreibt der Sohn an verschiedenen\nStellen seines knapp 200 Seiten umfassenden Buches, aber zun\u00e4chst einmal ein\nkurzer Blick in das Werk.<\/p>\n\n\n\n<p>Im ersten Abschnitt skizziert der Autor die Entstehung und\nGeschichte der existierenden V\u00e4terbilder und wirbt daf\u00fcr, den Feminismus als Chance\nf\u00fcr V\u00e4ter zu betrachten, denn die patriarchale Gesellschaft bringe keineswegs\nallen M\u00e4nnern in gleicher Weise Vorteile. Es gehe nicht darum von au\u00dfen auf\nsich zu blicken, in Wettbewerb mit anderen zu treten, um im Benchmarking gut\ndazustehen und dieses Konkurrenzdenken auf das Vatersein zu \u00fcbertragen. \u201eEs\ngibt nur eine Person auf der Welt, die einem beibringen kann, wie gutes\nVatersein geht: das eigene Kind.\u201c Auf der anderen Seite ist die Rolle, \u201edie man\nals Vater f\u00fcr sein Kind spielt, die wichtigste, die man je im Leben spielen\nwird.\u201c Und ein Vater der einf\u00fchlsam und interessiert ist, hilft seinen Kindern\nam meisten.<\/p>\n\n\n\n<p>Im zweiten Abschnitt beschreibt Pr\u00fcfer die Hindernisse, die\neinem gl\u00fccklichen Vatersein im Weg stehen. Da sind zun\u00e4chst einmal die\nWiderspr\u00fcche und Ambivalenzen zwischen den Sph\u00e4ren Beruf und Familie, die auf\nden ersten Blick dazu (ver-)f\u00fchren, es keinem Recht machen zu k\u00f6nnen. \u201eEs\nscheint klar, dass man etwas anderes machen m\u00f6chte als fr\u00fcher, machen muss.\nDoch die Orientierung f\u00e4llt schwer. Es gibt so viele Anspr\u00fcche an den sogenannten\nneuen Vater, dass es unm\u00f6glich ist, allem gerecht zu werden.\u201c Zumal es V\u00e4tern\nimmer noch an Vorbildern mangelt.<\/p>\n\n\n\n<p>Den V\u00e4tern gut zuzureden, mehr Interesse f\u00fcr die Kinder zu\nzeigen und ihre W\u00fcnsche, mehr Zeit mit ihnen zu verbringen einfach zu\nverwirklichen, gen\u00fcgt nach Ansicht von Pr\u00fcfer nicht. Dazu braucht es \u201eeine\nAnstrengung beider Partner \u2013 und der ganzen Gesellschaft.\u201c Zu wissen, dass die\nRollenzuschreibung guter Vater = guter Ern\u00e4hrer nichts ist, was schon immer so\nwar ist hilfreich. \u201eWir sind es geworden. Und genauso k\u00f6nnen wir auch etwas\nNeues werden. Wenn wir es denn wagen.\u201c Dazu ermutigt Pr\u00fcfer V\u00e4ter, auch in Gespr\u00e4chen\n\u00fcber sein Buch wie hier zum Beispiel in der ZDF Sendung \u201aHier und heute\u2018: \u201e\u2026\nreden Sie mal mit anderen M\u00e4nnern dar\u00fcber. M\u00e4nner reden mit anderen M\u00e4nnern\nkaum \u00fcber diese Themen, das ist Ihnen irgendwie \u2026 da f\u00fchlen sie sich schwach,\nda sind sie unsicher. Sie reden \u00fcber Alles andere, aber nicht \u00fcber die Dinge,\ndie sie auch seelisch verletzen und bedr\u00fccken oder unsicher machen und ich\nglaube, wenn sich V\u00e4ter nur einigerma\u00dfen so vernetzt h\u00e4tten, wie das Frauen\nschon lange machen und sich Hilfe holen, dann w\u00fcrde sich viel \u00e4ndern.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Im Buch bietet er V\u00e4tern im dritten Teil einen \u201aWerkzeugkasten\nf\u00fcr den modernen Vater an\u2018. Darin befinden sich 12 Werkzeuge und ein \u201aUniversalschl\u00fcssel\u2018.\nDie einzelnen Werkzeuge reichen von \u201aMach dir einen Plan\u2018, \u201aLerne vom Kind\u2018\n\u00fcber \u201aTrau dich zu f\u00fchlen\u2018 bis hin zu \u201aMach Fehler und steh dazu!\u2018 und \u201aBesch\u00fctz\ndein Kind und lass es los\u2018.<\/p>\n\n\n\n<p>Zu jedem Werkzeug gibt es ausf\u00fchrliche Anwendungsbeschreibungen,\ndie durch wissenschaftliche Anmerkungen und Zitate unterlegt sind. Beim \u201aWerkzeug\n9: Rede und h\u00f6r zu\u2018 erf\u00e4hrt man, dass Kinder neue W\u00f6rter eher von V\u00e4tern lernen\nals von M\u00fcttern. Da V\u00e4ter weniger Zeit mit Kindern verbringen, m\u00fcssten sie erst\neinmal lernen, sich mit den Kindern zu verst\u00e4ndigen. Auf dem Weg dahin lernen\nauch Kinder eine Menge.<br>\nDas Universalwerkzeug beinhaltet die Aufforderung an V\u00e4ter \u201aMach was!\u2018, \u201edenn\ndie Vatererfahrung findet nicht nur durch W\u00f6rter statt, sondern vor Allem durch\nTaten. Taten kann man f\u00fchlen, h\u00f6ren, riechen, sehen.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Im vierten und letzten Teil des Buches zeichnet Pr\u00fcfer\nanhand der Entwicklungsstufen einer jeden Vaterschaft \u201aJeder Vater f\u00e4ngt ganz klein\nan: Kleinkindpapa\u2018 bis zum leeren Nest \u201aTsch\u00fcss Alter! Wenn die Kinder ihre\nV\u00e4ter nicht mehr so sehr brauchen\u2018 die M\u00f6glichkeiten auf, als Vater\nmitzuwachsen.<br>\n\u201eAll diese Konfrontationen, die kleinen Katastrophen, die st\u00e4ndigen\nHerausforderungen und Niederlagen, im Wechsel mit minimalen Erfolgen, die\nmachen etwas mit V\u00e4tern. Wer Vater wird, der ver\u00e4ndert sich.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Eingestreut in diesen Lebensreigen ist das Kapitel \u201aKein\nneuer Vater ohne eine neue Mutter\u2018. Seine These: Es wird \u201ekeinen neuen Vater\ngeben, wenn die Partnerin ihm keinen Raum gibt, diese Rolle auszuf\u00fcllen. Der\nAutor setzt sich mit dem Ph\u00e4nomen des \u201aMaternal Gatekeeping\u2018 auseinander und\ngeht dabei auch auf den Shitstorm ein, den der Spiegel-Beitrag \u201aPapa kann das\nschon alleine! Was moderne V\u00e4ter hinkriegen \u2013 wenn M\u00fctter sie lassen\u2018 im Sommer\n2021 ausgel\u00f6st hat. In der Spiegelrezension schreibt Tobias Becker dazu \u201ePr\u00fcfer gelingt das\nKunstst\u00fcck, \u00fcber sogenanntes <em>Maternal Gatekeeping<\/em> zu schreiben, ohne die\nV\u00e4ter aus der Pflicht zu entlassen\u201c und macht deutlich, dass er immer noch\nnicht verstehen will, das mit der Beschreibung von \u201aMaternal Gatekeeping\u2018 keine\nSchuldzuschreibungen verbunden sind, sondern Verhaltensweisen in einem\nkomplexen System analysiert werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Im allerletzten Kapitel spricht Tillmann Pr\u00fcfer noch einmal eine\nErmutigung aus \u201aTrau dich Papa!\u2018 und weist darauf hin, dass die\ngesellschaftliche Wahrnehmung der Vaterrolle offensichtlich problematischer ist\nals die tats\u00e4chlich empfundene N\u00e4he von Kindern zu ihren V\u00e4tern. \u201eWahrscheinlich\nhaben wir heute die besten und um ihre Kinder am meisten besorgten V\u00e4ter, die\nes jemals in der Geschichte westlicher L\u00e4nder gegeben hat.\u201c Aber das ist vor\nallem auch eine Frage der (Selbst-)Wahrnehmung. \u201eWenn ich jemand sein kann, an\nden die Kinder glauben, obwohl ihnen gerade der Glaube an etwas fehlt. Dann\nwerde ich ein guter Vater sein\u201c lautet der vorletzte Satz in dem Buch. Ich\ndenke, es reicht, wie Heinz Walter vor 15 Jahren in dem Sammelband \u201aVater wer\nbist du?\u2018 beschrieben hat, ein \u201ahinreichend guter Vater\u2018 zu sein. Aber das\nentscheiden ja die Kinder und die haben andere Ma\u00dfst\u00e4be als die V\u00e4ter selber\nund das Feuilleton.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich kann den Band von Tillmann Pr\u00fcfer, jedem empfehlen, der sich mit den Herausforderungen mit denen V\u00e4ter und M\u00fctter, die es anders mache m\u00f6chten als es bislang \u201anormal\u2018 ist, konfrontiert sind, auseinandersetzen m\u00f6chten. Sie werden dabei en passant auch mit spannenden Erkenntnisse der V\u00e4terforschung belohnt.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/www.lag-vaeterarbeit.nrw\/2022\/12\/19\/das-wichtigste-ist-die-eigene-haltung-zum-vatersein\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\" aria-label=\"Quelle (\u00f6ffnet in neuem Tab)\">Quelle<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201aVatersein\u2018 lautet der Titel des dritten Buchs von Tillmann Pr\u00fcfer, dessen Kolumne \u201aPr\u00fcfers T\u00f6chter\u2018 seit vier Jahren w\u00f6chentlich im ZEITmagazin zu lesen ist. Im Untertitel hei\u00dft es dann appellativ \u201aWarum wir mehr denn je neue V\u00e4ter brauchen\u2018. Also noch ein weiteres Buch, dass V\u00e4tern den Widerspruch zwischen Wollen und Handeln aufzeigt? 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