{"id":10411,"date":"2022-10-13T10:31:46","date_gmt":"2022-10-13T08:31:46","guid":{"rendered":"http:\/\/vaeter-und-karriere.de\/blog\/?p=10411"},"modified":"2022-10-13T10:33:07","modified_gmt":"2022-10-13T08:33:07","slug":"vaeter-im-system-geburtshilfe-gedanken-zu-einer-neuen-einordnung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/vaeter-und-karriere.de\/blog\/index.php\/2022\/10\/13\/vaeter-im-system-geburtshilfe-gedanken-zu-einer-neuen-einordnung\/","title":{"rendered":"V\u00e4ter im System Geburtshilfe \u2013 Gedanken zu einer neuen Einordnung"},"content":{"rendered":"\n<p>Vater werden und sein ver\u00e4ndert alles. Diese an sich\ntriviale Aussage verweist auf die Gro\u00dfartigkeit des Ereignisses einer Geburt\nund die Komplexit\u00e4t der Wirkungen, die sie ausl\u00f6st. Sie zeigt aber auch auf die\nF\u00fclle der M\u00f6glichkeiten auf, die Hebammen und andere haben, werdende V\u00e4ter und\nM\u00fctter auf diesem Weg zu begleiten und sie auf das dieses Ereignis und die\nfolgenden Jahrzehnte vorzubereiten. Mehr als 90 Prozent der werdenden V\u00e4ter\nsind bei der Geburt ihres Kindes dabei und eine gute Vorbereitung wirkt sich\nnicht nur auf den Geburtsverlauf positiv aus.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image is-resized\"><img loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/vaeter-und-karriere.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/10\/christian-bowen-I0ItPtIsVEE-unsplash-1024x678.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-10412\" width=\"623\" height=\"412\" srcset=\"https:\/\/vaeter-und-karriere.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/10\/christian-bowen-I0ItPtIsVEE-unsplash-1024x678.jpg 1024w, https:\/\/vaeter-und-karriere.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/10\/christian-bowen-I0ItPtIsVEE-unsplash-300x199.jpg 300w, https:\/\/vaeter-und-karriere.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/10\/christian-bowen-I0ItPtIsVEE-unsplash-768x509.jpg 768w\" sizes=\"(max-width: 623px) 100vw, 623px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p>Wenn M\u00e4nner V\u00e4ter werden, wollen sie nicht nur beruflich\nweiterhin erfolgreich, sondern gleicherma\u00dfen auch gute V\u00e4ter sein. Das bedeutet\nin erster Linie, Zeit haben, f\u00fcr die Kinder da zu sein, pr\u00e4sent zu sein, ihre\nEntwicklung zu begleiten und zu f\u00f6rdern, ihnen die besten M\u00f6glichkeiten f\u00fcr\neinen guten Schulabschluss zu verschaffen sowie m\u00f6glichst viele Risiken des\nAlltags von ihnen fernzuhalten. Also ein durch und durch f\u00fcrsorglicher Vater zu\nsein.<\/p>\n\n\n\n<p>Im Hinblick auf die Partnerschaft und die Partnerin steht\nder Anspruch, sich anfallende Aufgaben partnerschaftlich aufzuteilen und nicht\nin traditionelle Rollenmuster zur\u00fcckzufallen, im Raum. Eltern werden, Partner\nbleiben. Die gro\u00dfe Herausforderung bei der Umsetzung dieser Anspr\u00fcche ist, dass\nV\u00e4ter (und M\u00fctter) kaum auf erprobte Muster und Rollenmodelle zur\u00fcckgreifen\nk\u00f6nnen und sich einen eigenen Weg suchen m\u00fcssen. Es ist zwar inzwischen viel zu\ndiesem Thema geschrieben worden, aber verwirklichen m\u00fcssen Mann und Frau ihren\nTraum von einer partnerschaftlichen Aufgabenteilung, einer geteilten\nVerantwortung f\u00fcr die Kinder und gen\u00fcgend Gelegenheiten f\u00fcr die Pflege der\nPaarbeziehung schon selber.<\/p>\n\n\n\n<p>Erfahrungen und Studienergebnisse (BMFSFJ, 2011) zeigen,\ndass die gew\u00e4hlten Lebensmodelle vielfach nicht Ergebnis zielgerichteter\nAushandlungsprozesse sind, sondern Paare vor dem Hintergrund vermeintlich\nrationaler Gr\u00fcnde nach der Geburt dort \u201ahineingeschliddert\u2018 sind und V\u00e4ter sich\nmehr oder weniger freiwillig auf die traditionelle Rolle des Ern\u00e4hrers und\nAssistenten in der Familie einlassen. <\/p>\n\n\n\n<p>Was V\u00e4ter brauchen, sind passende Erwartungshaltungen,\nRahmenbedingungen und Wertsch\u00e4tzungsstrukturen. Es kommt vor allem darauf an,\ndass es v\u00f6llig normal sein wird, beruflichen Erfolg und f\u00fcrsorgliches Verhalten\nin Familie und anderswo nicht mehr als Gegens\u00e4tze zu denken, sondern als\ngegenseitige Erg\u00e4nzung und Bereicherung.<\/p>\n\n\n\n<p>In dem Zeitraum zwischen der Entscheidung Vater und Mutter\nwerden zu wollen und der Geburt, der in den meisten F\u00e4llen l\u00e4nger als die 280\nTage der Schwangerschaft umfasst, werden nicht nur Pl\u00e4ne geschmiedet und das\n\u201aNest\u2018 hergerichtet, sondern die Weichen daf\u00fcr gestellt, ob die Vorstellungen\nsich Erwerbs- und Familienarbeit partnerschaftlich aufzuteilen gelingen k\u00f6nnen oder\nnicht.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Auf die Vorbereitung kommt es an<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Auf der Grundlage internationaler Forschungsergebnisse, die\ndie Zusammenh\u00e4nge zwischen dem Verhalten, den Erfahrungen, Einstellungen und\nMerkmalen von werdenden und neuen V\u00e4tern und der Gesundheit und Wohlbefinden\nvon Mutter und Kind aufzeigen, hat die Weltgesundheits-organisation (WHO) eine\nder zehn Empfehlungen zu Ma\u00dfnahmen der Gesundheitsf\u00f6rderung von M\u00fcttern und\nNeugeborenen zur Einbeziehung von V\u00e4tern formuliert.<\/p>\n\n\n\n<p>Die WHO empfiehlt, die Beteiligung von M\u00e4nnern w\u00e4hrend der Schwangerschaft, der Geburt und nach der Geburt zu f\u00f6rdern, um die Selbstsorge von Frauen und die h\u00e4uslichen Pflegepraktiken f\u00fcr Frauen und Neugeborene zu verbessern, den Einsatz qualifizierter Vorsorge f\u00fcr Frauen und Neugeborene w\u00e4hrend der Schwangerschaft, der Entbindung sowie in der postnatalen Periode zu erleichtern, und die Einrichtung f\u00fcr Geburtshilfe rechtzeitig zu nutzen falls es Komplikationen bei den Neugeborenen gibt. <\/p>\n\n\n\n<p>Neben dieser auf die\nGesundheit von Mutter und Kind bezogenen Perspektive, die f\u00fcr sich genommen\nschon Grund genug ist, V\u00e4ter w\u00e4hrend der Schwangerschaft, bei der\nGeburtsvorbereitung, der Geburt und der Zeit danach aktiv einzubeziehen, gibt\nes weitere, ebenfalls wissenschaftlich gut belegte Gr\u00fcnde, dies zu tun. <\/p>\n\n\n\n<p>Die Gesundheit der\nV\u00e4ter und ihre Beziehung zu dem ungeborenen Kind haben einen gro\u00dfen Einfluss\ndarauf, in welchem Ma\u00dfe sie sich an der Erziehung des Kindes beteiligen und\nRessourcen f\u00fcr seine gelingende Entwicklung zur Verf\u00fcgung stellen. <\/p>\n\n\n\n<p>In dem 2016 auf 136\nSeiten ausformuliertem \u201aNationalen Gesundheitsziel Gesunde Geburt\u2018 wird die\nEinbeziehung von V\u00e4tern an verschiedenen Stellen erw\u00e4hnt. Unter anderem hei\u00dft\nes dort \u201aV\u00e4ter bzw. Partnerinnen und Partner sollen dazu ermutigt werden, sich\nvon Anfang an in der Babyversorgung zu engagieren und einen eigenen positiven\nStil im Umgang mit dem Neugeborenen zu finden\u2018.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Anspr\u00fcche und\nWirklichkeiten<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Obwohl also Alles\ndaf\u00fcrspricht, (werdende) V\u00e4ter rechtzeitig einzubeziehen und als aktive\nSubjekte im Geburtsgeschehen zu betrachten, werden sie hierzulande h\u00e4ufig immer\nnoch als \u201aBeifahrer\u2018 (BZgA 2011) betrachtet. In Gro\u00dfbritannien, wo bereits 2006\nim Nationalen Gesundheitssystem ein Paradigmenwechsel zugunsten der\nEinbeziehung von V\u00e4tern stattgefunden hat, zeigen gerade ver\u00f6ffentlichte\nBefragungsergebnisse, dass dieser empfohlene Wandel auch dort noch l\u00e4ngst nicht\n\u00fcberall praktiziert wird. (Thorpe, 2018)<\/p>\n\n\n\n<ul><li>92% der V\u00e4ter nehmen an den Vorsorgeuntersuchungen teil,\n     aber 61% berichten, dass ihre Rolle als Vater zu keinem Zeitpunkt\n     angesprochen worden ist <\/li><li>V\u00e4ter haben keinen formalen Status bei der\n     Geburtsvorbereitung, selbst ihr Name wird nicht erfasst. Lediglich 16 %\n     der V\u00e4ter werden w\u00e4hrend der Geburt nach ihrem Befinden gefragt. <\/li><li>Wenn \u201aV\u00e4ter\u2018 und \u201aM\u00fctter\u2018 statt \u201aEltern\u2018 adressiert werden\n     und deutlich gemacht wird, dass beide gefragt sind, steigt die Beteiligung\n     von V\u00e4tern bei der Nachsorge von ca. 20% auf bis zu 70% <\/li><\/ul>\n\n\n\n<p><strong>Ein Blick hinter die Kulissen<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Zu der Thematik liegen vor allem Praxis- und\nForschungsberichte aus dem angels\u00e4chsischen Raum vor. Auf der Website <a href=\"http:\/\/www.familyincluded.com\">www.familyincluded.com<\/a> werden diese seit 2015 systematisch\nausgewertet, thematisch gelistet und zur Verf\u00fcgung gestellt. Das Projekt ist\nnach der Erkl\u00e4rung der Weltgesundheitsorganisation im Jahr 2013, in der erkl\u00e4rt\nwurde, dass die Zusammenarbeit mit den V\u00e4tern eine globale Priorit\u00e4t f\u00fcr die\nGesundheitsversorgung von M\u00fcttern haben sollte, und vor dem Hintergrund, dass\nes weder Pl\u00e4ne noch Ressourcen gab, um dies umzusetzen, entstanden. Als\nHaupthindernisse f\u00fcr die tats\u00e4chliche Einbeziehung von V\u00e4tern werden dort\nfolgende Punkte identifiziert: <\/p>\n\n\n\n<p>Das erste Problem ist die Professionalisierung und die\nPerspektive auf die Gesundheit von M\u00fcttern und Neugeborenen. H\u00e4ufig wird diese\nGesundheitsversorgung als eine Angelegenheit betrachtet, die sich nur zwischen\ndem Gesundheitspersonal und der \u201ePatientin&#8220;, in diesem Fall der\nSchwangeren abspielt. <\/p>\n\n\n\n<p>Das zweite Problem ist die Sorge um die Gleichberechtigung\nder Geschlechter. Fast alle Familien umfassen M\u00e4nner, und sie haben oft mehr\nvor allem finanzielle Ressourcen. Wenn man sie in die Pflege einbezieht, so\nwird bef\u00fcrchtet, k\u00f6nnte dies dazu f\u00fchren, dass die Autonomie der Frauen\neingeschr\u00e4nkt wird und die geschlechtsspezifischen Unterschiede in den Familien\nnicht in Frage gestellt werden. Diese Aussage spiegelt die Tatsache wider, dass\nzahlreiche Forschungsprojekte in L\u00e4ndern mit noch ausgepr\u00e4gteren patriarchalen\nStrukturen durchgef\u00fchrt werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Hierzulande geht es vor allem darum, V\u00e4ter f\u00fcr eine\nBeteiligung in Familie und an den in der Familie zu erledigenden Arbeiten zu\ngewinnen und zwar von Anfang an. F\u00fcr den deutschsprachigen Raum liegen zwei\nUntersuchungen vor, die die von \u201aFamily Included\u2018 identifizierten Hindernisse\nbest\u00e4tigen. <\/p>\n\n\n\n<p>Marion M\u00fcller und Nicole Zilien (2016) verifizieren in ihrem\nForschungsprojekt die Ausgangsthese, \u201edass die heutigen\nGeburtsvorbereitungskurse durch ihre Ausgestaltung Geschlechterdifferenzen\nhervorheben, diese weiterhin mit geschlechterdifferenzierenden Zuschreibungen\nh\u00e4uslicher Arbeit koppeln und durch eine wissenschaftlich gest\u00fctzte\nNaturalisierung legitimieren. Geburtsvorbereitungskurse bahnen demnach bereits\nin der pr\u00e4natalen Phase eine geschlechterdifferenzierende Arbeitsteilung an und\nlassen sich deshalb als Institutionen der Retraditionalisierung\ninterpretieren.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Lisa Maria Gro\u00df (2017) kommt in ihrer Arbeit \u201aV\u00e4ter als\nAdressaten in Fr\u00fchen Hilfen? \u00dcber die Konstruktion von V\u00e4terlichkeit im\nprofessionellen Handeln von Familienhebammen\u2018 zu dem Ergebnis, \u201eIn Interviews mit Familienhebammen und ethnographischen\nBeobachtungsprotokollen von Hausbesuchen zeigt sich allerdings eine M\u00fctterorientierung\nim professionellen Handeln von Familienhebammen, die zu einer sekund\u00e4ren\nAdressierung der V\u00e4ter hinsichtlich innerfamilialer Sorget\u00e4tigkeiten bis hin\nzur Exklusion v\u00e4terlicher F\u00fcrsorge aus dem Binnenraum der Familie\nf\u00fchrt.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Die Vorbereitung des geburtshilflichen Teams auf die\nV\u00e4ter<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Wie V\u00e4ter auf die Geburt vorbereitet werden k\u00f6nnen und\nwelche Rolle die verschiedenen Professionen dabei spielen, hat schon 2014 das,\nin einer von der Bundeszentrale f\u00fcr gesundheitliche ver\u00f6ffentlichten Brosch\u00fcre,\nErgebnis einer multiprofessionellen Arbeitsgruppe deutlich gemacht. (BZgA 2014)<\/p>\n\n\n\n<p>Ein entscheidender Faktor dabei ist die Haltung gegen\u00fcber\nder Rolle sowie der aktiven Einbeziehung von V\u00e4tern. Ihre gute Vorbereitung auf\ndie Geburt kommt auch der werdenden Mutter zugute. Studien zeigen, dass V\u00e4ter,\ndie ihre Rolle w\u00e4hrend der Geburt kennen und verstehen, was dort geschieht,\nselbst besser vor \u00fcberm\u00e4\u00dfigem Stress gesch\u00fctzt sind und seltener Gefahr laufen,\nden Ablauf der Geburt negativ zu beeinflussen. Das gilt insbesondere in den\nMomenten, in dem es mal nicht \u201enach Plan l\u00e4uft\u201c, was aber auch v\u00f6llig normal\nist. (Sch\u00e4fer, Abu Dakn 2008)<\/p>\n\n\n\n<p>Die Rolle, die sie w\u00e4hrend der Geburt wahrnehmen k\u00f6nnen, f\u00fcr\nihre Partnerin da zu sein, den neuen Lebensabschnitt gemeinsam zu beginnen und\nvon Anfang an als Vater pr\u00e4sent zu sein. Dabei erleben sie sich vielfach in\neiner v\u00f6llig ungewohnten Situation: Sie haben keine Kontrolle \u00fcber das\nGeschehen und die M\u00e4chtigkeit der Gef\u00fchle f\u00fchrt sie vielfach nicht nur\nemotional an ihre Grenzen, sondern manchmal sogar dar\u00fcber hinaus. Das Vertrauen\nin die Kompetenzen des geburtshilflichen Teams und ihr Wissen um die\nnat\u00fcrlichen Abl\u00e4ufe sind in diesen Momenten gute St\u00fctzen. <\/p>\n\n\n\n<p>Dieses Vertrauen kann im Vorfeld der Geburt durch\nverschiedene Angebote zur Geburtsvorbereitung in den Geburtskliniken und den\nKursen der Hebammen bzw. der Familienbildung gebildet werden. Dabei geht es\nverst\u00e4ndlicherweise vorrangig um die biologischen Abl\u00e4ufe der Geburt und die\nVorbereitung der M\u00fctter darauf, um ihre Bed\u00fcrfnisse, \u00c4ngste und Sorgen.<\/p>\n\n\n\n<p>Dar\u00fcber hinaus sind aber zwei weitere Ebenen der\nVorbereitung auf die Geburt und vor allem die Zeit danach f\u00fcr V\u00e4ter von gro\u00dfer\nBedeutung. Die gemeinsamen Planungen der werdenden Eltern f\u00fcr die Zeit zu Dritt\nund der Austausch des werdenden Vaters mit anderen M\u00e4nnern.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Einbeziehung von V\u00e4tern nutzt partnerschaftlicher\nAufgabenteilung<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Die Entscheidung Eltern werden zu wollen, ist heute eine\nbewusste, auch wenn eine exakte Planung nicht garantiert ist. Im Rahmen dieses\nProzesses k\u00f6nnen Fragen der beruflichen Weiterentwicklung, der famili\u00e4ren\nArbeitsteilung und auch die Vorstellungen zu den Rollen als Mutter und Vater sowie\ndie Erfahrungen und Pr\u00e4gungen in der eigenen Herkunftsfamilie thematisiert\nwerden. In ihrem Papa Handbuch beschreiben die Autoren eine F\u00fclle von\npraktischen M\u00f6glichkeiten dazu. (Richter, Sch\u00e4fer 2020)<\/p>\n\n\n\n<p>Dar\u00fcber hinaus gibt es eine F\u00fclle an \u201aV\u00e4terthemen und fragen\u2018,\ndie am besten bearbeitet werden k\u00f6nnen, wenn V\u00e4ter unter sich sind und diese\nPhase auch von einem erfahrenen Mann und Vater betreut wird:<\/p>\n\n\n\n<ul><li>Welche W\u00fcnsche und Bef\u00fcrchtungen habe ich f\u00fcr\ndie Geburt?<\/li><li>Will ich bei der Geburt dabei sein? Was will ich\nsehen, was nicht?<\/li><li>Was ist mir wichtig f\u00fcr die erste Zeit zuhause?<\/li><li>Welche Bedeutung habe ich als Vater f\u00fcr die\nEntwicklung des Kindes?<\/li><li>Wie kann ich meine Vaterkompetenzen entfalten?<\/li><li>Wie entwickelt sich das Verh\u00e4ltnis zu meiner\nPartnerin, wenn sie auch Mutter ist?<\/li><li>Was ist mit dem Sex in der Schwangerschaft und\nnach der Geburt?<\/li><li>Wie kann es gelingen, dass wir auch als Vater\nund Mutter die Verantwortung f\u00fcr finanzielle Versorgung der Familie und die\ndort anfallenden Care-Aufgaben partnerschaftlich aufteilen? <\/li><\/ul>\n\n\n\n<p>Die M\u00f6glichkeit, sich mit anderen V\u00e4tern dar\u00fcber auszutauschen,\nhaben einen bedeutenden Einfluss auf das sp\u00e4tere Geburtsgeschehen. Derart\nvorbereitet k\u00f6nnen V\u00e4ter vom geburtshilflichen Team als unmittelbar Beteiligte\ndes Geschehens wahrgenommen und als Personen mit eigenen Bed\u00fcrfnissen und\neigenem Erleben angesprochen und einbezogen werden. <\/p>\n\n\n\n<p>Diese \u201eM\u00e4nnerrunden\u201c sind teilweise schon Praxis bei der\nGeburtsvorbereitung. Dar\u00fcber hinaus gibt es an wenigen Orten spezielle Angebote\nf\u00fcr werdende V\u00e4ter. (Mens Health 2016)<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Ergebnisse eines Praxisprojekts in NRW<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Ein vom Familienministerium in NRW gef\u00f6rdertes Praxisprojekt\nbesch\u00e4ftigte sich mit der Fragestellung, wie die Einbeziehung von V\u00e4tern im\nRahmen der Geburtsvorbereitung durch Hebammen gef\u00f6rdert werden kann. Im Zentrum\nstanden dabei die Entwicklung und Erprobung eines Fortbildungs-Curriculums.\n(Nelles 2020)<\/p>\n\n\n\n<p>Die Annahme, V\u00e4ter und M\u00fctter im Kontext der\nGeburtsvorbereitung durch Hebammen anzusprechen und dort das Anliegen\n\u201apartnerschaftliche Aufgabenteilung\u2018 zu thematisieren hat sich best\u00e4tigt, da in\ndiesem Zeitraum entscheidende Weichenstellungen vorgenommen werden und mehr als\n90 % der V\u00e4ter an der Geburt und, zumindest beim ersten Kind, auch an\nangebotenen Kursen zur Vorbereitung teilnehmen. <\/p>\n\n\n\n<p>Auf der Basis freiwilliger Fortbildungen f\u00fcr Hebammen l\u00e4sst\nsich das Ziel, partnerschaftliche Aufgabenteilung im Rahmen der\nGeburtsvorbereitung zu thematisieren jedoch nicht erreichen. Das liegt zum\neinen, an der von der, an den unterschiedlichsten Stellen beschriebenen Haltung\nder Hebammen, Frauen und M\u00e4nnern traditionelle Rollen zuweisen und selbst wenn\nsie Angebote f\u00fcr V\u00e4ter machen, diesen Unterst\u00fctzungs- und Assistentenaufgaben\nzuweisen.<\/p>\n\n\n\n<p>Auf der anderen Seite sind es strukturelle Rahmenbedingungen\nwie Personalschl\u00fcssel in Kliniken und der Blick der dort arbeitenden Gyn\u00e4kologen\nauf die Hebammen sowie die schlechte Bezahlung von letzteren. Dazu kommt die\nAkademisierung der Hebammenausbildung und die Umsetzung der entsprechenden\nVerordnungen und die Sicherstellung der praktischen Ausbildungsanteile auf den\n\u201aletzten Dr\u00fccker\u2018.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Neuaufstellung der Hebammenausbildung bietet, zumindest\ntheoretisch, die Chance, die Themen \u201aBedeutung von V\u00e4tern\u2018 und \u201aAufstellung der\nAkteure im System Familie\u2018 in den neuen Curricula zu verankern zumal es in der\nAnlage 1 der \u201aStudien- und Pr\u00fcfungsverordnung f\u00fcr Hebammen des\nBundesministeriums f\u00fcr Gesundheit\u2018, in der die Kompetenzen von Hebammen\naufgef\u00fchrt sind, ausdr\u00fccklich hei\u00dft: [ sie] \u201averf\u00fcgen \u00fcber Kenntnisse \u2026&nbsp; \u00fcber Prozesse der Familiengr\u00fcndung und bereiten\ndie schwangere Frau und ihre Familie ihrer individuellen Lebenssituation\nentsprechend auf die Geburt, das Wochenbett und die Elternschaft vor \u2026\u2018 (BMG\n2019)<\/p>\n\n\n\n<p>Um die Chance, die Themen im Rahmen der zu erarbeitenden\nneuen Ausbildungsordnungen breiter zu verankern, wird es aber notwendig sein,\nmit Unterst\u00fctzung bereits im System t\u00e4tigen Akteur*innen, Professor*innen mit\nausgewiesener V\u00e4terexpertise und Praktikern der V\u00e4terbildung zun\u00e4chst eine\nExpertise und darauf aufbauend Bausteine f\u00fcr die universit\u00e4ren Lehrpl\u00e4ne zu\nentwickeln.<\/p>\n\n\n\n<p>Ein anderer Ansatzpunkt die Themen in bestehenden\nGeburtsvorbereitungskursen zu verankern sind die Qualit\u00e4tsstandards. Die Kurse\nwerden, zumindest f\u00fcr die Frauen, von den gesetzlichen Krankenkassen\nfinanziert. Jede Hebamme, die derartige Kurse anbietet kann sie \u00fcber die\nKrankenkassen abrechnen. Diese k\u00f6nnten also mit entsprechenden Standards auch\nEinfluss auf die Inhalte aus\u00fcben<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Fazit<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Als Vision und Wunsch abschlie\u00dfend formuliert: um werdenden\nund gewordenen V\u00e4tern und M\u00fcttern die Verwirklichung ihres Wunsches nach einer\ngleichberechtigten Aufgabenteilung zu erm\u00f6glichen braucht es, neben den\n\u00e4u\u00dferen, passenden Rahmenbedingungen, ein Angebot sich vor und nach der Geburt\nmit den oben genannten Themen auseinanderzusetzen. Und zwar an den Orten und zu\nden Anl\u00e4ssen, die V\u00e4ter und M\u00fctter sowieso gemeinsam oder getrennt aufsuchen\nund nutzen. Die Geburtsvorbereitung geh\u00f6rt in jedem Fall dazu. Es braucht aber\nneben den Hebammen weitere (m\u00e4nnliche) Akteure und Angebote f\u00fcr V\u00e4ter, vor\nallem f\u00fcr die Zeit nach der Geburt.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Literatur<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Institut f\u00fcr Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (2014).\n\u201eArbeitszeit: W\u00fcnsche nach Verk\u00fcrzung und Verl\u00e4ngerung halten sich weitgehend\ndie Waage\u201c<a href=\"%20http:\/www.iab.de\/de\/informationsservice\/presse\/presseinformationen\/azw.aspx\"> http:\/\/www.iab.de\/de\/informationsservice\/presse\/presseinformationen\/azw.aspx<\/a>\n(11. Mai 2021).<\/p>\n\n\n\n<p>Beck, Ulrich (1986). <em>Risikogesellschaft.\nAuf dem Weg in eine andere Moderne<\/em>. Frankfurt am Main: S.169.<\/p>\n\n\n\n<p>BMFSFJ (2011) <a href=\"https:\/\/www.bmfsfj.de\/bmfsfj\/service\/publikationen\/vaeter-und-der-wiedereinstieg-der-partnerin-82110%20\">https:\/\/www.bmfsfj.de\/bmfsfj\/service\/publikationen\/vaeter-und-der-wiedereinstieg-der-partnerin-82110 <\/a>(11.\nMai 2021)<\/p>\n\n\n\n<p>BMG (2019) Studien- und Pr\u00fcfungsverordnung f\u00fcr Hebammen <a href=\"https:\/\/www.bundesgesundheitsministerium.de\/fileadmin\/Dateien\/3_Downloads\/Gesetze_und_Verordnungen\/GuV\/H\/RefE_Studien-_und_Pruefungsverordnung_fuer_Hebammen.pdf\">https:\/\/www.bundesgesundheitsministerium.de\/fileadmin\/Dateien\/3_Downloads\/Gesetze_und_Verordnungen\/GuV\/H\/RefE_Studien-_und_Pruefungsverordnung_fuer_Hebammen.pdf<\/a>\n(11.Mai 2021)<\/p>\n\n\n\n<p>Bundeszentrale f\u00fcr gesundheitliche Aufkl\u00e4rung (BZgA) (2011)\nBeifahrer, Kleiner Tourenplaner f\u00fcr werdende V\u00e4ter<\/p>\n\n\n\n<p>BZgA (2014) V\u00e4ter auf die Geburt vorbereiten, Informationen\nund praktische Tipps f\u00fcr Fachkr\u00e4fte <a href=\"https:\/\/publikationen.sexualaufklaerung.de\/themen\/geburt\/vaeter-auf-die-geburt-vorbereiten\/\">https:\/\/publikationen.sexualaufklaerung.de\/themen\/geburt\/vaeter-auf-die-geburt-vorbereiten\/<\/a>\n(11. Mai 2021)<\/p>\n\n\n\n<p>Family\nIncluded (2018) <a href=\"https:\/\/familyincluded.com\/fatherhood-researchers-respond-who-unicef-early-childhood-development\/\">https:\/\/familyincluded.com\/fatherhood-researchers-respond-who-unicef-early-childhood-development\/<\/a> (11. Mai 2021)<\/p>\n\n\n\n<p>Fisher,\nDuncan (2010) Baby\u2019s here! Who does what? How to split the work without\nsplitting up<\/p>\n\n\n\n<p>Gro\u00df, Lisa Maria (2017) V\u00e4ter als Adressaten in Fr\u00fchen\nHilfen? <a href=\"https:\/\/www.budrich-journals.de\/index.php\/diskurs\/article\/view\/28992\/25248\">https:\/\/www.budrich-journals.de\/index.php\/diskurs\/article\/view\/28992\/25248<\/a>\n(11. Mai 2021)<\/p>\n\n\n\n<p>Mens Health (2016) Das bringen Geburtsvorbereitungskurse f\u00fcr\nM\u00e4nner <a href=\"https:\/\/www.menshealth.de\/dad\/partner-family\/das-bringen-geburtsvorbereitungskurse-fuer-maenner\/\">https:\/\/www.menshealth.de\/dad\/partner-family\/das-bringen-geburtsvorbereitungskurse-fuer-maenner\/<\/a>\n(11. Mai 2021)<\/p>\n\n\n\n<p>M\u00fcller, Marion; Zillien, Nicole (2016) Das R\u00e4tsel der\nRetraditionalisierung <a href=\"https:\/\/www.akf-bonn.de\/files\/mueller__marion___zilien__nicole_das_raetsel_der_retraditionalisierung_____zur_verweiblichung_von_elternschaft_in_geburtsvorbereitungskursen._in_kzfss__jahrgang_68__heft_3__2016___s._409-433.pdf\">https:\/\/www.akf-bonn.de\/files\/mueller__marion___zilien__nicole_das_raetsel_der_retraditionalisierung_____zur_verweiblichung_von_elternschaft_in_geburtsvorbereitungskursen._in_kzfss__jahrgang_68__heft_3__2016___s._409-433.pdf<\/a>\n(11. Mai 2021)<\/p>\n\n\n\n<p>Nelles, Hans-Georg (2020) Sachbericht \u201aBedeutung von V\u00e4tern\nim Geburtsprozess \u2013 Ein Fortbildungs\u00adkonzept f\u00fcr Hebammen\u2018 unver\u00f6ffentlichtes\nManuskript<\/p>\n\n\n\n<p>Richter, Robert; Sch\u00e4fer, Eberhard (2020) Das Papa Handbuch,\nAlles, was Sie wissen m\u00fcssen zu Schwangerschaft, Geburt und dem ersten Jahr mit\nBaby<\/p>\n\n\n\n<p>Sch\u00e4fer, Eberhard; Abou-Dakn, Michael; W\u00f6ckel, Achim (2008)\nVater werden ist nicht schwer? Zur neuen Rolle des Vaters rund um die Geburt<\/p>\n\n\n\n<p>Schopp, Johannes (2019) Eltern st\u00e4rken, Die Dialogische Haltung\nin Seminar und Beratung<\/p>\n\n\n\n<p>Thorpe, Nick (2018) <a href=\"https:\/\/www.fathersnetwork.org.uk\/maternity_services_results_news\">https:\/\/www.fathersnetwork.org.uk\/maternity_services_results_news<\/a> (11. Mai 2021)<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/www.lag-vaeterarbeit.nrw\/2022\/10\/13\/vaeter-im-system-geburtshilfe-gedanken-zu-einer-neuen-einordnung\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\" aria-label=\"Quelle (\u00f6ffnet in neuem Tab)\">Quelle<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Vater werden und sein ver\u00e4ndert alles. Diese an sich triviale Aussage verweist auf die Gro\u00dfartigkeit des Ereignisses einer Geburt und die Komplexit\u00e4t der Wirkungen, die sie ausl\u00f6st. 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