{"id":10303,"date":"2022-03-18T14:37:57","date_gmt":"2022-03-18T13:37:57","guid":{"rendered":"http:\/\/vaeter-und-karriere.de\/blog\/?p=10303"},"modified":"2022-03-21T14:40:36","modified_gmt":"2022-03-21T13:40:36","slug":"niemand-wird-auf-dem-sterbebett-bereuen-zu-wenig-gearbeitet-zu-haben","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/vaeter-und-karriere.de\/blog\/index.php\/2022\/03\/18\/niemand-wird-auf-dem-sterbebett-bereuen-zu-wenig-gearbeitet-zu-haben\/","title":{"rendered":"Niemand wird auf dem Sterbebett bereuen, zu wenig gearbeitet zu haben"},"content":{"rendered":"\n<p>Interview mit Fabian Soethof, Autor des Buchs \u201aV\u00e4ter k\u00f6nnen das auch!<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Der Titel deines am 21. M\u00e4rz erscheinenden Buches lautet \n\u201aV\u00e4ter k\u00f6nnen das auch!\u2018 Was k\u00f6nnen V\u00e4ter und was k\u00f6nnen sie unter \nwelchen Umst\u00e4nden lernen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Au\u00dfer mit der Brust zu stillen und Babys zu geb\u00e4ren \u2013 wobei auch das \nnur auf biologische M\u00e4nner zutrifft \u2013 k\u00f6nnen sie alles, was Frauen auch \nk\u00f6nnen und sich schon viel zu lange viel zu oft allein darum k\u00fcmmern: \nCare-Arbeit, Mental-Load-\u00dcbernahme, in Elternzeit und Teilzeit gehen, \nKarriere-\u201eR\u00fcckschritte\u201c in Kauf nehmen, anwesend, aktiv und eine echte \nBezugsperson sein. Viele glauben nur, es nicht zu k\u00f6nnen oder zu d\u00fcrfen.\n Weil ihnen in ihrer Sozialisation seit Jahrzehnten nichts anderes \nerz\u00e4hlt wird. Und weil sie oft nicht gelassen werden: von der \nGesellschaft, der Wirtschaft, der Politik \u2013 und von sich selbst.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>\u201aEs ist Zeit, Familie endlich gleichberechtigt zu leben\u2018 \nsteht ebenfalls auf der Titelseite. In der Ausgangslage schreibst du \ndazu: \u201aich m\u00f6chte mit dem Buch ein Pl\u00e4doyer f\u00fcr eine \u201aprivate, \ngesellschaftliche und politische Ver\u00e4nderung von Familie, Arbeit, \nVereinbarkeit und Rollenbildern\u2018 bieten\u2018. Was sind die drei wichtigsten \nPunkte deines Pl\u00e4doyers und vor allem, wie sieht der Weg der Ver\u00e4nderung\n aus?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Die drei wichtigsten Punkte auf dem Weg hin zu mehr Gleichberechtigung lauten vielleicht:<\/p>\n\n\n\n<ol><li>Privilegien, patriarchale Strukturen, Rollenbilder und \nUngerechtigkeiten erkennen: Nur wer wei\u00df, wie vergleichsweise gut er \noder sie es hat, kann daf\u00fcr sorgen, dass es anderen auch mal besser \ngeht.<\/li><li>Es gibt kein Wissens-, sondern ein Handlungsdefizit: Fast alles, was\n in meinem Buch steht, ist seit Jahren bekannt. Theoretisch steht \nGleichberechtigung also nichts mehr im Wege \u2013 praktisch unter anderem \ndas, was ich auf die erste Frage hin antwortete.<\/li><li>Das Private ist politisch (und umgekehrt): Nur wer \nGleichberechtigung selbstverst\u00e4ndlich in der Familie und von dort hinaus\n vorlebt, kann zu einem Rollenwandel beitragen. Und nur, wer von Politik\n und Wirtschaft dabei hinreichend unterst\u00fctzt wird, kann sein \nPrivatleben \u00e4ndern.<\/li><\/ol>\n\n\n\n<p><strong>In dem Buch sprichst du auch eine Einladung an V\u00e4ter aus, ihr\n Verhalten und ihre Haltungen zu reflektieren. Was macht es f\u00fcr V\u00e4ter \nattraktiv, sich weniger der Erwerbs- und mehr der Carearbeit zuzuwenden?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Zuallererst ist es der Satz: Niemand wird auf dem Sterbebett bereuen,\n zu wenig gearbeitet und seine Kinder nur am Wochenende gesehen zu \nhaben. Das sage ich wohlwissend, dass gerade geringverdienende \nEinverdienerhaushalte oft auf jeden Cent angewiesen sind. Eine gute \nBindung zu seinen Kindern erscheint mir aber nicht nur f\u00fcr V\u00e4ter \nattraktiv. Kinder profitieren von mehreren engen und wichtigen \nBezugspersonen und \u201emodernen\u201c Vorbildern. Und die Gesellschaft \nprofitiert von einem Rollenwandel: Frauen landen als (potentielle) \nM\u00fctter nicht l\u00e4nger auf dem beruflichen Abstellgleis. V\u00e4ter tragen den \nFinancial Load nicht l\u00e4nger allein. Und die n\u00e4chste Generation lernt, \ndass auch M\u00e4nner den Haushalt schmei\u00dfen und Frauen jeden Job machen \nk\u00f6nnen, den sie wollen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>In dem Buch kommen eine Reihe V\u00e4terexpert*innen und \nFeminist*innen zu Wort. Ein Paradigma aus der feministischen Sph\u00e4re \nlautet \u201aDon\u2019t fix the women \u2013 fix the system\u2018. Auf die V\u00e4ter bezogen \nlautet die Frage also: Welche strukturellen Rahmenbedingungen im \n\u201aSystem\u2018 m\u00fcssen thematisiert und ggf. ver\u00e4ndert werden?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Sprechen wir von Arbeitnehmer*innen, so m\u00fcssen M\u00e4nner eher gestern \nals morgen f\u00fcr Arbeitgeber*innen das gleiche \u201eRisiko\u201c&nbsp;darstellen, wegen \nbevorstehendem Nachwuchs l\u00e4nger als nur zwei Wochen auszufallen. Damit \nFrauen zumindest auf dem Arbeitsmarkt nicht l\u00e4nger derart benachteiligt \nwerden. Wir kommen u.a. durch l\u00e4ngere Elternzeiten bei V\u00e4tern, mehr \nM\u00e4nner in Teilzeit und notfalls finanzielle Anreize dahin. Folgen davon \nk\u00f6nnten eine Verkleinerung des Gender Care Gaps und des Gender Pay Gaps \nsein, eine positive Kettenreaktion w\u00fcrde in Gang gesetzt. Erst dann w\u00e4re\n auch keine Quote mehr n\u00f6tig.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>In dem Interview mit Uwe von dem Software Unternehmen SAP \nsagt dieser: \u201aEs gibt die X- oder Y- Strategie. Gehe ich davon aus, dass\n alle Mitarbeiter*innen schlecht sind \u2026 oder davon, dass sie alle \neigenmotivierte Individuen sind, die ich nur bei Bedarf unterst\u00fctzen \nmuss?\u2018 K\u00f6nnte der Titel deines Buch dementsprechend auch \u201aV\u00e4ter wollen \ndas!\u2018 lauten?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Naja. Viele V\u00e4ter wollen \u201edas\u201c&nbsp;ja nicht, zumindest nicht wirklich. \nSonst w\u00fcrden nicht nur rund 30 Prozent aller V\u00e4ter Elternzeit in \nAnspruch nehmen, sondern mindestens 60 Prozent. Viele behaupten, dass \nsie wollen, aber der Chef es ihnen schwer mache und die Familie ja auch \nauf \u201esein\u201c Geld angewiesen sei, oft stecken nur eine \nAnstrengungsvermeidung oder andere Priorit\u00e4ten dahinter. Ein \nTeufelskreis: Mit den Argumenten und der Aufteilung bleiben wir als \nFamilien und als Gesellschaft in puncto Gleichberechtigung noch lange da\n stecken, wo wir jetzt stehen: auf scheinbar gutem Weg, aber noch l\u00e4ngst\n nicht so weit, wie wir sein k\u00f6nnten. Die Parit\u00e4t des neuen Kabinetts \nund der Koalitionsvertrag gehen \u00fcbrigens mit \u00fcberraschend gutem Beispiel\n voran. Darin lautet ein hehres Ziel: \u201eDie Gleichstellung von Frauen und\n M\u00e4nnern muss in diesem Jahrzehnt erreicht werden\u201c. Mark their words!<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Vielen Dank f\u00fcr deine Antworten.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Eine Rezension des Titels finden Sie <a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"https:\/\/www.lag-vaeterarbeit.nrw\/2022\/02\/18\/vaeter-koennen-das-auch\/\" target=\"_blank\">hier<\/a>.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/www.lag-vaeterarbeit.nrw\/2022\/03\/18\/niemand-wird-auf-dem-sterbebett-bereuen-zu-wenig-gearbeitet-zu-haben\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\" aria-label=\"Quelle (\u00f6ffnet in neuem Tab)\">Quelle<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Interview mit Fabian Soethof, Autor des Buchs \u201aV\u00e4ter k\u00f6nnen das auch! Der Titel deines am 21. M\u00e4rz erscheinenden Buches lautet \u201aV\u00e4ter k\u00f6nnen das auch!\u2018 Was k\u00f6nnen V\u00e4ter und was k\u00f6nnen sie unter welchen Umst\u00e4nden lernen? 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