{"id":10285,"date":"2022-02-19T18:07:12","date_gmt":"2022-02-19T17:07:12","guid":{"rendered":"http:\/\/vaeter-und-karriere.de\/blog\/?p=10285"},"modified":"2022-02-19T18:07:14","modified_gmt":"2022-02-19T17:07:14","slug":"vaeter-koennen-das-auch","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/vaeter-und-karriere.de\/blog\/index.php\/2022\/02\/19\/vaeter-koennen-das-auch\/","title":{"rendered":"V\u00e4ter k\u00f6nnen das auch!"},"content":{"rendered":"\n<p>\u2026 lautet der Titel des\nErstlingswerks von Fabian Soethof, das am 21. M\u00e4rz im K\u00f6sel Verlag erscheinen\nwird. Programmatisch hei\u00dft es im Untertitel \u201eEs ist Zeit, Familie endlich\ngleichberechtigt zu leben\u201c. Dem kann ich uneingeschr\u00e4nkt zustimmen. Gedanklich\nerg\u00e4nzt sich der Titel bei mir um das Wort \u201alernen\u2018 und beim Untertitel denke\nich daran, was meine Kollegen und ich in den vergangenen 25 Jahren bewegt und\nerreicht haben, um Rahmenbedingungen so zu beeinflussen, dass dies V\u00e4tern und\nM\u00fcttern gleicherma\u00dfen gelingt. Aber dazu sp\u00e4ter mehr. <\/p>\n\n\n\n<p>In dem umfangreichen Vorwort\nbeschreibt der Autor die Ausgangslage aus seiner Sicht und sieht seine\nGeneration als diejenige, die erstmals aus der Ern\u00e4hrerrolle ausbrechen \u201esoll\nund will\u201c. Im Gegensatz zu \u201eFr\u00fcher\u201c wo Rollen klar zugeordnet waren, wollen\nV\u00e4ter heute nicht mehr abwesend sein und M\u00fctter am Erwerbsleben teilhaben. Das\nSpannungsfeld liegt zwischen den zugeschriebenen Erwartungen und den eigenen\nW\u00fcnschen. \u201eDie Aufgaben waren klar verteilt. Frauen und M\u00e4nner taten vielleicht\nnicht das, was sie wollten. Aber das, was von ihnen erwartet wurde.\u201c Und dann\nkommt ein f\u00fcr mein Verst\u00e4ndnis des ganzen Buches entscheidender Satz: \u201eDiese\nZeiten sind leider nur teilweise vorbei.\u201c<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image is-resized\"><img loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/vaeter-und-karriere.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/Buchcover-Fabian-Soethof-Va\u0308ter-ko\u0308nnen-das-auch-quadratisch-1024x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-10286\" width=\"524\" height=\"524\" srcset=\"https:\/\/vaeter-und-karriere.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/Buchcover-Fabian-Soethof-Va\u0308ter-ko\u0308nnen-das-auch-quadratisch-1024x1024.jpg 1024w, https:\/\/vaeter-und-karriere.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/Buchcover-Fabian-Soethof-Va\u0308ter-ko\u0308nnen-das-auch-quadratisch-150x150.jpg 150w, https:\/\/vaeter-und-karriere.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/Buchcover-Fabian-Soethof-Va\u0308ter-ko\u0308nnen-das-auch-quadratisch-300x300.jpg 300w, https:\/\/vaeter-und-karriere.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/Buchcover-Fabian-Soethof-Va\u0308ter-ko\u0308nnen-das-auch-quadratisch-768x768.jpg 768w, https:\/\/vaeter-und-karriere.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/Buchcover-Fabian-Soethof-Va\u0308ter-ko\u0308nnen-das-auch-quadratisch.jpg 1400w\" sizes=\"(max-width: 524px) 100vw, 524px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p>Vor diesem Hintergrund ist ein \u201ePl\u00e4doyer\nf\u00fcr eine private, gesellschaftliche und politische Ver\u00e4nderung von Familie,\nArbeit, Vereinbarkeit und Rollenbildern.\u201c legitim und die Einladung an V\u00e4ter, \u201eihre Rolle\nzu reflektieren, kritisch\nzu hinterfragen und sich infolgedessen auch von \u00fcberholten Erwartungshaltungen zu befreien,\u201c\ngut nachvollziehbar. <\/p>\n\n\n\n<p>Der n\u00e4chste Satz macht mich aber stutzig: \u201eV\u00e4ter m\u00fcssen keine Angst versp\u00fcren, bisher als selbstverst\u00e4ndlich wahrgenommene Privilegien abzugeben, wie\ndas, sich nur um ihren Job zu k\u00fcmmern.\u201c Das zu tun, was von mir erwartet wird, Vollzeit\nin einer oder prek\u00e4r in zwei oder mehr Besch\u00e4ftigungsverh\u00e4ltnissen erwerbst\u00e4tig\nzu sein, ist f\u00fcr mich kein \u201ePrivileg\u201c. <br>\nDas sich an der Aufteilung von bezahlter Erwerbs- und unbezahlter Carearbeit\netwas \u00e4ndern muss, ist unbestritten. Das machen auch die von Soethof zitierten Studien\nund die Zeitverwendungserhebung oder die vom IAB regelm\u00e4\u00dfig erhobene Verteilung\nvon tats\u00e4chlichen und gew\u00fcnschten Arbeitszeiten deutlich. Da aber M\u00fctter und V\u00e4ter\ngleicherma\u00dfen in der Summe ca. 11 Stunden f\u00fcr Care und Erwerbsarbeiten aufwenden,\nist eine Ver\u00e4nderung nur systemisch zu erreichen.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eDon\u2019t fix the women, fix the system\u201c lautet eine feministische Vision,\nf\u00fcr die Google mehr als 90.000 Fundstellen liefert. Dementsprechend h\u00e4tte ich\nvon einer Einladung an V\u00e4ter, ihre W\u00fcnsche nach einer partnerschaftlichen\nfamilialen Aufgabenteilung zu verwirklichen und vielmehr noch von einem\n\u201aPl\u00e4doyer f\u00fcr Ver\u00e4nderung\u2018 erwartet, dass dieser Haltung entsprechend\nM\u00f6glichkeiten erwogen, Spielr\u00e4ume ausgelotet und konkrete strukturelle\nVer\u00e4nderungen, die dies erm\u00f6glichen, benannt werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Aus dem was Soethof auf den n\u00e4chsten gut 200 Seiten schreibt, lese ich\nvor allem eine widerspr\u00fcchliche Adaption dessen, was in Gesellschaft und\nPolitik zu langsam umgesetzt wird und einem ungekl\u00e4rtem Verh\u00e4ltnis zu dem, was\ner V\u00e4tern tats\u00e4chlich zutraut bzw. von ihnen erwartet. \u201eViele, glaube ich, wollen\ndie Rollenbilder ihrer eigenen Eltern eigentlich gar nicht\nweiterf\u00fchren. Allerdings sprechen sie nicht konkret dar\u00fcber, treffen keine\ngenauen Vereinbarungen und landen schneller als gedacht in vertrauten Mustern\noder der Rolle, die gesellschaftlich von ihnen\nerwartet wird. Manche trauen sich vielleicht auch gar nicht, etwas anderes einzufordern. Niemand tr\u00e4gt hier\nirgendeine direkte, unmittelbare Schuld. Aber Ver\u00e4nderung beginnt mit Erkenntnis.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Alexandra Schmidt-Wenzel hat, um\nauch die individuelle Ebene zu betrachten, vor 15 Jahren mit ihrer Dissertation\ndargelegt, wie aus Erfahrung Erkenntnis werden und sich daraus Verhalten\nentwickeln kann. In \u201eWie Eltern lernen.\u201c einer empirisch qualitative Studien\nzum innerfamilialen Kompetenzerwerb hat sie diese Prozesse analysiert und\nKonsequenzen abgeleitet: \u201eSehen sich V\u00e4ter in der Rolle des \u201aguten Vaters\u2019, so nehmen sie sich als\nverantwortungsvolle Versorger wie F\u00fcrsorger im Sinne gro\u00dfer\nEmpathiebereitschaft und Beziehungsf\u00e4higkeit gegen\u00fcber dem Kind wahr. Ihre\ngrundlegend positive Selbsteinsch\u00e4tzung rekurriert jedoch auch auf einem\nbest\u00e4tigendem Vergleich zwischen den m\u00fctterlichen und den jeweils eigenen\nEigenschaften und F\u00e4higkeiten, der wie zur R\u00fcckversicherung \u00fcber das eigene\nK\u00f6nnen immer wieder vollzogen wird. So halten sich V\u00e4ter prinzipiell f\u00fcr f\u00e4hig,\nin gleichem Ma\u00dfe wie die Mutter f\u00fcr ihr Kind sorgen zu k\u00f6nnen. Das Konzept des\nempfundenen Stolzes, bei\npositiven R\u00fcckmeldungen (vom Kind selbst, von der Partnerin, aber auch vom\ngesellschaftlichen Umfeld) auf die v\u00e4terlichen Kompetenzen untermauert diese\nBesonderheit des v\u00e4terlichen Selbstbildes.\u201c <\/p>\n\n\n\n<p>Und zur Bearbeitung des eigenen\nErlebens schreibt Schmidt-Wenzel an anderer Stelle: \u201eIn der Herkunftsfamilie\ngesammelte Erfahrungen, verinnerlichte Werte, Haltungen und Rollen werden\nentweder als bewusst oder auch\nunbewusst gelebte Adaption in der aktuellen Familie fortgef\u00fchrt oder\naber als bewusst gelebter Gegenentwurf\npraktiziert. Den bewussten Haltungen gemein ist die jeweils vorangegangene\nreflexive Auseinandersetzung mit der Herkunftsfamilie, auf deren Basis f\u00fcr das\neigene Leben, f\u00fcr die eigene Familie neu entschieden werden kann, welche Werte\ntransferiert, modifiziert oder auch gebrochen werden. Dabei existieren gelebte\nKonzepte der Adaption wie des Gegenentwurfs durchaus nebeneinander und\nschlie\u00dfen sich nicht gegenseitig aus.<br>\nF\u00fcr V\u00e4ter liegt ein zentraler Gegenentwurf in dem Anspruch, ihrem Kind ein emotional wie physisch pr\u00e4senter Vater zu\nsein, der aus der Reflexion eigener schmerzvoller Vaterentbehrungen hervorgeht.\u201c\n<\/p>\n\n\n\n<p>Es braucht also vor allem\npositive Zuschreibungen \u201aV\u00e4ter k\u00f6nnen das\u2018, Ermutigung und Unterst\u00fctzung bei\nden erforderlichen Reflexions- und Aushandlungsprozessen in den Paarbeziehungen\nund in, wie Klaus Althoff es nennt \u201aV\u00e4terbanden\u2018.<\/p>\n\n\n\n<p>Aber zur\u00fcck zu dem Vorhaben von\nSoethof. Das Buch ist in drei Abschnitten eingeteilt. Im ersten wirft er einen \u201esubjektiven\nBlick auf unser elterliches Gestern\u201c, im zweiten auf das Heute und abschlie\u00dfend\nauf das Morgen. \u201eWo wir herkommen wir ? Wo wir stehen wir? Wo wir hingehen sollten?\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Soethof portr\u00e4tiert dazu in\nVollzeit arbeitende V\u00e4ter und Hausm\u00e4nner, wie zum Beispiel Heiner Fischer von\nvaterwelten.de. Er zitiert M\u00fctter, die sich aktiv und \u00f6ffentlich f\u00fcr mehr\nGleichberechtigung einsetzen. Er interview den V\u00e4terforscher Andreas Eickhorst\nund stellt Literatur vor, die sich aus anderer Perspektive mit \u00e4hnlichen\nProblemen besch\u00e4ftigt. Dazu zitiert er \u201e(ern\u00fcchternde) Zahlen zu Care-Arbeit\naus aktuellen Studien\u201c. Um die Frage zu kl\u00e4ren, wie mit Arbeitnehmer*innen, die\nEltern sind oder werden, umgegangen wird, hat er im kleinen Familienbetrieb seines\nVaters und bei SAP nachgefragt. <\/p>\n\n\n\n<p>Am Ende zahlreicher Abschnitte\nstellt der Autor Fragen, Aufgaben und biete Reflexionsanreize, die ihm w\u00e4hrend\nder Recherche selbst kamen und ich mir gew\u00fcnscht h\u00e4tte, dass der Autor sie auch\nf\u00fcr sich beantwortet. \u201eBist du dir deiner eigenen Filterblase bewusst? Wie\nk\u00f6nntest du sie \u00f6ffnen?<\/p>\n\n\n\n<p>Er ist der \u00dcberzeugung, \u201enur so k\u00f6nnen V\u00e4ter erkennen, welche Leistung M\u00fctter stemmen, und dass es nicht nur Eltern, sondern auch Kindern und der Gesellschaft hilft, wenn wir hinterfragen, warum wir Familienarbeit so aufteilen, wie wir sie h\u00e4ufig noch aufteilen. Ich jedenfalls mache den \u00fcberholten Schei\u00df nicht l\u00e4nger und um jeden Preis mit.\u201c Das ist eine ehrliche Aussage, ich habe aber meine Zweifel, ob die zu Beginn ausgesprochene Einladung auf diesem Niveau zu dem gew\u00fcnschten Erfolg f\u00fchrt. <\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/www.lag-vaeterarbeit.nrw\/2022\/02\/18\/vaeter-koennen-das-auch\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\" aria-label=\"Quelle (\u00f6ffnet in neuem Tab)\">Quelle<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u2026 lautet der Titel des Erstlingswerks von Fabian Soethof, das am 21. M\u00e4rz im K\u00f6sel Verlag erscheinen wird. Programmatisch hei\u00dft es im Untertitel \u201eEs ist Zeit, Familie endlich gleichberechtigt zu leben\u201c. Dem kann ich uneingeschr\u00e4nkt zustimmen. 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