{"id":10264,"date":"2022-02-02T06:58:26","date_gmt":"2022-02-02T05:58:26","guid":{"rendered":"http:\/\/vaeter-und-karriere.de\/blog\/?p=10264"},"modified":"2022-02-01T20:00:45","modified_gmt":"2022-02-01T19:00:45","slug":"es-war-unglaublich-atemberaubend-erstaunlich-und-erschreckend","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/vaeter-und-karriere.de\/blog\/index.php\/2022\/02\/02\/es-war-unglaublich-atemberaubend-erstaunlich-und-erschreckend\/","title":{"rendered":"Es war unglaublich, atemberaubend, erstaunlich und erschreckend \u2026"},"content":{"rendered":"\n<p>In dieser \nAussage eines Vaters kommt die ganze Ambivalenz zum Ausdruck, die M\u00e4nner\n im Kontext einer Geburt erleben. Und genau in diesen Ambivalenzen und \nDissonanzen stecken nach Ansicht von Philip Kr\u00fcger die gr\u00f6\u00dften Chancen \nf\u00fcr Ver\u00e4nderungen. F\u00fcr eine Realisierung des von vielen jungen V\u00e4tern \nund M\u00fcttern ge\u00e4u\u00dferten Wunsches, sich Erwerbs- und Familienarbeit \npartnerschaftlich aufzuteilen. Aber damit aus diesen Absichtserkl\u00e4rungen\n reale Ver\u00e4nderungen werden, braucht es Unterst\u00fctzung, unter anderem \nspezifische Angebote zur Geburtsvorbereitung f\u00fcr V\u00e4ter.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Zuschreibung von v\u00e4terlichen Kompetenzen und ihre Beziehung zu \ndem ungeborenen Kind haben einen gro\u00dfen Einfluss darauf, in welchem Ma\u00dfe\n sie sich an der Erziehung des Kindes beteiligen und Ressourcen f\u00fcr \nseine gelingende Entwicklung zur Verf\u00fcgung stellen.<\/p>\n\n\n\n<p>In der Phase vor und unmittelbar nach der Geburt werden die Weichen \ndaf\u00fcr gestellt, ob das gew\u00fcnschte Lebenskonzept Wirklichkeit werden kann\n oder die Partnerschaftszufriedenheit darunter leidet, dass sich Vater \nund Mutter in jeweils unterschiedlichen Sph\u00e4ren voneinander entfremden. \nViele V\u00e4ter wollen die Entwicklung ihrer Kinder von Anfang an aktiv \nbegleiten und mitgestalten.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eIch habe dann nur den Schwangerschaftstest gesehen, den sie mir \ngezeigt hat, und das war dann erst mal so ein eine Explosion der Gef\u00fchle\n im Kopf, also von Freude, Gl\u00fcck, aber nat\u00fcrlich auch Respekt und Sorge.\n Alles was einem, glaube ich so als Vater auch in den n\u00e4chsten Jahren so\n durch den Kopf geht, war denn auch einfach da\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p>Bei der Geburt selbst dabei sein zu k\u00f6nnen, ist f\u00fcr M\u00e4nner die \nM\u00f6glichkeit, das Vaterwerden, das sich bislang als \u201aKopfgeburt\u2018 \nabgespielt hat, unmittelbar zu erleben und eine Beziehung zu ihrem Kind \naufbauen zu k\u00f6nnen. \u201eEs war unglaublich, atemberaubend, erstaunlich und \nerschreckend, die erste Person zu sein, die meine Tochter sah, und \nAugenkontakt mit ihr herzustellen, als sie herauskam. Ich habe ein Foto,\n etwa drei Minuten nach ihrer Geburt, auf dem ich sie im Arm halte und \nwir uns gegenseitig anstarren, und es sieht aus, als w\u00fcrde sie mir die \nZunge herausstrecken.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Corona hat auch in der Geburtshilfe wie unter einem Brennglas \noffengelegt, dass V\u00e4ter dort noch nicht die Bedeutung haben, die ihnen \nzusteht. Zehntausende M\u00e4nner konnten wegen der Corona-Regeln in den \nvergangenen Monaten die Geburt ihres Kindes nicht miterleben. In manchen\n Kliniken d\u00fcrfen V\u00e4ter den gesamten Verlauf der Geburt begleiten, in \nanderen ruft sie das Personal erst zur Endphase der Geburt in den \nKrei\u00dfsaal \u2013 wenn die Presswehen beginnen oder der Muttermund um einige \nZentimeter ge\u00f6ffnet ist. Zu Vorsorgeterminen, zum Ultraschall durften \nV\u00e4ter h\u00e4ufig ebenfalls nicht mitkommen. \u201eAlso ich h\u00e4tte das sehr gerne \ngemacht, aber es war uns jetzt leider aufgrund der Situation in der \nKlinik oder, so wie es die Frauenarztpraxis, in der sie behandelt wird, \nh\u00e4ndelt, die ganze Pandemie, war es mir leider nicht m\u00f6glich, an den \nTerminen teilzunehmen.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Um hier nachhaltige Ver\u00e4nderungen zu erreichen, k\u00f6nnten Ver\u00e4nderungen\n bei der Ausbildung von Hebammen und Sozialp\u00e4dogog:innen bzw. \n-arbeiter:innen beitragen. Dazu erkl\u00e4rt Gunter Beetz, der Dialogrunde \nund Workshop moderiert hat und selbst seit Jahren Angebote zur \nGeburtsvorbereitung f\u00fcr V\u00e4ter durchf\u00fchrt:<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eDas Rollenverst\u00e4ndnis hat sich bei so vielen M\u00e4nnern zum Positiven \ngewandelt, aber die Rahmenbedingungen haben sind leider nicht \ndementsprechend mit ver\u00e4ndert. Die Bed\u00fcrfnisse und Sichtweisen von \nV\u00e4tern sollten viel mehr mitgedacht und ber\u00fccksichtigt werden. Dies \nsollte in der Ausbildung von Sozialp\u00e4dagog:innen und Hebammen eine \ngr\u00f6\u00dfere Rolle spielen. Beide Berufsgruppen sind eine so gro\u00dfe St\u00fctze, \nbesonders am Anfang einer Familie, aber auch sp\u00e4ter in den Ambulanten \nHilfen, wenn es mal zu Schwierigkeiten kommt. Vielen V\u00e4tern fehlt es an \nRollenvorbildern und deshalb ist eine Unterst\u00fctzung durch diese \nBerufsgruppen so wichtig.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Dementsprechend wurden in dem Workshop unter anderem folgende Gedanken formuliert:<\/p>\n\n\n\n<ul><li>Sprache: partnerschaftlichere, differenziertere und flexiblere Rollenbilder kommunizieren<\/li><li>Finanzierung: die M\u00f6glichkeit der Pr\u00e4ventionskurse der gesetzlichen \nKrankenversicherung und die Vernetzung mit bestehenden und zuk\u00fcnftig zu \netablierenden emotionalen Beratungen im Sinne einer Netzwerkbildung: \nHier k\u00f6nnen Nachtreffen genutzt werden, um weiter in Kontakt zu bleiben<\/li><li>V\u00e4terberatung: fl\u00e4chendeckender anbieten, auch auf Betriebe und Beh\u00f6rden ausweiten<\/li><li>Wissenschaft: Studierende bereits im Studium mit der \nV\u00e4terperspektive vertraut zu machen mit dem Schwerpunkt auf einer \ngesunden Entwicklung der Kinder\/Familie\/ Balance<\/li><\/ul>\n\n\n\n<p><strong>Fragen f\u00fcr (werdende) V\u00e4ter<\/strong><\/p>\n\n\n\n<ul><li>Was f\u00fcr eine Vater- bzw. Mutterrolle wurde mir vorgelebt? Welche \nGespr\u00e4chs- und Konfliktkultur hat mich gepr\u00e4gt? Die Biografie der Eltern\n spielt eine wichtige Rolle, denn dein eigenes \u201einneres Kind\u201c \nbeeinflusst die Erziehung und das Selbstverst\u00e4ndnis deiner neuen \nFamilie.<\/li><li>Was sind meine W\u00fcnsche und Vorstellungen an mich, die Familie und an\n meine Karriere. Was soll dein Kind in 25Jahren \u00fcber dich erz\u00e4hlen? \nStimmen deine Vorstellungen mit denen deiner Partnerin \u00fcberein?<\/li><li>Welche allt\u00e4glichen Aufgaben stehen an und welche \u00fcbernimmst du? Was\n braucht ihr an Struktur, damit sich alle wohlf\u00fchlen? Wieviel m\u00f6chtest \ndu\/\u2018musst\u2018 du Arbeiten? Diese und viele weitere Fragen kannst du \nzun\u00e4chst f\u00fcr dich und dann gemeinsam mit deiner Partnerin lange vor der \nGeburt beantworten. Auch wenn danach alles anders kommt als gedacht, wer\n A gesagt hat kann auch B viel leichter planen.<\/li><\/ul>\n\n\n\n<p><strong>Anregungen f\u00fcr Hebammen<\/strong><\/p>\n\n\n\n<ul><li>Es ist selbstverst\u00e4ndlich, dass bei der Geburtsvorbereitung der \nFokus auf die werdende Mutter und die Geburt gerichtet ist. Aber schon \nvor der Geburt werden die Weichen daf\u00fcr gestellt, ob die neuen Familien \nsich anfallende Aufgaben partnerschaftlich aufteilen oder in alte \nRollenmuster zur\u00fcckfallen. Auch bei diesem Entscheidungsprozess k\u00f6nnen \nSie die werdenden Eltern unterst\u00fctzen.<\/li><li>Die Unterst\u00fctzung durch V\u00e4ter im Geburtsprozess hat positive \nAuswirkungen auf die werdenden M\u00fctter. Beziehen sie V\u00e4ter daher von \nAnfang an systematisch ein und erm\u00f6glichen ihnen sich zu beteiligen. So \nk\u00f6nnen V\u00e4ter ihre Partnerinnen unterst\u00fctzen, eine eigene Identit\u00e4t als \nVater entwickeln und eine aktive Rolle in der Versorgung der S\u00e4uglinge \n\u00fcbernehmen.<\/li><li>Im Rahmen der Vorbereitung auf die Geburt haben V\u00e4ter das Interesse,\n sich mit anderen V\u00e4tern in einem gesch\u00fctzten Raum \u00fcber ihre Sorgen, \nGedanken und Hoffnungen auszutauschen. Ermutigen Sie die Partner \u201aIhrer\u2018\n M\u00fctter, den Rahmen Ihres Kurses zu nutzen.<\/li><\/ul>\n\n\n\n<p><strong>Zum Download<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Der Impuls von Philip Kr\u00fcger <a href=\"https:\/\/www.lag-vaeterarbeit.nrw\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/2021_11_16_LAG_Vater_werden_pk-final.pdf\">2021_11_16_LAG_Vater_werden_pk-final<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Die&nbsp; <a href=\"https:\/\/www.lag-vaeterarbeit.nrw\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/Leitfragen-von-Dialogrunde-und-Workshop-1.pdf\">Leitfragen von Dialogrunde und Workshop 1<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Die <a href=\"https:\/\/www.lag-vaeterarbeit.nrw\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/Zusammenfassung-der-Visionen-und-Forderungen-von-Dialogrunde-und-Workshop-1.pdf\">Zusammenfassung der Visionen und Forderungen von Dialogrunde und Workshop 1<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Das Interview mit Gunter Beetz <a href=\"https:\/\/www.lag-vaeterarbeit.nrw\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/Vaeter-von-Anfang-an-einbeziehen.pdf\">V\u00e4ter von Anfang an einbeziehen<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In dieser Aussage eines Vaters kommt die ganze Ambivalenz zum Ausdruck, die M\u00e4nner im Kontext einer Geburt erleben. 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