{"id":10150,"date":"2021-05-08T15:41:31","date_gmt":"2021-05-08T15:41:31","guid":{"rendered":"http:\/\/vaeter-und-karriere.de\/blog\/?p=10150"},"modified":"2021-05-08T15:41:32","modified_gmt":"2021-05-08T15:41:32","slug":"die-belange-von-familie-sind-politisch-nichts-wert","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/vaeter-und-karriere.de\/blog\/index.php\/2021\/05\/08\/die-belange-von-familie-sind-politisch-nichts-wert\/","title":{"rendered":"\u201a\u2026die Belange von Familie sind politisch nichts wert\u2018"},"content":{"rendered":"\n<p>Birk Gr\u00fcling, Autor von \u201aEltern\nals Team \u2013 Ideen eines Vaters f\u00fcr gelebte Vereinbarkeit\u2018 im Gespr\u00e4ch mit der\nLAG V\u00e4terarbeit in NRW<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Was war der Anlass f\u00fcr dich,\nden Ratgeber zu schreiben?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Sowohl privat als auch als Journalist habe\nich mich in den letzten Jahren sehr viel mit dem Thema Vereinbarkeit\nauseinandergesetzt und damit auch mit der Frage, wie ich eigentlich arbeiten\nund wie viel Zeit ich f\u00fcr die Familie haben will. Ein ganz wichtiger Moment in\ndiesem Zusammenhang war der Tod meines eigenen Vaters in der Schwangerschaft\nmeiner Frau. Das hat mich sehr zum Gr\u00fcbeln gebracht. Mein Vater hat immer viel\ngearbeitet und wenig auf seine Gesundheit geachtet, am Ende hat er dadurch\nseinen Enkel verpasst. Und als Journalist habe ich das Privileg, meinen eigenen\nFragen auch noch beruflich nachzugehen. So entstanden aus der privaten Suche\nnach meiner eigenen Vater-Rolle viele Texte und irgendwann dieses Buch. In dem\nBuch erz\u00e4hle ich aber nicht nur von mir, sondern stelle Menschen und ihre\ntollen Ideen zu den ganz verschiedenen Aspekten von Vereinbarkeit vor. Ein\nPatent-Rezept entsteht daraus zwar nicht, aber viele spannende Impulse wie ich\nfinde. <\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image is-resized\"><img loading=\"lazy\" src=\"http:\/\/vaeter-und-karriere.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2021\/05\/Birk.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-10151\" width=\"276\" height=\"296\" srcset=\"https:\/\/vaeter-und-karriere.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2021\/05\/Birk.jpg 420w, https:\/\/vaeter-und-karriere.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2021\/05\/Birk-280x300.jpg 280w\" sizes=\"(max-width: 276px) 100vw, 276px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p><strong>Zu Beginn des Buchs schreibst\ndu \u201eVereinbarkeit ist nicht unm\u00f6glich\u201c. Mir kommen da zwei Titel, vor 6 Jahren\nauch von Journalist:innen geschrieben, in den Kopf. N\u00e4mlich: \u201eGeht alles gar\nnicht\u201c von Marc Brost und Heinrich Wefing und \u201eDie Alles ist m\u00f6glich-L\u00fcge:\nWieso Familie und Beruf nicht zu vereinbaren sind\u201c von Susanne Garsoffky und\nBritta Sembach. Was entgegnest du Ihnen aus heutiger Perspektive?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Ich habe beide B\u00fccher nicht\ngelesen und kann zu ihnen auch wenig sagen. Allerdings bin ich ein gro\u00dfer Fan\nvon konstruktivem Journalismus. Also Probleme benennen und L\u00f6sungen suchen,\nstatt einfach nur zu jammern und die Flinte in Korn zu werfen. Und ja, es gibt\nsehr viele Probleme \u2013 von fehlenden Betreuungspl\u00e4tzen bis zu alles anderes als\nfamilienfreundlichen Arbeitsmodellen. Aber das bedeutet doch nicht, dass ich das\nThema Vereinbarkeit f\u00fcr mich abharken und alles so mache wie unsere\nEltern-Generation. Es muss doch etwas zwischen Hausmann und 60 Stunden Wochen\nKarrieremann geben. <\/p>\n\n\n\n<p><strong>Eine gro\u00dfe Rolle spielt f\u00fcr dich die Vorbereitung auf das\nElternsein. Du sprichst da von der Entwicklung einer \u201eFamilienvision\u201c. Wie\nk\u00f6nnen sich V\u00e4ter auf das Vatersein vorbereiten und auf welche \u201eRolemodels\u201c und\nUnterst\u00fctzung k\u00f6nnen sie dabei zur\u00fcckgreifen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Ich glaube, der wichtigste\nSchritt ist die bewusste Auseinandersetzung mit den wichtigen Fragen der\nVaterrolle. Also sehe ich mich eher als Ern\u00e4hrer und \u201eWochenendpapa\u201c oder will\nich wirklich in Teilzeit arbeiten und kann ich mir dabei sogar vorstellen auf\nbestimmte Symbole zu verzichten. Ich habe das Gef\u00fchl, dass selbst vorher\ngleichberechtigte Paare ganz schnell in \u201etraditionelle\u201c Rollenbilder\nabrutschen, einfach weil sie diese nie richtig hinterfragt haben. Und daraus\nentstehen oft Konflikte. Im Babykurs meiner Frau beschwerten sich zum Beispiel unz\u00e4hlige\nM\u00fctter dar\u00fcber, dass ihre M\u00e4nner doch gar nicht so engagierte Papas waren, wie\nder Generation der \u201eNeuen V\u00e4ter\u201c gemeinhin nachgesagt wird. Und ich kann sagen:\nKonflikte \u00fcber unausgesprochene Erwartungen kl\u00e4rt man lieber im Vorfeld, als\nv\u00f6llig \u00fcberm\u00fcdet und genervt mit zahnendem Baby auf dem Arm. Deshalb w\u00fcrde ich\njedem raten, sich mit seiner zuk\u00fcnftigen Rolle auszusetzen und ruhig mal mit\nanderen V\u00e4tern und nat\u00fcrlich mit der eigenen Partnerin dar\u00fcber zu sprechen. Und\nwenn ich die Rolemodels vielleicht nicht im eigenen Freundeskreis findet, kann\nich sie mir im Internet suchen und mit ihnen in Kontakt treten.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Im Zusammenhang mit der\nElternzeit schreibst du: \u201eNoch nie standen die Chancen besser, mit alten Werten\nzu brechen, der Last des alleinigen Ern\u00e4hrers zu entfliehen und die eigene\nVaterrolle neu und anders zu gestalten.\u201c Die Elternzeit gibt es ja schon seit\n14 Jahren, woher r\u00fchrt dein Optimismus?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Ist das wirklich optimistisch? Im\nVergleich zu allen V\u00e4ter-Generationen vor uns haben wir f\u00fcrstliche M\u00f6glichkeiten.\nGleichzeitig nutzen wir sie nicht genug und rutschen immer noch viel zu oft in\nRollenbilder aus den 50er Jahren. Deshalb muss es noch mehr Druck zur\nGleichberechtigung geben \u2013 zum Beispiel k\u00f6nnten M\u00fctter und V\u00e4ter, die\ngleichberechtigt in Elternzeit gehen, mehr Geld bekommen oder sogar eine\n\u201ePflicht\u201c zur Gleichberechtigung eingef\u00fchrt werden, jedenfalls wenn man\nElterngeld bekommen m\u00f6chte. Ich bin also eher entt\u00e4uscht dar\u00fcber, dass wir\nEltern immer noch zu wenig aus den Chancen machen, bin aber froh, dass es sie \u00fcberhaupt\ngibt \u2013 auch wenn bei ihnen durchaus Nachholbedarf besteht. <\/p>\n\n\n\n<p><strong>Welche Rolle spielen dabei die letzten 14 Monate mit\nCorona?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Corona ist ein komplexes Thema \u2013\neinerseits haben wir gesp\u00fcrt, dass zuhause arbeiten deutlich besser\nfunktioniert und daraus k\u00f6nnte eine deutlich rasantere Flexibilisierung der\nArbeitswelt entstehen. Auch manche V\u00e4ter haben sich nun st\u00e4rker in die\nCare-Arbeit eingebracht und damit einen Wertewandel durchlaufen. Andererseits\nhat die Pandemie auch gezeigt, wie gro\u00df die Probleme in diesem Land sind \u2013 zum\nBeispiel, dass die Belange von Familie politisch nichts wert sind oder das auch\nBildung keine so gro\u00dfe Rolle spielte wie die Belange von Industrie und\nWirtschaft. Und wir haben erlebt, dass am Ende in vielen Familien die M\u00fctter\ndie Last der Pandemie tragen und die V\u00e4ter selbst im Homeoffice gut auf\nTauchstation gehen k\u00f6nnen. &nbsp;Am Ende sehe\nich die Pandemie aber durchaus als Chance f\u00fcr Ver\u00e4nderungen. Jedenfalls kann\nman jetzt die Probleme und die Vers\u00e4umnisse nicht mehr klein oder sch\u00f6n reden. <\/p>\n\n\n\n<p><strong>Ein Thema, das sich wie ein roter\nFaden durch das Buch zieht, ist die Erwerbsarbeitszeit bzw. die \u201e30 Stunden\nWoche\u201c als neue Vollzeit. Warum ist die M\u00f6glichkeit einer Reduzierung der\nErwerbsarbeitszeit f\u00fcr V\u00e4ter so wichtig?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Ich hole mal\netwas theoretisch aus. Forscher der Oxford University kamen in einer Studie zum\nSchluss, dass in den USA 47 Prozent aller Arbeitspl\u00e4tze in den n\u00e4chsten ein bis\nzwei Jahrzehnten bedroht sind. In\nDeutschland sieht es \u00e4hnlich aus. Wir m\u00fcssen uns also schon heute Gedanken\nmachen, wie wir bald weniger vorhandene Arbeit besser verteilen k\u00f6nnen. Und ich\nhalte dabei die 30 Stunden Woche f\u00fcr ein tolles Modell. Die Zeit reicht aus, um\nArbeit zu gestalten und auch \u201eKarriere\u201c zu machen. Auf der anderen Seite bleibt\nso deutlich mehr Platz f\u00fcr die Familie oder das Privatleben. Au\u00dferdem lie\u00dfe\nsich die Arbeit besser und gerechter verteilen. Dadurch das auch sehr\nhochqualifizierte M\u00fctter oft nur geringen Umfang arbeiten, geht Unternehmen\nviel Wissen und Knowhow verloren. Kurzum: Die 30-Stunden Woche w\u00e4re geeignet,\num die \u201eWork-Life-Balance\u201c zu verbessern und mehr Gleichberechtigung zu\nschaffen. Allerdings darf das nicht eine Akademiker-Geschichte bleiben. Auch in\nder Pflege oder im Einzelhandel muss eine 30 Stunden Woche so gut bezahlt sein,\ndass ich davon meinen Lebensunterhalt bestreiten kann. Und davon sind wir\nleider oft noch etwas entfernt. <strong><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Der Begriff des \u201eMental Load\u201c\nwird ja im Kontext von partnerschaftlicher Arbeitsteilung von vielen angef\u00fchrt.\nDu schreibst in dem Abschnitt \u201eWir m\u00fcssen \u00fcber Geld reden\u201c von einem \u201eFinancial\nLoad\u201c, sind das zwei Seiten einer Medaille?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Ich glaube, 1 zu 1 \u00fcbertragbar\nsind die beiden Dinge nicht. Aber die (fast) alleinige Last des\nFamilienern\u00e4hrers ist f\u00fcr mich ein wichtiges Thema, \u00fcber das zu wenig\nbesprochen wird. Dieses Modell ist n\u00e4mlich immens gef\u00e4hrlich und sehr\nbelastend. Dem Alleinern\u00e4hrer darf nichts passieren, von seinem Gehalt lebt die\nFamilie. Kommt es doch zu einem Unfall oder einer schweren Erkrankung, wird es\nrichtig schwer f\u00fcr die Familie \u2013 nicht nur emotional, sondern auch finanziell.\nVon den negativen Auswirkungen auf die Rentenanspr\u00fcche der Frau ganz zu\nschweigen \u2013 Kinder gro\u00df zu ziehen, ist ein gro\u00dfes Armutsrisiko im Alter.\nDeshalb m\u00fcssen wir dringend auch die \u201eLast\u201c der Erwerbsarbeit besser verteilen\nund dazu geh\u00f6rt auch die \u00dcberwindung des Gender Pay Gaps. Und wir V\u00e4ter\ngewinnen dabei nur: Wir m\u00fcssen weniger arbeiten, m\u00fcssen uns weniger Sorgen\nmachen, ob das Gehalt f\u00fcr alle wohl reicht und haben noch mehr Zeit f\u00fcr die\nKinder. Achja, Paare, die gleichberechtigt arbeiten, haben auch noch ein\ndeutlich h\u00f6heres Familieneinkommen als Alleinern\u00e4hrer. <\/p>\n\n\n\n<p><strong>\u201eVereinbarkeit ist kein Sprint\nsondern ein Marathon\u201c steht auf einer der letzten Seiten deines Buchs. Was\nm\u00fcssen V\u00e4ter in jedem Fall beachten, damit sie die \u201eStrecke\u201c durchhalten?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Familienleben ist hoch dynamisch.\nSt\u00e4ndig tauchen neue Herausforderungen auf. Geschwister werden geboren,\nArbeitszeiten ver\u00e4ndern sich, die Schulzeit beginnt, auch unvorhersehbare Dinge\nwie Krankheiten bringen alte Routinen durcheinander. Deshalb muss ich auch in\nSachen Vereinbarkeit st\u00e4ndig nachjustieren und immer wieder neue Wege und\nL\u00f6sungen suchen. Denn alles was gestern noch reibungslos klappte, kann morgen\nschon v\u00f6llig unpassend sein. Deshalb ist es wichtig, im Gespr\u00e4ch zu bleiben und\nsich auch als Eltern-Team regelm\u00e4\u00dfig zu fragen, ob die vor zwei Monaten oder\nzwei Jahren getroffenen Entscheidungen noch heute passen oder ob gegengesteuert\nwerden muss. Das ist glaube ich das wichtigste Rezept beim Durchhalten. Am Ende\nm\u00fcssen einfach alle Beteiligten zufrieden sein. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Birk Gr\u00fcling, Autor von \u201aEltern als Team \u2013 Ideen eines Vaters f\u00fcr gelebte Vereinbarkeit\u2018 im Gespr\u00e4ch mit der LAG V\u00e4terarbeit in NRW Was war der Anlass f\u00fcr dich, den Ratgeber zu schreiben? 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