{"id":10127,"date":"2021-04-20T13:01:29","date_gmt":"2021-04-20T13:01:29","guid":{"rendered":"http:\/\/vaeter-und-karriere.de\/blog\/?p=10127"},"modified":"2021-05-04T13:04:45","modified_gmt":"2021-05-04T13:04:45","slug":"es-braucht-vor-allen-dingen-fantasie","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/vaeter-und-karriere.de\/blog\/index.php\/2021\/04\/20\/es-braucht-vor-allen-dingen-fantasie\/","title":{"rendered":"\u2026 es braucht vor allen Dingen Fantasie"},"content":{"rendered":"\n<p><strong>Care.com und die V\u00e4ter gGmbh haben heute ihre Studie bzw. ihr\n \u201aStimmungsbild\u2018 \u201ePaare und Familien in Zeiten von Corona\u201d vorgestellt. \nWelche Punkte daraus sind f\u00fcr Sie besonders bedeutsam?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>F\u00fcr mich war es vor allem nochmal eine Best\u00e4tigung dessen, was ich im\n Moment subjektiv wahrnehme und was ich von vielen Seiten h\u00f6re. Das ist \ndurch die Studie mit Zahlen unterlegt worden. Gerade diese Anspannung \nund auch diese Coronam\u00fcdigkeit, die von allen Seiten kommt, die \ninnerhalb der Paare und innerhalb der Familien existiert. Und der Druck \nsowie die hohe N\u00e4he, die man mit der Familie immerzu hat. Die \u00c4ngste, \nSorgen und N\u00f6te, die nach wie vor da sind, also all das was auf die \nPsyche wirkt. Das ist jetzt auch messbar.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Sie beraten ja gemeinsam mit ihrer Partnerin unter dem Label \u201a<a href=\"https:\/\/www.2paarschultern.de\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">2PAARSchultern<\/a>\u2018\n schon l\u00e4nger Paare und V\u00e4ter im Hinblick auf die Vereinbarkeit von \nBeruf und Familie. Was hat sich in den vergangenen 14 Monaten im \nVergleich zu den Zeiten vor Corona ver\u00e4ndert?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image is-resized\"><img loading=\"lazy\" src=\"http:\/\/vaeter-und-karriere.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2021\/05\/Robert-Frischbier-683x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-10128\" width=\"356\" height=\"533\" srcset=\"https:\/\/vaeter-und-karriere.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2021\/05\/Robert-Frischbier-683x1024.jpg 683w, https:\/\/vaeter-und-karriere.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2021\/05\/Robert-Frischbier-200x300.jpg 200w, https:\/\/vaeter-und-karriere.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2021\/05\/Robert-Frischbier.jpg 692w\" sizes=\"(max-width: 356px) 100vw, 356px\" \/><figcaption>Robert Frischbier<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Was ich toll finde, also gerade aus der Sicht der V\u00e4ter, das durch \ndiesen \u201eZwang\u201c, mehr mit der Familie machen zu m\u00fcssen, mehr zu Hause zu \nsein, mehr sich um die Kinder zu k\u00fcmmern, viele Menschen die \nM\u00f6glichkeiten, die sich daraus ergeben, einfach erkannt haben und auch \nnutzen. Also, dass man einfach sagt okay, ich bring mich anders mit ein.\n Ich mache das jetzt. Ich brauche mich nicht mehr mit meinem Arbeitgeber\n auseinanderzusetzen, ob ich Homeoffice machen darf, sondern ich muss ja\n sowieso Homeoffice machen. Ich bin zu Hause, kann mich um die Kinder \nk\u00fcmmern, sehe auch, was zu Hause so anf\u00e4llt. Das habe ich bei vielen \nGespr\u00e4chen jetzt schon gemerkt, da gibt es einen \u201aAha Moment\u2018 \nirgendwann. Ja, da passiert ja ganz sch\u00f6n viel. Da ist ja ganz sch\u00f6n \nTrubel. Und jetzt bin ich mittendrin. Und dann kann ich auch gleich \nrichtig mitmachen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Sind durch Corona noch neue Herausforderungen dazu gekommen? <\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Die gr\u00f6\u00dfte Herausforderung ist f\u00fcr mich nach wie vor, dass man sich \nnicht mehr aus dem Weg gehen kann, dass es keine Trennung zwischen \nArbeit, Familie, Freizeit, Partnerschaft gibt. Das findet alles in \nunmittelbarer r\u00e4umlicher N\u00e4he statt. Man kann nicht mal eben eine T\u00fcr zu\n machen und dann hat man seine Ruhe. Diese Ruhe gibt es nicht und das \nist eine unheimlich gro\u00dfe Herausforderung, der viele Familien, auch \nAlleinerziehende nat\u00fcrlich, im Moment gerade gegen\u00fcberstehen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Sind durch die Krise auch grunds\u00e4tzliche, schon l\u00e4nger bestehende Hindernisse sichtbar geworden?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Ich habe zu Beginn von Corona h\u00e4ufig beobachtet, dass es bei vielen \ntats\u00e4chlich so eine Art Automatismus gab, in das klassische Rollenbild \nreinzufallen. Also der Mann wurde sofort irgendwie zum Ern\u00e4hrer, und die\n Frau wurde irgendwie sofort zur \u201eK\u00fcmmerin\u201c in einer Familie.<\/p>\n\n\n\n<p>Und ich sehe das auch jetzt noch. Nach \u00fcber einem Jahr, ist das bei \nvielen immer noch so, dass man zumindest in den K\u00f6pfen diese Denke drin \nhat. Viele V\u00e4ter bringen sich immer st\u00e4rker ein und wollen das auch. Sie\n scheuen aber nach wie vor auch das Gespr\u00e4ch mit dem Arbeitgeber um zu \nsagen, \u201eich m\u00f6chte das auch \u00fcber Corona hinaus und jetzt nicht nur aus \nder Drucksituation heraus so machen\u201c. Ich sehe eigentlich die Gefahr, \ndass es, wenn sich die Lage wieder normalisiert und man wieder die freie\n Entscheidung hat, dass sich diese aktuell praktizierten, \npartnerschaftlichen Rollenmodelle m\u00f6glicherweise auch wieder \nzur\u00fcckentwickeln.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Was br\u00e4uchten denn dann M\u00fctter V\u00e4ter, damit Sie denn, dass die sich eigentlich partnerschaftliche Aufgabenstellung w\u00fcnschen? <\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Klarheit und Planungssicherheit, dass man halt so weitermachen kann. \nAlso zum Beispiel das Thema Homeoffice. Wenn ich wei\u00df, auch nach Corona \nkann ich weiterhin Homeoffice als feste Komponente in meinem Alltag mit \nnutzen. Nicht f\u00fcnf Tage die Woche, das will ja gar keiner. Aber zum \nBeispiel an zwei Tagen pro Woche spare ich mir die Wegezeiten und kann \nvon zu Hause ausarbeiten, kann mich f\u00fcr bestimmte Sachen mit den Kindern\n oder im Haushalt durch diese hinzugewonnene Zeit einbringen. Ich bin \nauch mal zu Hause, wenn die Kita geschlossen ist oder sonst irgendetwas,\n kann also auch solche Phasen abdecken. Und wenn ich diese \nPlanungssicherheit habe in der Partnerschaft, dann kann ich mein Modell \ndarauf aufbauen. Ich kann sagen, beide Partner haben ein oder zwei \nHomeoffice-Tage. Wir hatten mehrere F\u00e4lle gerade in der Veranstaltung, \nwo es hie\u00df, wir sind beide auf 80 Prozent, das hei\u00dft also nicht einer \n100 und der andere 60 Prozent, sondern wir haben beide 80 Prozent. Das \nbedeutet nat\u00fcrlich auch, das Familieneinkommen muss man sich ganz genau \nanschauen, ist das wirtschaftlich machbar? Aber wenn es m\u00f6glich ist, \ndann muss man wirklich sagen, wir haben uns daf\u00fcr entschieden. Unsere \nArbeitgeber stehen dahinter. Wir haben diese M\u00f6glichkeiten auch \nlangfristig, und das ist jetzt unser Lebensmodell.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Homeoffice ist ja vor allem auch eine \u00e4u\u00dfere Rahmenbedingung.\n Wie k\u00f6nnen wir die Dynamik oder die Unruhe, die im Moment in \ntraditionelle Rollenaufteilungen hineingekommen ist nutzen, um die \nVer\u00e4nderungen nachhaltiger gestalten zu k\u00f6nnen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Da braucht es vor allen Dingen Fantasie. Das, was wir jetzt gerade \nerleben, was wir im letzten Jahr erlebt haben, das ist ja kein richtiges\n Homeoffice. Das hei\u00dft, jetzt m\u00fcssen wir Kinder betreuen und \nHomeschooling machen und nebenbei irgendwie arbeiten. Wir arbeiten ja \nauch komplett geclustert im Moment. Der eine arbeitet fr\u00fch, dann wird \neine Pause gemacht, um sich um die Kinder zu k\u00fcmmern, dann nachmittags \nwieder oder in den Abendstunden. Das hat mit Homeoffice eigentlich \nnichts tun. Das bedeutet, jetzt die Fantasie zu haben. Wie kann aus dem,\n was ich gerade alles gelernt habe, digitales Arbeiten, dezentral \narbeiten, von zu Hause aus arbeiten k\u00f6nnen, wie kann das in einem \ngeregelten Alltag ohne Corona aussehen?<br>\nWenn Corona nicht mehr da ist und alle Betreuungsangebote wieder normal \nge\u00f6ffnet haben. Die Kinder gehen zur Schule in die Kita, und ich habe \nalle M\u00f6glichkeiten, die mir vor Corona zur Verf\u00fcgung standen und \nzus\u00e4tzlich das, was ich jetzt gelernt habe. Wie kann diese Vision f\u00fcr \nunsere Familie aussehen? Schaut euch mal an, was Corona euch an \nM\u00f6glichkeiten er\u00f6ffnet hat. Und wie kann das in den k\u00fcnftigen Alltag \neinflie\u00dfen? Dass ist das, was ich den Leuten gerade h\u00e4ufig im Gespr\u00e4ch \nmitgebe.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Kann man diese Prozesse, diese Phantasie, die dann noch \nentwickelt und geordnet werden m\u00fcssen, kann das gerade auch f\u00fcr die \nV\u00e4ter ein St\u00fcck weit durch Beratung oder andere Angebote unterst\u00fctzt \nwerden?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Ja, es ist ganz wichtig, dass man jemanden hat, mit dem man sprechen \nkann, weil man nimmt sich im Moment in der Partnerschaft, so erlebe ich \ndas jedenfalls, man nimmt sich gar nicht die Zeit, um \u00fcber so etwas \nentspannt zu reden. Eigentlich m\u00fcsste man sich ganz in Ruhe hinsetzen, \nohne die Kinder, ohne alles und einfach mal so in der Partnerschaft \ndar\u00fcber sprechen. Wie kann denn unser k\u00fcnftiger Alltag aussehen? Daf\u00fcr \nist im Moment \u00fcberhaupt nicht die Luft da, daf\u00fcr ist nicht der Raum da. \nUnd wenn man mal ein paar Minuten hat, dann ist man froh, dass man auch \nmal Ruhe f\u00fcr sich hat. Ich erlebe es aber, dass solche Gespr\u00e4chsangebote\n unheimlich dankbar angenommen werden. Man ist dann schnell in einer \nvertrauensvollen Atmosph\u00e4re. Man spricht dar\u00fcber, man stellt auch \nFragen. Es ist dann auch die Aufgabe des Beratenden, die richtigen \nFragen zu stellen und auch Impulse zu geben. Jetzt hast du, Vater XY, du\n hast jetzt erlebt, dass Homeoffice machen kannst. Jetzt stell dir mal \nvor, die Kinder sind jetzt nicht da. Die sind geregelt im Schulbetrieb, \nim Schulalltag und so. Du hast jetzt Homeoffice, wie kann denn der \nAlltag Drumherum jetzt aussehen? Wieviel Zeit sparst du? Schau dir mal \ndie Zeit vor Corona an. Wieviel Fahrtweg hattest du? Wie viele \nDienstreisen hattest du vielleicht und wie kann das jetzt nach Corona \naussehen? Da gemeinsam durch einen gef\u00fchrten Prozess diese Vision des \nneuen Alltags zu finden und zu entwickeln, das finde ich, ist jetzt die \nAufgabe der Unterst\u00fctzer und Berater.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Was w\u00fcnschen Sie sich f\u00fcr die Zeit nach Corona? <\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Vieles von dem, was ich sage ist ja immer aus meiner eigenen \nSituation heraus und auch aus Gespr\u00e4chen mit anderen V\u00e4tern und M\u00fcttern,\n mit denen ich jetzt gerade zu tun habe. Ich w\u00fcnsche mir einfach, dass \ndas, was gerade in den Familie passieren kann, dass wir das auch auf der\n gesellschaftlichen Ebene hinbekommen. Das wir also wirklich schauen, \nwas hat jetzt vielleicht gut funktioniert? Welche neuen M\u00f6glichkeiten \nhaben wir kennengelernt? Ganz viele Leute k\u00f6nnen jetzt digital \nmiteinander kommunizieren. Ganz viele Leute wissen wie das Homeoffice \nfunktionieren kann. F\u00fchrungskr\u00e4fte wissen, dass Mitarbeiter auch aus der\n Ferne arbeiten k\u00f6nnen und nicht immer alle in einem Raum sein m\u00fcssen. \nDass sie auch zeitversetzt arbeiten k\u00f6nnen. Wenn uns das \ngesellschaftlich gelingt, dieses Verst\u00e4ndnis zu sch\u00fcren, die positiven \nSachen mitzunehmen, die negativen Sachen abzustreifen und auch mal zu \nschauen, was war vor Corona nicht gut. Wollen wir da wirklich wieder \nhinzur\u00fcck? Ist es unser gr\u00f6\u00dftes Bestreben, hundertprozentig wieder in \nden Januar 2020, zur\u00fcck zu wechseln? Oder haben wir jetzt nicht \neigentlich auch ein wenig an einem Honigtopf geschnuppert?<br>\nSo das wir jetzt gerne auch ein bisschen positiv in die Zukunft schauen \nwollen um einen tollen Mix zu finden. Als Gesellschaft die Zeit zu \nhaben, die Mu\u00dfe zu haben und die Kreativit\u00e4t zu haben, einen neuen \nAlltag zu schaffen, der uns idealerweise nicht wieder in alte \nRollenbilder zur\u00fcckdr\u00e4ngt, sondern uns erm\u00f6glicht, dass wir alle, \nunseren Familienalltag so leben k\u00f6nnen, wie wir es m\u00f6chten oder wir \nzumindest einen gewissen Gestaltungsspielraum daran behalten.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Vielen Dank Herr Frischbier.<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Care.com und die V\u00e4ter gGmbh haben heute ihre Studie bzw. ihr \u201aStimmungsbild\u2018 \u201ePaare und Familien in Zeiten von Corona\u201d vorgestellt. Welche Punkte daraus sind f\u00fcr Sie besonders bedeutsam? F\u00fcr mich war es vor allem nochmal eine Best\u00e4tigung dessen, was ich im Moment subjektiv wahrnehme und was ich von vielen Seiten h\u00f6re. 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