Erstellt von Hans-Georg Nelles am 18. August 2009
Frauen arbeiten auch in der Schweiz nach wie vor deutlich mehr im Haus und in der Familie als Männer. Dies geht aus einer Studie des Bundesamtes für Statistik über Veränderungen beim Zeitaufwand für Haus- und Familienarbeit 1997- 2007 hervor. Sie stützt sich auf Daten der Schweizerischen Arbeitskräfteerhebung (Sake).
Danach ging bei den Frauen der durchschnittliche Zeitaufwand für Haus- und Familienarbeit 1997 bis 2007 von 31,4 auf 30 Stunden pro Woche zurück. Bei Männern stieg er im gleichen Zeitraum von 15,7 auf 18,1 Wochenstunden.
Frauen zwischen 30 und 40 Jahren leisten mit durchschnittlich 45 Wochenstunden rund doppelt so viel Haus- und Familienarbeit wie Männer (zwischen 20 und 25 Wochenstunden). Bei über 60-jährigen Männern und Frauen gleicht sich der Zeitaufwand immer mehr an.
Am größten ist das zeitliche Engagement erwartungsgemäß in Familienhaushalten mit Kindern, deren jüngstes jünger als sieben Jahre alt ist. Frauen leisten in dieser Zeit fast 60 Wochenstunden Haus- und Familienarbeit. Seit 1997 hat sich dies kaum geändert.
Väter in dieser Familiensituation arbeiten nur etwa halb so viel zu Hause (31,5 Wochenstunden). Seit 1997 haben sie aber ihr Engagement um 7,2 Stunden pro Woche erhöht. Sie verbringen unter den Männern absolut am meisten Zeit mit Haus- und Familienarbeit.
Nimmt man die berufliche Erwerbsarbeit hinzu, so arbeiteten Väter mit Kleinkindern 2007 insgesamt am Arbeitsplatz und zu Hause 73 Stunden pro Woche, 1997 waren es 65 Stunden. Bei den Müttern mit Kleinkindern wuchs die gesamte Arbeitsbelastung für Erwerbs-, Haus- und Familienarbeit 1997 bis 2007 von 67 auf 71 Wochenstunden.
Frauen investieren für die meisten Tätigkeiten zu Hause – Kochen, Putzen, Waschen, Kinder betreuen – mehr Zeit als Männer. Einzig in Sachen Handwerk und Handarbeit sowie bei administrativen Arbeiten liegen die Männer vorn.
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Erstellt von Hans-Georg Nelles am 5. Juni 2009
Gestern habe ich an dieser Stelle über das Memorandum ‚Zeit für Familie’ berichtet und geschrieben, dass der Vorschlag eines Familienzeitkredits, insbesondere wenn er im Rahmen eines Lebensarbeitszeitkontos mit staatlicher Bürgschaft eingesetzt werden könnte, bedenkenswert ist.
Dies ist aber nicht vorgesehen und bei näherer Betrachtung erweist sich der Vorschlag als ‚Mogelpackung’, um es einmal vorsichtig auszudrücken. Väter und Mütter die im Berufsleben zurückstecken um Zeit für ihre Kinder oder die Betreuung pflegebedürftiger Angehöriger aufzuwenden, riskieren neben einer Lücke in ihrer Altersversorgung auch noch einen Schuldenberg.
Wenn Sie dann wieder ‚voll’ im Job einsteigen, werden sie den Mehrverdienst für die Rückzahlung aufwenden müssen, können also weder die Lücken in der Altersversorgung ausgleichen und haben auch nicht mehr für die private Lebensführung zur Verfügung.
Kinder brauchen nicht nur Zeit, sondern sind auch unsere Zukunft! Die ‚Lasten’, die mit Ihnen verbunden sind, müssen gleichermaßen verteilt werden. Eine Privatisierung der Kosten und der Zeit (-probleme) führt in die falsche Richtung. Es braucht tarifliche und arbeitsrechtliche Regelungen, die Vätern und Müttern in der Familienphase Zeit verschaffen sowie ein Kinderbetreuungssystem, dass sich an den Bedürfnissen der Beschäftigten orientiert.
Ein Leben auf ‚Pump‘ verschafft keine nachhaltige Zeit für Kinder und Kredite führen (häufig) in die Schuldenfalle. Das hat uns die Politik oft genug vorgeführt.
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Erstellt von Hans-Georg Nelles am 4. Juni 2009
… und ungewöhnliche Herausforderungen brauchen neue und mutige Lösungen
„Familie gelingt, wenn Eltern und Kinder ausreichend Zeit haben, die sie gemeinsam und einander zugewandt verbringen können“, sagte die Ministerin gestern bei der Pressekonferenz zur Vorstellung des Memorandums „Zeit für Familie“. Im Alltag bleibt aber vielen Familien heute nur sehr wenig Zeit für Gemeinsamkeit. Beruf und Alltag geben den Takt vor und dieser ist oft zu schnell – das Familienleben bleibt auf der Strecke.
Das Memorandum „Zeit für Familie“ wurde vom Kompetenzzentrum für Familienbezogene Leistungen beim Bundesfamilienministerium erarbeitet und macht konkrete Vorschläge, wie Eltern und Kindern auch in Zeiten wirtschaftlicher Schwierigkeiten mehr gemeinsame Zeit ermöglicht werden kann. Denn ob Familien zufrieden sind, hängt – so das Memorandum – vor allem davon ab, ob genügend Zeit für Zuwendung und gemeinsame Aktivitäten zur Verfügung steht.
Aktuelle repräsentative Befragungen zeigten, dass Zeitmangel überwiegend durch berufliche Anforderungen und die Organisation des Alltags entsteht (Allensbach und Forsa, April 2009). So würden 34 % der Eltern (40 % der Väter und 29 % der Mütter) mit jüngeren Kindern gern mehr Zeit mit der Familie verbringen (Allensbach April 2009).
Die Empfehlungen des Memorandums lesen sich wie die Begründung des Wahlprogramms der Unionsparteien. Neben den schon bekannten Elementen ‚Erweiterung der Partnermonate’ und ‚Teileltergeld’ kommt der Familienzeitkredit neu dazu.
Der Familienzeitkredit soll die finanzielle Lage von Beschäftigten in Phasen erleichtern, in denen sie mehr Zeit für ihre Familien brauchen. Ein solcher Zeitkredit ist ein zinsgünstiges Darlehen, mit dem vor allem Erwerbstätige vorübergehend aus dem Beruf aussteigen oder die Arbeitszeit verringern können, wenn die familiäre Situation dies erfordert. Vorbild wäre der bereits existierende Bildungskredit.
Das ist vom Grundsatz her ein richtiger Ansatz, effektiver wären aber meiner Ansicht nach Bürgschaften bzw. gesetzliche Absicherungen von Arbeitszeitguthaben und -krediten, die im Rahmen einer biografieorientierten Lebensarbeitszeit genutzt werden können. Ausstiege machen zudem kostenintensive Wiedereinstiege erforderlich.
Arbeitszeitregelungen, die Vollzeit nach der Ausbildung oder dem Studium mit 50 Stunden und in der Familienphase mit 25 Stunden ermöglichen flankiert von einem Familiensplitting, das eine partnerschaftliche Aufteilung der Erwerbsarbeit fördert, sind Ziel führender. Benötigen aber mehr Mut. Der ist in Wahlkampfzeiten aber leider kaum vorhanden.
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Erstellt von Hans-Georg Nelles am 22. Oktober 2008
Im Vorfeld des gestrigen ‚4. Forums Deutschland für Kinder’ hat der KI.KA von ARD und ZDF die Kummerkasten-Aktion „Elternzeugnis“ durchgeführt. 8.539 Kinder machten mit und stellten ihren Eltern in 16 „Fächern“ von „Liebe geben“ bis „Kann für mich Vorbild sein“ überwiegend gute Zeugnisse aus.
Mütter schnitten mit der Durchschnittsnote 2,4 besser ab als Väter mit durchschnittlich 2,6. Die schlechtesten Noten erhielten Eltern beim „Zeit haben“. Väter bekamen hier im Schnitt nur eine 3, Mütter eine 2,6.
„Eltern sollten sich kritisch prüfen, ob sie ihren Kindern genug Zeit widmen“, betonte Hubertus Lauer, Vizepräsident des Deutschen Kinderschutzbundes. „Als Rezept gegen den Erziehungsnotstand wird häufig ein Elternführerschein gefordert. Für alles gibt es einen Schein, ein Zeugnis, eine Qualifizierung – für den Beruf, für Hobbys, fürs Auto – nur für Kindererziehung nicht.
Doch eine Prüfung allein hilft den Kindern nicht. Was sie vor allem brauchen, ist Zuwendung.“
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Erstellt von Hans-Georg Nelles am 21. Oktober 2008
Wenn es um die Kinderbetreuung geht, denken australische Väter traditionell: Wie aus einer am Montag veröffentlichten Studie hervorgeht, widmen sie ihrem Nachwuchs täglich gerade mal sechs Minuten. Die Unterschiede im Leben von Männern und Frauen seien in Australien besonders groß, wenn Kinder da seien, sagte Lyn Craig von der University of New South Wales.
Zwar würden die Australier am Wochenende mehr Zeit mit ihren Kindern verbringen, dies geschehe aber meist im Rahmen von Freizeitaktivitäten in der Familie. Im Haushalt übernähmen die Männer im Schnitt nur zehn % der Kinderversorgung. Baden und Füttern verschmähten sie in der Regel und konzentrierten sich lieber auf „die spaßigen Sachen“.
Für die Studie untersuchten die Forscher auch das Verhalten von Eltern in Dänemark, Frankreich, Italien und den USA. Besonders fortschrittlich schnitt wie erwartet das skandinavische Land ab: Dort arbeiten laut der Studie in fast 65 % der Haushalte beide Eltern, in Australien sind dies nur 18,5 %.
Und die deutschen Väter? Laut Vorwerkstudie aus dem Jahr 2008 verbringen Vollzeit beschäftigte Väter werktags im Durchschnitt ‚nur’ zwei Stunden pro Tag mit ihren Kindern.
‚NUR’ ist also sehr relativ!
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Erstellt von Hans-Georg Nelles am 8. April 2008
Immer mehr Arbeitnehmer werden künftig auf einen Zweitjob angewiesen sein. Das prognostiziert das Institut für Wirtschaftsforschung Halle (IWH). Von rund 30 Millionen abhängig Beschäftigten in Deutschland gehe heute schon etwa eine Million regelmäßig zusätzlich einer weiteren Beschäftigung nach.
Diese Tendenz verstärke sich. Betroffen seien vor allem Menschen mit geringer Qualifikation.
… und das hat was mit der (fehlenden) Zeit von Vätern zu tun! Dies macht ein Kommentar von Michael Baleanu am 29. März deutlich:
‚… Zwischen dem Wunsch eines Vaters, Zeit mit seinem Kind zu verbringen und den gesellschaftlichen Randbedingungen klaffen doch Welten. Weiterlesen »
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