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ElterngeldPlus und Partnerschaftsbonus kommen an

Erstellt von Hans-Georg Nelles am 10. Januar 2018

Am 10. Januar hat die Bundesregierung den von Bundesfamilienministerin Dr. Katarina Barley vorgelegten Bericht über die Auswirkungen der Regelungen zum ElterngeldPlus und zum Partnerschaftsbonus sowie zur Elternzeit beschlossen.

Seit der Einführung von ElterngeldPlus im Sommer 2015 nehmen immer mehr Eltern die Leistung in Anspruch: Im dritten Quartal 2017 haben sich 28 Prozent – in einigen Regionen sogar bis 38,5 Prozent – der Eltern, die Elterngeld beantragt haben, für das ElterngeldPlus entschieden. Mehr als drei Viertel der Beziehenden bewertet das ElterngeldPlus als “gute Sache”.

Der Wunsch nach mehr Zeit mit dem Kind ist für Mütter und Väter der wichtigste Beweggrund, die Leistung zu beantragen. Väter sehen zudem den Vorteil, einen größeren Anteil der Kinderbetreuung zu übernehmen und die Kinder partnerschaftlich zu erziehen. 41 Prozent der ElterngeldPlus beziehenden Väter hätten sich ohne das ElterngeldPlus weniger Zeit für die Betreuung des eigenen Kindes genommen.

Partnerschaftsbonus stärkt Väter in der Kinderbetreuung

Kinderbetreuung-Partnerschaftsbonus

Bei den Vätern ist der Partnerschaftsbonus besonders beliebt. Er stärkt eine partnerschaftliche Aufteilung der Kinderbetreuung zwischen den Eltern. In einzelnen Bundesländern entscheiden sich bis zu 40 Prozent der Väter, die ElterngeldPlus beantragen, zugleich für den Partnerschaftsbonus, im Bundesdurchschnitt sind es gut 27 Prozent.

Mit dem ElterngeldPlus, vor allem aber mit dem Partnerschaftsbonus, erfüllt sich für Eltern der Wunsch danach, sich die Betreuung des Kindes gleichmäßig aufzuteilen: Während des Bezugs von ElterngeldPlus betreuen 24 Prozent der Mütter und Väter ihr Kind etwa gleich viel, während der Partnerbonusmonate trifft dies auf 82 Prozent der Eltern zu.

Bei der Entscheidung für das Elterngeld Plus spielt bei den Vätern zudem mit 67 Prozent eine große Rolle, dass sie mit dem Elterngeld Plus einen höheren Anteil an der Kinderbetreuung übernehmen Weiterlesen »

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Wo Karriere und Kinder gut zusammengehen

Erstellt von Hans-Georg Nelles am 8. Januar 2018

KuK_Indey_DeFoEin neuer Index zur Vereinbarkeit von Beruf und Familie zeigt große Unterschiede in Europa: Während die skandinavischen Länder erwartungsgemäß am besten abschneiden, erreicht Schlusslicht Portugal nicht einmal ein Drittel der Höchstpunktzahl. Das zeigt eine neue Studie, in der die familienpolitischen Bedingungen, die Arbeitsmarktstruktur und soziale Normen in 30 europäischen Ländern untersucht wurden.

Bei dem Versuch, Kinder und Karriere zu vereinbaren, gibt es zahlreiche Stolpersteine: Chefs oder Unternehmen, für die flexible Arbeitszeiten und Homeoffice undenkbar sind, fehlende Betreuungsplätze für den Nachwuchs oder auch einfach nur eine soziale Umgebung, in der erwartet wird, dass die Mutter zu Hause bei den Kindern bleibt. Grob lassen sich diese Stolpersteine drei verschiedenen Gruppen zuordnen: familienpolitische Bedingungen, Arbeitsmarktstrukturen und soziale Normen.

Anna Matysiak vom Vienna Institute of Demography und Dorota Węziak-Białowolska von der Harvard University haben diese Bedingungen für die Vereinbarkeit von Beruf und Familie nun in 30 europäischen Ländern untersucht und verglichen. Herausgekommen ist ein Index, an dessen Spitze die skandinavischen Länder stehen.

Um überhaupt einen aussagekräftigen Index erstellen zu können, haben die beiden Wissenschaftlerinnen verschiedene Parameter in den Ländern untersucht. Für die familienpolitischen Bedingungen berücksichtigten sie zum einen die Kinderbetreuung, also wie viele Stunden die Kinder im Schnitt betreut werden, wie viele Kinder auf einen Erzieher kommen und wie viel ein Betreuungsplatz kostet. Zum anderen schauten sie auf die Bedingungen für Elternzeit und Elterngeld bei Müttern und Vätern sowie die Möglichkeit, bei einer Krankheit des Kindes zu Hause zu bleiben. Wie schwer oder leicht es Mütter auf dem Arbeitsmarkt haben, lasen die Autorinnen der Studie daran ab, wie viele Frauen ihre Arbeitszeit frei oder flexibel einteilen konnten, wie hoch der Anteil der gut bezahlten Teilzeitstellen ist und wie stark der (Wieder-) Einstieg in die Arbeitswelt erschwert wird.

Zu guter Letzt wurden noch die vorherrschenden sozialen Normen anhand von fünf Fragen analysiert. Ob eine arbeitende Mutter genauso gut für ihre Kinder sorgen kann wie eine Hausfrau oder ob der Vater ebenso wie die Mutter für die Betreuung der Kinder geeignet ist und zuständig sein sollte, wurde hier beispielsweise abgefragt. Verwendet wurden Daten aus den Jahren 2008 bis 2009.

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Man kann auch mit einem Vollzeitpensum ein sehr engagierter Vater sein

Erstellt von Hans-Georg Nelles am 2. Januar 2018

Im Gespräch mit Kari Kälin skizziert Markus Theunert, Leiter des schweizerischen Instituts für Männer- und Geschlechterfragen (SIMG) und Mitglied der Geschäftsleitung von Männer.ch Entwicklungslinien für Männer von morgen.

„… Das Volk wird über eine Initiative für vier Wochen bezahlten Vaterschaftsurlaub abstimmen. Reicht das aus, damit sich die Männer nachhaltig stärker um die Kinder kümmern?

Ja. Die internationale Erfahrung zeigt, dass ein kurzer Vaterschaftsurlaub genügt, um die Beteiligung der Männer an der Betreuungsarbeit zu steigern, vor allem, wenn sie ihn unmittelbar nach der Geburt beziehen.

Wieso ist der Zeitpunkt wichtig?

Frauen schütten rund um die Geburt das Fürsorge- und Bindungshormon Prolaktin automatisch aus. Es sorgt sozusagen dafür, dass man sich ins Baby «verliebt». Bei Männern passiert das nur, wenn sie schnell nach der Geburt einen engen Bezug zum Kind aufbauen. Ein unmittelbar nach der Geburt bezogener Vaterschaftsurlaub löst also einen biologischen Mechanismus aus, der die Bindung zum Kind stärkt. Untersuchungen zeigen zum Beispiel, dass Väter mit einem Vaterschaftsurlaub in der Nacht gleich häufig aufstehen wie die Mütter – und das noch ein Jahr nach dem Vaterschaftsurlaub. Väter ohne Vaterschaftsurlaub hören es hingegen nicht einmal, wenn das Kind weint.

Wer sich langfristig bei der Betreuungsarbeit engagieren will, kommt nicht darum, sein Pensum zu reduzieren. 20 Tage helfen doch da nicht weiter.

Da muss ich widersprechen. Man kann auch mit einem Vollzeitpensum ein sehr engagierter Vater sein. Der entscheidende Punkt ist, ob man allein Zeit mit den Kindern verbringt und sich somit gleichwertige Betreuungskompetenzen aneignet. Aber natürlich ist bei einem Vollzeitpensum in der intensiven Kleinkindphase schwierig, einen alltagsnahen Bezug zum Kind aufzubauen. Eine Intervention wie ein Vaterschaftsurlaub fördert aber den Wunsch nach mehr Betreuung. Viele Männer fassen deswegen vielleicht den Mut, ihr Pensum zu reduzieren, weil ihnen die Beziehung zum Kind wichtiger ist als das zweite Auto.

Was erwarten Sie von den Arbeitgebern?

Ein Umdenken. Die meisten Arbeitgeber kalkulieren den Ausfall der Mutter ein, erwarten aber den Vater kurz nach der Geburt wieder an seinem Arbeitsplatz zurück. Kommt der Vaterschaftsurlaub, müssen sich die Arbeitgeber zwangsläufig dafür interessieren, wie sie mit den frisch gebackenen Vätern umgehen, wie diese unter den neuen Umständen eine optimale Leistung erbringen können.

Sind die Arbeitgeber zu wenig familienfreundlich?

Bleiben wir fair. Arbeitgeber bieten heute viele Teilzeitstellen an. Damit die Arbeitnehmer das Angebot auch nutzen, braucht es aber einen Kulturwandel. Sonst haben sie berechtigterweise Angst, als Teilzeitler auf dem Abstellgleis zu landen. …

Lohnt sich für die Arbeitgeber ein Entgegenkommen?

Ja. Untersuchungen zeigen, dass Arbeitnehmer, denen die Arbeitgeber Flexibilität zugunsten der Familie einräumen, sehr treu sind, seltener krankheitsbedingt fehlen und eine höhere Produktivität aufweisen

Was erwarten Sie von der Politik?

Es ist aus fachlicher Sicht nicht einzusehen, weshalb das Volksschulsystem erst ab dem Kindergartenalter und nicht bereits in der Kleinkindphase einsetzen soll. Es besteht ein gesellschaftlicher Konsens, dass es die Volksschule als Bildungseinrichtung braucht – und es besteht ein fachlicher Konsens, dass die Jahre ab Geburt bis vier Jahre entscheidend sind für den die kindliche Entwicklung und den weiteren Bildungsverlauf. …

Sie sind verantwortlich für das nationale Programm MenCare, das die väterliche Betreuungsarbeit stärken soll. Das Programm läuft bis 2027. Sind bis dann Männer auf den Spielplätzen nicht mehr in der Minderheit?

Vermutlich immer noch. Aber sie werden immerhin keine Exoten mehr sein. Das sind sie heute – je nach Region und Wochentag.

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Rekord beim Elterngeld

Erstellt von Hans-Georg Nelles am 27. Dezember 2017

Mehr als 6,5 Milliarden Euro werden im laufenden Jahr wohl für das Elterngeld ausgegeben. Das ist ein neuer Rekord. Vor knapp zehn Jahren waren es etwa 2 Milliarden weniger. Die Ausgaben für das staatliche Elterngeld werden im laufenden Jahr einen neuen Rekordwert von mindestens 6,5 Milliarden Euro erreichen. Das geht aus aktuellen Zahlen des Bundesfamilienministeriums hervor.

Demnach lagen die Elterngeld-Ausgaben des Bundes in den elf Monaten von Januar bis November mit insgesamt rund 6,05 Milliarden Euro bereits nahezu auf dem Stand des gesamten Vorjahres von 6,1 Milliarden Euro. Im Monatsdurchschnitt 2017 gab der Bund für das Elterngeld rund 550 Millionen Euro aus.

Gründe für den Anstieg sind laut der Zeitung die leicht steigende Geburtenrate, höhere Gehälter der antragstellenden Eltern sowie mehr Väter oder auch Mütter, die die zusätzlichen zwei Partnermonate beanspruchen. Schon in den vergangenen Jahren war demzufolge das Elterngeld, das der Bund jungen Eltern nach der Geburt eines Kindes gewährt, kontinuierlich gestiegen. Betrugen sie 2008 noch 4,2 Milliarden Euro, erhöhten sie sich schrittweise auf 6,1 Milliarden Euro im vergangenen Jahr – und 2017 weiter auf voraussichtlich mindestens 6,5 Milliarden Euro.

Ich finde, das ist gut investiertes Geld: in die Entwicklung von Kindern, deren Väter in der Elternzeit eine intensive Beziehung zu ihnen aufbauen können und in die Stabilität von Beziehungen durch eine höhere Partnerschaftszufriedenheit. Mich würde nur noch interessieren, welchen Anteil die vier Partnerschaftsbonusmonate an den Ausgaben haben.

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(Nicht nur) Großbritanniens Väter brauchen faire Jobs

Erstellt von Hans-Georg Nelles am 22. Dezember 2017

Das Arbeitsrecht für Eltern sollte überarbeitet werden, beginnend mit einer gut bezahlten „Väterzeit” von 3 Monaten, so die Studie „Cash or carry“. Diese basiert auf der umfassendsten Untersuchung, die jemals in Großbritannien durchgeführt wurde, und zwar auf jahrzehntelanger Forschung über die Rolle von Vätern in Familien, die von der Nuffield Foundation finanziert wurde.

cah-or-carryDarin wird eine radikale Neuordnung des Arbeitsrechts empfohlen, um es Vätern und Müttern zu erleichtern, für ihre Familien zu sorgen und erwerbstätig zu sein. Von den Arbeitgebern wird erwartet, dass sie den Eltern eine gleichberechtigte bezahlte Elternzeit anbieten und Maßnahmen ergreifen, um die Inanspruchnahme durch die Väter zu fördern. Dies spiegelt die Erkenntnis wider, dass Väter genauso viel Zeit damit verbringen, sich direkt mit der Betreuung sehr kleiner Kinder zu beschäftigen wie Mütter in den 1960er Jahren.

Große Arbeitgeber, die bereits verpflichtet sind, Informationen über geschlechtsspezifische „Lohngerechtigkeit” zu veröffentlichen, sollten ebenfalls über die Verteilung der Care-Aufgaben berichten müssen, und angeben, wer welche Familienleistungen in Anspruch nimmt.

Die Studie hat auch ergeben, dass Anträge berufstätiger Väter auf flexible Arbeit fast doppelt so häufig abgelehnt werden wie die der Mütter und dass sie befürchten müssen, dass die Forderung nach flexibler Arbeit ihre Karriere schädigen wird. Arbeitgeber sind auch eher bereit, die Höhe des Mutterschaftsgeldes aufzustocken als Vaterschafts- oder Elternzeitgehälter, um weibliche Arbeitnehmer, aber nicht ihre männlichen Kollegen, bei der Inanspruchnahme der Elternzeit zu unterstützen.

Adrienne Burgess, die den Bericht verfasst hat und Geschäftsführerin des Fatherhood Instituts ist, sagte: „Die bestehende Beschäftigungspolitik und -praxis ist mit dem Leben und den Wünschen der Eltern unvereinbar. Sie verursacht bei Müttern und Vätern wirtschaftliche und persönliche Not und schadet den Kindern. Dieser Arbeitsplan gibt beiden Elternteilen eine gleichberechtigte Plattform, um ihr Bestes für ihre Kinder zu geben.”

Einige wichtige Eekenntnisse aus dem Bericht:

1. Die Fürsorge der Väter hat zugenommen. Die heutigen Väter verbringen so viel Zeit damit, sich direkt mit der Betreuung sehr kleiner Kinder zu beschäftigen, wie die Mütter in den 1960er Jahren. Dies geschieht vor allem durch die Reduzierung der persönlichen Zeit – und des Schlafes. Wenn die Zeit, die für das Erwerben und die Pflege aufgewendet wird, kombiniert wird, arbeiten Väter an Wochentagen länger als Mütter.

2. Kinder entwickeln sich besser mit guter Pflege durch ihre Väter. Die Ergebnisse der Kinder sind besser, wenn ihr Vater sie während ihres ersten Lebensjahres regelmäßig „solo” betreut hat. Umgekehrt ist die lange Arbeitszeit von Vätern von Säuglingen mit Verhaltensproblemen bei Kindern im Alter von 9-11 Jahren verbunden.

3. Arbeitgeber diskriminieren Väter. Weiterlesen »

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Vaterschafts- und Elternzeitpolitiken in der Europäischen Union

Erstellt von Hans-Georg Nelles am 29. November 2017

Leave_policiesTrotz der positiven Auswirkungen der Inanspruchnahme von Vaterschafts- und Elternzeiten durch Väter auf eine Reihe von wirtschaftlichen, sozialen und demografischen Ergebnissen ist die derzeitige Inanspruchnahme von Elternzeit durch Väter in Europa gering. Die vorliegende Untersuchung hat gezeigt, dass es eine Vielzahl von miteinander verflochtenen Faktoren gibt, die die Inanspruchnahme der Elternzeiten durch Väter beeinflussen, darunter die Höhe der Entschädigung, die Verfügbarkeit erschwinglicher Kinderbetreuungseinrichtungen, die Flexibilität der Regelungen, geschlechtsspezifische Normen und kulturelle Erwartungen. In diesem Forschungsbericht werden die verschiedenen politischen Ansätze, die sich mit der Inanspruchnahme von Vaterschaftsurlaub und Elternzeit befassen beschrieben, und die Zusammenhänge zu der jeweiligen Inanspruchnahme durch Väter diskutiert. Abschließend werden die wesentlichen Hindernisse für die Inanspruchnahme benannt und politische Maßnahmen identifiziert, die geeignet sind die Akzeptanz zu erhöhen.

Das niedrige oder fehlende Entschädigungsniveaus während der Elternzeit ist zwar ein Schlüsselfaktor dafür, warum Väter Elternzeit in Anspruch nehmen oder nicht, die Zunahme der Nutzung von Elternzeit in einigen Ländern ist aber in erster Linie auf eine kongruente ineinandergreifende Familienpolitik zurückzuführen, die Doppelverdienerfamilien dabei unterstützt, Beruf und Familie auf nachhaltige Weise miteinander zu vereinbaren.

Dazu gehören Maßnahmen, die Väter direkt zur Inanspruchnahme von Urlaub ermutigen, wie z.B. gut kompensierte individuelle Elternzeitansprüche, Maßnahmen, die darauf abzielen, eine nachhaltige Lösung für die Herausforderungen der Vereinbarkeit von Berufs- und Familienleben zu finden, wie z.B. flexible und an die individuellen Bedürfnisse angepasste Elternzeitregelungen, aber auch Maßnahmen zur Veränderung der Arbeitskultur.

Wichtige Ergebnisse

  • Niedrige oder fehlende Vergütungsniveaus während der Elternzeit sind ein Schlüsselfaktor dafür, ob Väter sie in Anspruch nehmen oder nicht nehmen können.
  • Auswahlkriterien haben direkten Einfluss darauf, wer in Elternzeit gehen kann.
  • Flexibilität bei der zeitlichen Planung der Aufnahme wirkt sich positiv auf die Aufnahme aus.
  • Verfügbarkeit und Zugang zu Kinderbetreuungsangeboten stehen in einem positiven Zusammenhang mit der Inanspruchnahme.
  • Das Steuersystem kann negative Anreize für die Inanspruchnahme von Elternzeit schaffen.
  • Kulturelle Normen und Überzeugungen beeinflussen die Aufnahme

Die Studie können Sie hier herunterladen

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Deutschland braucht ein zeitgemäßes Familienrecht

Erstellt von Hans-Georg Nelles am 12. November 2017

In einer gemeinsamen Erklärung fordern 60 WissenschaftlerInnen sowie im Bereich von Trennung und Scheidung tätige Professionelle und VertreterInnen einschlägiger Verbände die Politik auf, das deutsche Familienrecht grundlegend zu reformieren. Aus Sicht der UnterzeichnerInnen ist ein Paradigmenwechsel dringend notwendig: Weg vom „Alleinerziehen“ nach einer Trennung der Eltern, hin zum „gemeinsam Getrennterziehen“. Kernelement der Forderung ist das Leitbild der Doppelresidenz (Wechselmodell), also dass Kinder nach einer Trennung abwechselnd bei Mutter und Vater leben, wenn dies möglich ist und dem Kind nicht schadet. Dieses Leitbild hat 2015 auch der Europarat in einer Resolution gefordert.

„Die vorliegenden Ergebnisse der empirischen Sozialforschung belegen eindrücklich die Stärken und Vorteile gemeinsamer Elternschaft in Form der Doppelresidenz“ erklärt Hildegund Sünderhauf. Die Professorin für Familienrecht an der Evangelischen Hochschule Nürnberg hatte 2013 eine Studie zum Wechselmodell veröffentlicht. Darin wurde erstmals in Deutschland ein Überblick über den internationalen Forschungsstand sowie eine rechtliche Würdigung des Wechselmodells gegeben.

Marc Serafin, Leiter des Jugendamts der Stadt Niederkassel (bei Köln/Bonn) ergänzt: „Wichtig ist, dass Kinder nicht im Streit Ihrer Eltern aufgerieben werden. Anteilige Elternschaft in Form von Doppelresidenz bewahrt Kinder davor, sich für einen Elternteil entscheiden zu müssen und schützt sie dadurch eher vor Loyalitätskonflikten“. Wichtig sei aber auch, dass man Streit zwischen den Eltern beilegt und ihnen dazu besser als bisher Unterstützungsangebote an die Hand gebe. Dabei seien elterliche Gleichstellung, der Einsatz von Mediation und eine dynamisierte Lastenverteilung beim Unterhalt, wesentliche Elemente.

„Familienleben ist heute durch die gemeinsame Verantwortung beider Eltern gekennzeichnet. Mütter möchten nicht nur auf die Zuständigkeit für Kinder, Haushalt und Familie reduziert werden. Väter übernehmen in immer größerem Maße Verantwortung im Haushalt und wollen eine aktivere Rolle in der Kinderbetreuung wahrnehmen. Die Doppelresidenz bietet beiden die Chance, die Anforderungen des Berufslebens mit dem der Familie auch nach einer Trennung gemeinsam unter einen Hut zu bringen“ meinen Cornelia Spachtholz und Markus Witt. Die Beiden sind gemeinsam Sprecher des Bündnisses doppelresidenz.org und davon überzeugt, dass sich die Verantwortung für Kinder nach einer Trennung gemeinsam besser bewältigen lässt als nur durch einen Elternteil. Mütter und Väter sollten nicht gegeneinander arbeiten, sondern als Elternteam gemeinsam getrennt erziehen.

Eine Studie des Demoskopischen Instituts Allensbach hatte im Juli 2017 gezeigt, dass die überwiegende Mehrheit der getrenntlebenden Eltern es sich wünscht, ihre Kinder weiterhin gemeinsam erziehen zu können. Vor allem soll es den Kindern den für ihre Entwicklung wichtigen Kontakt zu beiden Eltern dauerhaft und umfangreich sichern. Die Studie hatte auch gezeigt, dass getrennt erziehende Eltern sich seitens der Politik mehr staatliche Unterstützung wünschen.

Bei den Verhandlungen über eine mögliche Jamaika Koalition findet diese Forderung momentan keine Mehrheit. FDP, Grüne und Union finden zwar überraschend viele Gemeinsamkeiten in der Familienpolitik. Doch diesen Paradigmenwechsel wollen Union und Grüne nicht mittragen. Die FDP hatte gefordert, das sogenannte Wechselmodell für Kinder bei einer Trennung der Eltern zur Regel zu machen.

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Bamberg stellt erstes Väterprogramm vor

Erstellt von Hans-Georg Nelles am 7. Oktober 2017

BambergerImmer mehr Väter äußern den Wunsch, mehr Zeit mit ihren Kindern verbringen zu wollen und eine aktive Rolle in der Kindererziehung zu übernehmen. Um diesem Wunsch gerecht zu werden, wurde nun das erste Bamberger Väterprogramm aufgelegt, das im „Männerschuppen“ des Diakonievereins Bamberg in der Alten Seilerei vorgestellt wurde.

Das Programm beinhaltet Aktivitäten und Projekte, die Väter in ihrer Elternrolle stärken, damit sie noch kompetenter und aktiver das Aufwachsen ihrer Kinder begleiten können. Außerdem geht es um Anregungen, wie die Vereinbarkeit von Familie und Beruf besser gelingen kann. Jahrelang standen ausschließlich Mütter im Fokus der öffentlichen Familiendiskussion, jetzt sollen auch Väter verstärkt ins Boot geholt werden. „Die meisten Mütter und Väter wollen heute das Arbeits- und Familienleben partnerschaftlich aufteilen“, erläuterte Bürgermeister Dr. Christian Lange. „Das wollen wir als Stadt unterstützen und haben deshalb erstmals ein Väterprogramm auf den Weg gebracht.“

Initiiert und auf die Beine gestellt wurde das Programm von Bertrand Eitel, Leiter des Fachbereichs Integration, Ehrenamt und Familie der Stadt Bamberg, sowie von der Familienbeauftragten der Stadt Bamberg, Gisela Filkorn, und der stellvertretenden Gleichstellungsbeauftragten, Birgit Schröbel. Zusammen mit verschiedenen Kooperationspartnern und Veranstaltern haben sie sich viele spannende Angebote einfallen lassen. Bertrand Eitel betonte: „Das Bamberger Väterprogramm möchte die Öffentlichkeit für das Thema sensibilisieren und betriebliche Hindernisse, sowie gesellschaftliche Vorurteile zur Diskussion stellen.“ Damit seien laut Eitel die Väter nach wie vor stark konfrontiert.

Das Programm bietet Infoveranstaltungen nur für Väter, sowie viele gemeinsame Vater-Kind-Aktivitäten. Diese sind unterteilt nach Altersgruppen der Kinder beginnend ab 3 Jahren und enden mit 14 Jahren.

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Familien sind in Bewegung. Hält die Familienpolitik Schritt?

Erstellt von Hans-Georg Nelles am 18. September 2017

Der in der letzten Woche erschienene Familienreport des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend informiert über Entwicklungen und Trends der letzten Jahre und stellt neue Erkenntnisse vor, was Eltern und Kinder in Deutschland heute bewegt:

„Mütter und Väter wollen heute Beruf und Familie partnerschaftlich leben und das auch im Falle einer Trennung oder Scheidung. Kinder wollen, dass beide Elternteile erwerbstätig sind und gleich oder ähnlich viel Zeit für die Familie haben. …

Ein stärkerer Wunsch der Väter nach Übernahme von Kinderbetreuungs-und Familienaufgaben hat sich zu einem gesamtgesellschaftlichen Trend entwickelt. Deutlich über 50 Prozent der Väter würden sich wünschen, die Hälfte bzw. mehr als die Hälfte der Kinderbetreuungsaufgaben zu übernehmen. Zudem wünschen sich 79 Prozent der Väter mehr Zeit für die Familie; viele möchten dafür beruflich etwas kürzertreten. Mehr als die Hälfte der Väter würde gerne weniger Zeit mit Erwerbsarbeit verbringen.“

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Der Familienreport 2017 stellt die Lebenslagen und Einstellungen von Familien in Deutschland und die Maßnahmen, mit denen Familienpolitik sie unterstützt, umfassend dar. Neben aktuellen statistischen Daten zum Zusammenleben wird die wirtschaftliche Situation von Familien und deren Bedeutung für das Aufwachsen von Kindern beleuchtet. In den aktuellen Erkenntnissen spiegeln sich die Wünsche und Bedürfnisse von Eltern und Kindern ebenso wie der wachsende Trend zu mehr Partnerschaftlichkeit. Darüber hinaus wird die wichtige Rolle der Unternehmen deutlich, die diese bei einer guten Vereinbarkeit von Familie und Beruf spielen.

Der Familienreport befasst sich auch mit den Chancen und Risiken der Digitalisierung für Familien sowie mit den Studien über gesamtwirtschaftliche Renditen von Investitionen in Betreuungsinfrastruktur. Im letzten Kapitel „Sicht der Bevölkerung“ stehen Wünsche der Menschen im Mittelpunkt, die aus aktuellen demoskopischen Studien hervorgehen – einschließlich der damit verbundenen Erwartungen an die Politik.

Den aktuellen Familienreport finden Sie hier.

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Kinder sind bei tatsächlich geteiltem Sorgerecht weniger gestresst

Erstellt von Hans-Georg Nelles am 17. September 2017

Kinder, die überwiegend bei einem Elternteil leben, sind eher gestresst als jene, die zwei Zuhause haben. Die Vorteile überwiegen – und das unabhängig vom Ausmaß des Konflikts zwischen den Eltern oder zwischen einem Elternteil und dem Kind. Zu diesem Ergebnis kommen Forscher der Universität Stockholm.

Eine Erklärung für die Vorteile der Doppelresidenz könnte sein, dass Kinder, welche die meiste Zeit ohne einen Elternteil leben, Ressourcen wie Verwandte, Freunde und Geld verlieren. Frühere Studien hatten auch ergeben, dass Kinder sich Sorgen über den abwesenden Elternteil machen, was laut Forschungsleiter Jani Turunen zu mehr Stress führt.

Dass Kinder, die Vollzeit mit einem Elternteil leben, psychisch in schlechterem Zustand sind, ist erwiesen. Die aktuelle Studie untersuchte jedoch gezielt Stress. Geteiltes physisches Sorgerecht bedeutet, dass das Kind tatsächlich gleich viel oder fast gleich viel Zeit mit beiden Eltern in zwei getrennten Haushalten verbringt. Für die Studie wurden Daten der “Surveys of Living Conditions in Schweden” für die Jahre 2001 bis 2003 und Registerdaten herangezogen.

Schweden gilt oft als Vorreiter bei neuen Familienformen und beim Verhalten bei Scheidung, Schwangerschaft und Familienrekonstruktion. Daher sind die Ergebnisse der Studie für die heutige Situation in vielen europäischen Ländern relevant. Laut Turunen entspricht sie jener in Schweden vor 15 Jahren. Für die Umfrage beantworteten 807 Kinder mit verschiedenen Wohnformen Fragen zur Stresshäufigkeit und wie gut oder schlecht sie mit ihren Eltern auskamen. Die Eltern gaben an, wie gut das Verhältnis zu ihrem früheren Partner war.

Die im „Journal of Divorce & Remarriage” veröffentlichten Studienergebnisse zeigen, dass Kinder, die nur mit einem Elternteil leben, wahrscheinlicher mehrmals in der Woche gestresst sind. Das gilt auch dann, wenn die Eltern eine schlechte Beziehung zueinander haben oder wenn die Kinder mit beiden schlecht auskommen. Die Sorge, dass geteiltes physisches Sorgerecht durch eine instabile Lebenssituation zu mehr Stress für die Kinder führen könnte, beruht laut Turunen auf theoretischen Annahmen und nicht auf empirischer Forschung.

Kinder in dieser Lebensform sind gestresst, weil sie eine aktive Beziehung zu beiden Elternteilen haben. Sie ist laut früheren Studien für das Wohlbefinden von Kindern wichtig. Die Kinder nehmen die Beziehung als besser wahr und beide Elternteile können in ihrer Rolle aktiver sein. Das Leben mit beiden Eltern bedeutet für die Kinder keine Instabilität. Es handle sich nur um die Anpassung an eine andere Wohnsituation. Regelmäßiger Wechsel zwischen den Haushalten und ein guter Kontakt bringe vielmehr Stabilität.

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