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Bei Vätern wird Vollzeitpräsenz erwartet

Erstellt von Hans-Georg Nelles am Freitag 9. September 2011

Im Gespräch mit Mathias Morgenthaler äußert sich Margret Bürgisser, Autorin der kürzlich erschienenen Bücher „Beruf und Familie vereinbaren – aber wie?“ und „Vereinbarkeit von Beruf und Familie – auch für Männer. Herausforderungen, Probleme“ zu den Hindernissen auf dem Weg zu einem partnerschaftlichen Aufgabenverteilung.

„… Heute arbeiten nur sieben Prozent der Väter Teilzeit, ein großer Teil definiert sich primär über die Arbeit. Sehr viel hat sich offenbar nicht verändert im Vergleich zur Generation Ihrer Eltern.

Aus zahlreichen Gesprächen, die ich mit berufstätigen Vätern in den letzten Jahren geführt habe, weiß ich: Vielen Männern ist die Vereinbarkeit von Beruf und Familie ein echtes Anliegen. Sie wollen nicht nur Feierabend- und Wochenendväter sein, sondern sich auch an der Familienarbeit beteiligen. Aber der Arbeitsmarkt macht es ihnen nicht leicht. Die meisten Arbeitgeber haben zwar begriffen, dass sie den Frauen Teilzeitstellen anbieten müssen – und sei es nur, um ihre Vakanzen gut besetzen zu können. Von Männern erwarten sie aber unverändert Vollzeitpräsenz. Deswegen kämpfen Männer mit anderen Problemen als Frauen. Frauen haben in der Regel Mühe, wenn sie Karriere machen wollen. Männer kämpfen gegen Widerstände, wenn sie mehr Zeit mit der ­Familie verbringen und sich im Beruf nicht völlig verausgaben wollen.

Sind daran wirklich die Arbeitgeber schuld?

Nicht nur. Wir wissen aus verschiedenen Studien, dass viele junge Männer den festen Vorsatz haben, später einmal ein fürsorglicher, präsenter Vater zu sein. Dieser Vorsatz führt aber vielfach nicht zu tragfähigen Handlungen. Zu tief sitzt die Angst vor einem Imageverlust, vor dem Mangel an Anerkennung. Männer sind stärker ergebnisorientiert als Frauen, und sie stehen unter großem Druck, beruflich erfolgreich zu sein und einen guten Lohn zu verdienen. Eine Frau ist als Kleinkindererzieherin heute voll akzeptiert und für Männer attraktiv, ein Mann in einem Niedriglohnberuf hat deutlich schlechtere Chancen auf dem Partnermarkt. Frauen suchen – ob bewusst oder unbewusst – oft einen Partner, der viel verdient und das materielle Rückgrat der Familie sein kann.

Die egalitäre Rollenteilung bleibt also eine Utopie?

Gemäß neusten Studien leben nur gerade vier Prozent der Paare eine egalitäre Rollenteilung mit etwa gleichen Arbeitspensen im Erwerbsleben und in Familien- und Hausarbeit. Es gibt natürlich strukturelle Hindernisse: Der Lohnunterschied zwischen Mann und Frau ist noch immer beträchtlich. Spätestens ab dem zweiten Kind wird die egalitäre Rollenteilung finanziell für viele Paare unattraktiv: Die Familie zahlt drauf, wenn die Frau auf ihrem Zweitverdienst beharrt und die Kinder in die Krippe gehen. Aber es gibt eben nicht nur die strukturellen Probleme. Es mangelt den Männern auch an Vorbildern. Der 100-Prozent-Job mit Führungsverantwortung ist nach wie vor das von vielen angestrebte Ideal. Im Vordergrund stehen Prestige, Macht, Geld, Leistung. …

Es gibt doch heute viele Männer, welche die Prioritäten bewusst anders setzen.

Selbstverständlich, ich habe ja einige von ihnen für mein Buch interviewt. Aber es war nicht einfach, Beispiele mit Vorbildfunktion zu finden. Und steile Karrieren sind nicht möglich, wenn ein Mann sich gleichzeitig in der Familie engagieren will. Auf der obersten Ebene sind uneingeschränkte Präsenz- und Leistungsbereitschaft noch immer unabdingbar. …’

Quelle

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Ein Kommentar zu “Bei Vätern wird Vollzeitpräsenz erwartet”

  1. sebi-rockt sagt:

    Diese Erfahrungen decken sich mit meinen eigenen. Auf der Suche nach einem Teilzeitjob (das ist aber schon ein paar Jahre her) habe ich unzählige Absagen bekommen. Auf Nachfrage habe ich oft gehört, dass die Teilzeitjobs lieber an Mütter vergeben werden, weil die sich um die Kinder kümmern müssten. Mein Grund war der Gleiche und die Qualifikation war in Ordnung, das hat aber nicht interessiert.

    Da frage ich mich: „Wo bleiben die Gleichstellungsbeauftragten?“ In Goslar fliegen Sie direkt raus, bei Männerthemen!

    Das Problem existiert aber nicht nur bei funktionierenden Familien sondern im auch nach einer Trennung. In fast allen Fällen bleiben die Kinder zum Teil wider jegliche Vernunft bei den Müttern und die Väter müssen genug Geld für Unterhalt erwirtschaften. Bei mehreren Kindern wird das schnell zum Problem. Wenn der Umgang dazu auf das Wochenende eingeschränkt wird, was ich ohnehin als Menschenrechtsverletzung sehe, bedeutet dies dass der Unterhaltsverpflichtete Vater an Freitagen und Samstagen nicht für den Arbeitsmarkt zu Verfügung steht. Das macht ihn für den Arbeitsmarkt nicht atraktiver. Wenn der Vater nicht auch noch auf das letzte bisschen Zeit mit seinen Kindern verzichten will, verzichtet er somit auf einen besseren Job und das dazugehörige Geld. In der Folge kommen dann die Aufforderungen von Jugendämtern, Familiengerichten mehr Geld für Unterhalt zu erwirtschaften. An diesem Punkt beisst sich die Katze in den Schwanz.
    Selbst an Männern, den Trotteln der Nation, kann man nicht in zwei Richtungen gleichzeitig ziehen, ohne dass es übelste Folgen für den Mann hat.

    Mein Name ist Sebi und ich bin Pirat

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