der VÄTER Blog

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‚Das Geld ist es allemal wert’

Erstellt von Hans-Georg Nelles am Mittwoch 30. September 2009

Im Gespräch mit Anja Baumgart-Pietsch vom Wiesbadener Tagblatt nennt der Organisationsberater Hans-Georg Nelles gute Gründe für Unternehmen, sich über die Elternzeit von Vätern zu freuen:

Haben Sie das Gefühl, dass sich der Wertewandel bei Vätern langsam durchsetzt – Stichwort Erzieher, nicht nur Ernährer – oder ist der Weg dorthin noch lang?

Dieser Wandel hat sich bereits vor 25 Jahren abgezeichnet und seitdem immer weiter verstärkt. Bereits in der zweiten von der Frauen Zeitschrift Brigitte durchgeführten Befragung Mitte der 80er Jahre haben sich die neuen Väter verbal “geoutet”. Es ist wesentlich, dass zu dem Wollen und Können, das zweifelsfrei vorhanden ist, auch das Dürfen hinzukommt. Da ist vor zweieinhalb Jahren mit der Neuregelung der Elternzeit ein wichtiger Schritt gemacht worden, weitere müssen folgen.

Welche Erfahrungen haben Sie mit Unternehmen gemacht? Steht man dem Anliegen, Väter zu fördern, offen gegenüber, oder ist es noch ein großer Kampf? Gibt es besonders offene Branchen, oder ist dies rein von persönlichen Faktoren abhängig?

Väterförderung ist kein Unternehmenszweck. Aber Unternehmen, die die persönlichen Anliegen ihrer Beschäftigten ernst nehmen, und dazu gehört zunehmend der Wunsch von Vätern die Elternzeit zu nutzen, werden im Wettbewerb um qualifizierte Beschäftigte vorn liegen und diese Mitarbeiter auch an ihr Unternehmen binden können. Es kommt ja nicht nur darauf an, die Krise zu überstehen, sondern sich auch darauf vorzubereiten, nach der Krise mit motivierten Beschäftigten durchstarten zu können. Mit dieser Sichtweise sind innovative und technologieorientierte Betriebe schon mehr vertraut als Unternehmen, die ein hohes Durchschnittsalter der Belegschaft und in den letzten Jahren nur wenige Neueinstellungen vorgenommen haben. Mein Eindruck ist aber, dass es in jedem Fall auf die handelnden Personen ankommt, den Inhaber oder die Personalverantwortlichen, die sich vorstellen können müssen, dass junge Männer heute andere Werte und Vorstellungen von Vaterschaft im Kopf haben als sie selbst und auch auf die Väter, die ihre Vorstellungen bei der Einstellung natürlich äußern und einfordern müssen.

Kann sich überhaupt jede Familie eine “Elternzeit” des Vaters leisten?

Das Elterngeld beträgt 67 Prozent des Nettoeinkommens. Die Zeit ist also in jedem Fall mit einem Einkommensverlust verbunden. Es mag demnach Familien geben, die aus finanziellen Gründen auf die Elternzeit des Vaters verzichten müssen. Meiner Erfahrung nach ist es aber in der Regel nicht die Frage “Können wir auf das Geld verzichten?”` sondern “Wollen wir diese Erfahrung machen?” Das Geld ist es allemal wert!

Was ist aus Ihrer Sicht das wichtigste Argument aus Sicht eines Vaters, der seinen Arbeitgeber davon überzeugen möchte, dass er in Elternzeit gehen will?

Eigentlich braucht ein Vater ja seinen Arbeitgeber nicht zu überzeugen, es ist sein gutes Recht, Elternzeit in Anspruch zu nehmen. Es ist aber in jedem Fall von Vorteil, sich gut auf das Gespräch vorzubereiten, da einige Fallen` aufgestellt sein könnten: Der Chef könnte “Enttäuschung” zeigen: “Ich weiß ja, das ist Ihr gutes Recht, aber von Ihnen habe ich mehr Engagement für die berufliche Entwicklung erwartet. Eigentlich wollte ich Sie für die anstehenden Beförderungen vorschlagen.” Er kann versuchen ihm klarzumachen, dass das familiäre Engagement keine verlorene Zeit ist, sondern eine Möglichkeit neue Erfahrungen zu machen und soziale Kompetenzen zu stärken. Und wenn der Betrieb ihm wirklich Knüppel zwischen die Beine werfen möchte, dann wäre es sicherlich über kurz oder lang auch an einer anderen Stelle zu einem Bruch gekommen. Das was er verpassen würde, lässt sich auf jeden Fall nicht nachholen.

Quelle

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