der VÄTER Blog

lebe deinen Traum!

Die Macht der inneren Bilder …

Erstellt von Hans-Georg Nelles am Samstag 28. März 2009

… oder warum Schimanski nie Jobangst hatte erklärt Gerald Hüther im Gespräch mit Focus Online. Der Hirnforscher beschreibt anschaulich, wie Existenzängste entstehen können und wie neue Erfahrungen, Vertrauen in sich selbst und in seine Freunde helfen die Angst zu vertreiben.

FOCUS: Wann genau entsteht dann Existenzangst?

Hüther: Eine lebensbedrohliche Situation, Krieg, Folter oder eine sehr schwere Krankheit können Existenzängste auslösen. Aus der Forschung wissen wir, dass es nicht das objektive Ereignis ist, das bei allen Menschen in der gleichen Situation Angst auslöst. Vielmehr entscheidet die subjektive Bewertung, ob uns etwas Angst macht oder nicht.

FOCUS: Das heißt, der eine Opel-Mitarbeiter gerät durch seinen möglichen Jobverlust in eine persönliche Krise, der andere nicht?

Hüther: Es kommt maßgeblich darauf an, wie sehr jemand seine gesamte Existenz, seine Identität und seinen Lebensinhalt an seinen Job und sein Einkommen gekoppelt hat. Wenn das so ist, hat er ein Problem.

FOCUS: Wie können wir uns vor einer solchen Situation schützen?

Hüther: Es gibt Menschen, die neben ihrem Einkommen und ihrer Beschäftigung in einem Betrieb auch noch anderen Dingen im Leben eine große Bedeutung beimessen. So zum Beispiel dem Interesse an der Arbeit an sich. … Eine lebendige Partnerschaft, Familie, Kinder, Freundschaften sowie die enge Anbindung an eine Gemeinschaft sind für diese Menschen wesentliche Teile des Lebens. Sie fühlen sich gebraucht und dazugehörig. So entstehen Unabhängigkeit und Stärke. …

FOCUS: Wie erklären Sie als Hirnforscher die Immunität einiger Menschen gegen Stress und Angst? Sind das besondere Persönlichkeiten?

Hüther: Sie sind souverän und authentisch. Sie lassen sich von außen nicht durch Katastrophenmeldungen verunsichern. Sie sind stressresistent. Stellen Sie sich eine gestandene Persönlichkeit wie zum Beispiel Götz George alias Schimanski vor. Glauben Sie, der hatte je Jobangst? …

FOCUS: Was ist, wenn von meinem Einkommen eine ganze Familie abhängt?

Hüther: Hier gibt es zwei Möglichkeiten. Entweder der Partner sagt, es ist nicht so schlimm, wir kämpfen uns da durch. Das Glück hängt nicht am Haus. Dann trägt dieses Gefühl. Oder aber die Familie gerät in Panik, wenn etwa auf dem Lebenskonzept mit einem bestimmten Lebensstil beharrt wird. Dann kann die Angst sehr groß werden. …

FOCUS: Wie entstehen denn nun Stress und Angst?

Hüther: Stellen Sie sich das Gehirn als eine Zwiebel mit mehreren Schichten vor, die nacheinander erregt werden können. Es geht meistens damit los, dass die Realität nicht unseren Erwartungen entspricht. Diese Diskrepanz löst Verunsicherung aus. Wird sie zu groß, entsteht eine Übererregung in der äußersten Zwiebelschicht unseres Denkorgans, dem Frontalhirn, das für komplexe Aufgabenlösungen zuständig ist. Die zu starke Erregung in diesem Bereich hat zur Folge, dass wir keine komplizierten Aufgaben mehr lösen können. Jetzt geht es mit dem Fahrstuhl der Angst nach unten, Schicht für Schicht. …

FOCUS: Wie kommt jemand aus diesem Angstzustand wieder heraus?
Hüther: Er muss Vertrauen zurückgewinnen. Zum einen in die eigenen Fähigkeiten. Er müsste die Erfahrung machen, dass er doch etwas bewirken kann, auch dass ihm andere bei den Problemen helfen, die er nicht allein lösen kann. Und als Letztes müsste er auch darauf vertrauen können, dass es trotzdem immer wieder weitergeht, dass das Leben einen Sinn hat.

FOCUS: Wie soll denn jemand, der in die Kurzarbeit geschickt wird, Vertrauen fassen?

Hüther: Ich habe mit Männern gesprochen, die auf Grund ihrer Kurzarbeit jetzt wieder mehr mit ihren Kindern und ihrem Partner unternommen haben und plötzlich wieder ein engeres Verhältnis zu ihnen aufbauen konnten. Sie erleben sich als liebevollen Vater, der gebraucht wird und etwas Sinnvolles tut. Das mobilisiert enorme Kräfte. Ihr Leben erfährt – wenn auch erzwungenermaßen – eine neue Perspektive. Die Menschen stellen fest: Der Job ist nicht alles. Das macht sie angstfreier, gelassener – und dann auch zufriedener im Leben.

Quelle

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