Geld allein macht keine modernen Väter …
Erstellt von Hans-Georg Nelles am Freitag 20. März 2009
Das Sein bestimmt das Bewusstsein und das Elterngeld, das seit gut zwei Jahren gezahlt wird, hat die Anzahl der Väter, die die Partnermonate in Anspruch nehmen, in die Höhe schnellen lassen. Die am vergangenen Mittwoch in Berlin vorgestellte Männerstudie hat aber deutlich gemacht, dass diese Entwicklung auch von Faktoren bestimmt wird, die nicht so einfach zu bestimmen sind wie die Höhe des Elterngelds oder die Anzahl der Vätermonate.
Einer der Autoren der Studie, Prof. Zulehner aus Wien, formulierte es so: ‚ich bin mit meinem Forschungsansatz ein sozialer Konstruktivist, aber ich bin unsicher darüber, was wir erfinden können und was wir (vor) finden und (noch) nicht erklären können.’
Es hat auf jeden Fall etwas mit den Bildern von dem, was wir als männlich und weiblich halten und wofür wir Männer und Frauen besser geeignet halten bzw. welche Aufgaben und Rollen ihnen zugeschrieben werden, zu tun.
Ein Artikel in der Basler Zeitung, der sich mit der schwedischen Familienpolitik auseinandersetzt, gibt Hinweise darauf, wo und wie diese Bilder mächtig werden.
Schweden ist bekannt für seine großzügige Regelung: Der Staat bezahlt bei Nachwuchs 480 Tage lang 80 % eines Verdiensts. Mütter und Väter können den Elternurlaub untereinander aufteilen. Nicht selten übernimmt der Arbeitgeber zusätzlich noch einen Teil des Lohnausfalls.
Die Gründe für diese Großzügigkeit sind offensichtlich: einerseits sollen die Frauen ermutigt werden, der Arbeitswelt erhalten zu bleiben, anderseits soll die traditionelle Rollenverteilung «Mann = Ernährer, Frau = Mutter» aufgeweicht werden. Das Modell ist unumstritten, keine Partei, kein Wirtschaftsverband und auch nicht die Bevölkerung, welche die staatliche Familienförderung mit hohen Steuern von durchschnittlich 50 % bezahlt, stellt das System in Frage.
Vordergründig scheint die Rechnung aufzugehen: Schweden stellt mit 76 % den weltweit höchsten Anteil berufstätiger Frauen, verglichen mit 80 % bei den Männern, was der Volkswirtschaft natürlich zugute kommt. Bei der Arbeitsproduktivität liegt Schweden nach Südkorea an zweiter Stelle. Männer nehmen ihre elterliche Verantwortung ungezwungen wahr, sei es auf dem Spielplatz oder bei der Kinderärztin. Niemand käme auf die Idee, Hausmänner als «Softies» zu bezeichnen.
Doch von den Zielen einer nach Geschlecht ausgeglichenen Familien- und Berufswelt ist auch Schweden weit entfernt. Lediglich 21 % der Väter machen länger als 2 Monate Elternurlaub. Das liegt auch an der Haltung vieler Arbeitgeber, die von einer längeren Väterzeit nicht begeistert sind.
Gegen eine längere Elternzeit der Väter spricht auch die dezidierte Einstellung der schwedischen Gesellschaft, was die Betreuung von Babys anbelangt. Kinder früher als mit anderthalb Jahren in eine Krippe zu schicken, wird als Vergehen an ihnen betrachtet.
Keine Tagesstätte bietet Babyplätze an, weil die Eltern überzeugt sind, das Kleinkind brauche im ersten Lebensjahr vor allem die Mutter rund um die Uhr. Der gesellschaftliche Druck zu stillen ist hoch. Die meisten Schweden führen das auf ihre Naturverbundenheit zurück.
Tatsächlich scheint die schwedische Gesellschaft trotz allen Anreizen für die gleichberechtigte Familien- und Berufsentwicklung in manchen Belangen rückständiger zu sein als die in eher konservativen Ländern. Das zeigt sich auch in einem eher zweitrangigen Bereich, nämlich der Hauspflege. Bis vor kurzem war es geradezu verpönt, sich eine Haushaltshilfe zu leisten.
Die externe Hilfe beschränkt sich fast ausschließlich auf Reinigungspersonal. Kinderbetreuerinnen werden selten vermittelt. Vier von fünf Kindern besuchen nach dem Elternurlaub bis zum Schuleintritt mit sieben Jahren eine Kindertagesstätte und im Schulalter nach dem Unterricht betreute Aufgabenstunden. Sie werden um 8.30 Uhr zur Schule gebracht und um 16.30 Uhr abgeholt. Es entspricht gesellschaftlichem Konsens, die Kinder – auch im Schulalter – nicht zu lange extern betreuen zu lassen.








